Am Freitagabend geht es hoch her im Stadion der Freundschaft. Der FC Energie Cottbus empfängt den 1. FC Kaiserslautern zum Spitzenspiel der 2. Bundesliga. Auf die als einziges Team noch ungeschlagenen "Roten Teufel" wartet ein heißer Tanz (ab 20:15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio).

Vor dem Duell sprach bundesliga.de mit den beiden Trainern Claus-Dieter Wollitz (Cottbus) und Marco Kurz (FCK). Die beiden Energiebündel sind erst seit dem Sommer bei ihren aktuellen Arbeitgebern und haben schon viele Hebel in Bewegung gesetzt. Im Interview sprechen sie über den Saisonstart, ihren neuen Arbeitsplatz und das Duell gegeneinander.

bundesliga.de: Herr Wollitz, Herr Kurz, wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Saisonverlauf?

Claus-Dieter Wollitz: Mit dem Start konnten wir sehr zufrieden sein. Wir sind als Mannschaft aufgetreten und hatten zunächst gegen Augsburg und Duisburg in zwei schweren Spielen wichtige Punkte geholt. Leider haben wir danach etwas den Faden verloren, weil wir keine Konstanz in unsere Leistungen bekommen haben. Das hat dem Team etwas vom Selbstverständnis genommen und gibt uns jetzt die Aufgabe, dieses Selbstvertrauen zurückzuholen. Bundesliga-Absteiger haben es in dieser ausgeglichenen 2. Bundesliga nie leicht. Und das spüren wir.

Marco Kurz: Wir sind mit der Art und Weise, wie sich die Mannschaft präsentiert, sehr zufrieden. Wir haben eine holprige Vorbereitung hinter uns gehabt, waren aber auf den Punkt bereit und haben uns von Spiel zu Spiel weiterentwickelt. Wir wissen auch, dass wir mit unserer jungen Mannschaft Schwankungen unterworfen sein werden, aber die Erfolge und Punkte der bisherigen Spiele hat sich die Mannschaft hart erarbeitet. Ihr ist nichts geschenkt worden.

bundesliga.de: Sie beide sind vor der Saison zu ihrem aktuellen Arbeitgebern gekommen. Was hat Sie an der Aufgabe gereizt?

Kurz: Der 1. FC Kaiserslautern hat noch immer einen guten Namen und ist ein großer Verein mit viel Tradition. In den ersten Gesprächen mit Stefan Kuntz ist schon deutlich geworden, dass wir eine auf vielen Ebenen übereinstimmende Philosophie verfolgen und die tägliche Arbeit zeigt dies immer wieder. Die Region hier ist absolut fußballverrückt und das merkt man bei jedem Training, jeder Autogrammstunde, jedem Testspiel und ganz besonders bei den Heimspielen auf dem Betzenberg. Wenn man auf die Stadt zufährt und das Stadion thront über Kaiserslautern - das ist etwas ganz Besonderes und ein Teil davon zu sein und mitzuwirken, den Club wieder nach oben zu bringen, ist eine tolle Aufgabe.

Wollitz: Ich habe den Auftrag bekommen, dem Verein eine neue Identität zu geben. Diese Aufgabe hat mich bei allen damit verbundenen Schwierigkeiten gereizt. Der Verein ist sehr professionell geführt und bietet eine sehr gute Basis für den Erfolg. Aktuell sind wir in einem Umbruch und bis wir die Früchte ernten können, wird es noch eine Zeit brauchen. Wenn wir die notwendige Geduld aufbringen und für diesen steinigen Weg auch die Unterstützung vom Umfeld bekommen, kann Energie Cottbus ein neues erfolgreiches Gesicht bekommen.

bundesliga.de: Energie kassierte bislang die zweitmeisten Gegentore. Allerdings gab es zuletzt nur ein Gegentor in zwei Spielen. Was wurde getan, um die Defensive zu verstärken?

Wollitz: Wir haben die Defensive nicht verstärkt, so wie wir vorher auch nicht offensiv gespielt haben. Wir haben in den Spielen mit der Vielzahl an Gegentoren als Mannschaft nicht funktioniert. Das haben wir erkannt und zuletzt korrigieren können. Du hast in dieser 2. Bundesliga nur eine Chance auf Erfolg, wenn du ein Team bist.

bundesliga.de: Was erwarten Sie vom Duell gegeneinander?

Kurz: Cottbus verfügt als Bundesliga-Absteiger über viel Erfahrung im Kader und hat zudem eine hohe individuelle Qualität. Außerdem treten sie vor eigenem Publikum auf und wollen natürlich den Anschluss nach oben schaffen.

Wollitz: Wir haben derzeit große Verletzungssorgen, was die Vorbereitung auf ein so reizvolles Spiel sicher erschwert. Aber wir spielen im eigenen Stadion vor absolut positiven Fans, die uns bisher durchweg gepusht haben. Diesen Fans wollen wir gegen Kaiserslautern von der ersten Minute an das Gefühl geben, das Spiel gewinnen zu wollen.

bundesliga.de: Herr Kurz, Lautern kassierte auswärts erst zwei Tore. Wie muss Ihre Mannschaft auftreten, um gegen die offensivstarken Lauterer ebenfalls gut in der Abwehr zu stehen?

Kurz: Wir müssen hungrig bleiben und dürfen nicht nachlassen. Nur mit vollem Einsatz, absoluter Lauf- und Einsatzbereitschaft können wir erfolgreich sein und genau so wollen wir auch auftreten. In Frankfurt haben wir eine Halbzeit lang nach dem sehr frühen Rückstand ein sehr gutes Spiel gezeigt und nur unsere vielen Möglichkeiten nicht genutzt. Das wollen wir in Cottbus besser machen.

bundesliga.de: Und wie muss Energie dagegenhalten, Herr Wollitz?

Wollitz: Wir müssen als Mannschaft auftreten, wo jeder für den anderen da ist. Insbesondere unsere sehr jungen Spieler im Team brauchen die Unterstützung der Erfahrenen. Für das Spiel gegen Kaiserslautern werden wir uns bis zur absoluten Erschöpfung auspowern müssen.

bundesliga.de: Herr Kurz, können die FCK-Fans auf ein Comeback von Srdjan Lakic hoffen?

Kurz: "Laky" ist jetzt soweit, wie man nach zwei Wochen Training sein kann. Natürlich fehlt ihm noch einiges, aber er hat hart an sich gearbeitet und ist auf einem guten Weg. Nach sechs Monaten sollte man aber nicht erwarten, dass er sofort bei 100 Prozent ist. Wir nehmen ihn als einen von 20 Spielern mit nach Cottbus, denn zwei unserer Nationalspieler sind erst seit Donnerstabend wieder bei der Mannschaft.

bundesliga.de: Die Tabelle der 2. Bundesliga zeigt deutlich, dass in dieser Liga wirklich alles möglich ist. Wie stark und ausgeglichen ist die Liga Ihrer Meinung nach?

Wollitz: Total ausgeglichen. Es gibt in diesem Jahr überhaupt keine Topfavoriten und an jedem Wochenende faustdicke Überraschungen. Das macht einen großen Reiz dieser Liga aus, verlangt den Teams aber auch unglaublich viel ab. Du musst im Grunde in jedem Spiel für den Erfolg über deine körperlichen Grenzen gehen.

Kurz: Die 2. Bundesliga war auch in den vergangenen Spielzeiten sehr ausgeglichen. In diesem Jahr fehlen die Teams, die schon ihres Etats wegen ganz oben mit dabei sein müssen, wie Köln, Gladbach oder Nürnberg.

Die Fragen stellte Sebastian Stolz