Nachdem Hansa Rostock den Fall in die Drittklassigkeit verhindern konnte, gingen die Norddeutschen mit viel Schwung und Selbstvertrauen in die neue Saison. Doch nach sechs Spieltagen steht der F.C. Hansa wieder im unteren Tabellendrittel der 2. Bundesliga.

Über die Ursachen des durchwachsenen Saisonstarts spricht bundesliga.de mit René Rydlewicz. Der ehemalige Führungsspieler der Rostocker, der 199 Mal für Hansa in der Bundesliga und 2. Bundesliga auf dem Platz stand, ist seit einem halben Jahr Manager der "Kogge".

Rydlewicz erklärt, dass die schlechte Tabellenplatzierung vor allem der Unerfahrenheit der Mannschaft zuzuschreiben ist und er ist sich sicher, dass "wir in der Saison noch viel Freude an der Mannschaft haben werden". Weiterhin spricht der 36-Jährige über die Zukunftspläne des Vereins und den kommenden Gegner.

bundesliga.de: Herr Rydlewicz, warum konnte die Mannschaft in Augsburg nicht an die Leistung des Koblenz-Spiels anknüpfen?

René Rydlewicz: Da muss ich widersprechen. Gegen Koblenz haben wir nicht gut gespielt, aber gewonnen. In Augsburg war es leider anders herum. Da haben wir das Spiel gemacht, aber leider unsere vielen guten Chancen zu wenig genutzt. Ich muss ganz klar sagen: Die Partie in Augsburg war spielerisch unsere beste Auswärtsleistung in dieser Saison.

bundesliga.de: Nachdem Andreas Zachhuber die Mannschaft im Schlussspurt der Vorsaison übernommen hatte, ging regelrecht ein Ruck durch das Team. Warum ist von dieser Selbstsicherheit momentan nur selten etwas zu sehen?

Rydlewicz: Wir haben im Sommer viele Spieler aus dem Nachwuchs in den Profi-Kader hochgezogen. Sie müssen sich im Profi-Fußball erst noch akklimatisieren. Das braucht Zeit, die wir den jungen Spielern geben. Ich bin überzeugt, dass wir in der Saison noch viel Freude an der Mannschaft haben werden. Im Fußball ist es eine ganz einfache Rechnung: Hast du Erfolg, hast du Selbstvertrauen. Ich hoffe, dass wir mit einem Sieg am Sonntag gegen Fürth wieder Selbstvertrauen tanken können.

bundesliga.de: Wenn eine Mannschaft hinter den Erwartungen zurückbleibt, wird in den Medien schnell der Trainer in Frage gestellt. Warum ist Andreas Zachhuber Ihrer Meinung nach der richtige Mann für Hansa?

Rydlewicz: Im Verein gibt es eine eindeutige Maxime: Wir setzen auf Kontinuität. Wir wollen langfristig etwas aufbauen. Da die finanziellen Möglichkeiten bei uns relativ limitiert sind, bauen wir in unserem Zukunfts-Konzept auf den eigenen Nachwuchs. Andreas Zachhuber akzeptiert dies nicht nur, nein, er lebt es. Es gibt beispielsweise unter ihm ein Fördertraining, bei dem die größten Nachwuchstalente zusammen mit den Profis trainieren. Das ist unser Weg, den wir gemeinsam mit Andreas Zachhuber gehen werden. Deshalb ist er der richtige Trainer.

bundesliga.de: Hansa ist eine der wenigen Mannschaften der Bundesliga und 2. Bundesliga, die nicht mehr im DFB-Pokal dabei sind. Sicherlich eine bittere Tatsache. Aber sehen Sie die Auszeit, die die Mannschaft im Gegensatz zu anderen Teams diese Woche hat, vielleicht auch als kleinen Vorteil?

Rydlewicz: Wir wären gern in die 2. Runde eingezogen, schon allein aus finanziellen Gesichtspunkten. Das Aus ist nicht zu ändern. Als Vorteil sehe ich das nicht. Die Mannschaft ist so fit, dass sie locker auch das Pokalspiel und das Ligaspiel gegen Fürth verkraftet hätte.

bundesliga.de: Der kommende Gegner heißt Greuther Fürth. Was erwarten Sie von Ihrer Mannschaft in dieser Partie?

Rydlewicz: Fürth war und ist eine spielstarke Mannschaft. Wir haben in Augsburg gezeigt, dass auch in unserer Mannschaft spielerische Klasse steckt. Wenn dazu noch unsere Effizienz aus dem Koblenz-Spiel kommt, denke ich, dass sich die Zuschauer auf ein tolles Fußballspiel freuen können.

bundesliga.de: Tim Sebastian hat sich bei der Niederlage in Augsburg verletzt. Wird er gegen die SpVgg auflaufen können?

Rydlewicz: Das wird sich kurzfristig entscheiden. Sein Nasenbeinbruch musste nicht operiert werden. Somit stehen die Chancen nicht schlecht, dass er mit einer Spezialmaske auflaufen kann.

bundesliga.de: Sie sind seit rund einem halben Jahr Manager von Hansa. Was sind die größten Herausforderungen in Ihrem Beruf?

Rydlewicz: Um es auf den Punkt zu bringen: aus wenig viel zu machen.

bundesliga.de: Welche Pläne haben Sie für den Verein in der näheren Zukunft?

Rydlewicz: Nach dem Fast-Abstieg in der vergangen Saison müssen wir uns stabilisieren. Unser Ziel ist es, dass wir ein sportliches und wirtschaftliches Fundament bauen, um Hansa langfristig in der Bundesliga zu etablieren.

bundesliga.de: Egal, ob es nun läuft oder nicht, würden Sie manchmal am liebsten nochmal das Trikot überstreifen und mitspielen?

Rydlewicz: Ganz ehrlich, es juckt schon immer noch ein bisschen in den Füßen, wenn man am Spielfeldrand steht.

Die Fragen stellte Sebastian Stolz