Hamburg - Arm in Arm, fröhlich feixend spazierten FC St. Pauli Trainer Ewald Lienen, der im November 62 Jahre alt wird, und sein elfeinhalb Jahre jüngerer Kollege Christian Streich aus den Katakomben des Millerntorstadions Richtung Trainerbänke. Wie zwei Schuljungen auf dem Weg zum Bolzplatz - nichts zu spüren von der Anspannung eines Spitzenspiels Fünfter gegen Erster.

Vor den beiden Trainern lag Jubiläumsspiel Nummer 25. Eine Prognose über den Ausgang der Partie ließ die Statistik nicht zu, denn die wies eine ausgeglichene Bilanz auf. Von den 24 Duellen zwischen den FC St. Pauli und SC Freiburg in der ersten und zweiten Liga feierte jedes Team acht Siege, acht Mal gab es keinen Gewinner. Danach sah es zunächst auch in dieser Partie aus aber Marc Rzatkowski sorgte in der Nachspielzeit für den viel umjubelten Siegtreffer der Hausherren.

Buchtmann freut sich über Lucky Punch

"Heute haben wir mal den Lucky Punch gesetzt“, freute sich Christopher Buchtmann und erinnerte an das Gegentor zum 3:3 bei Union Berlin in der vierten Minute der Nachspielzeit in der Vorwoche.

Streich hatte sich nach schwächerer zweiter Halbzeit seines Teams schon mit der Punkteteilung zufriedengegeben und in der Schlussphase dreimal ausgewechselt, um Zeit zu gewinnen. "Das mache ich normalerweise nicht. Und ich bin nicht sicher, ob ich es so noch einmal machen würde", gab sich der Freiburg-Trainer selbstkritisch.

Streich weicht Fragen nach Saisonziel weiter aus

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"Fragen Sie mich nach zehn Spieltagen noch mal", war der 50-Jährige nach dem DFB-Pokalspiel im August beim Hamburger Stadteilklub Barmbek-Uhlenhorst nach dem großen Umbruch in der Sommerpause nicht bereit, ein Saisonziel zu nennen. 14 Spieler hatten nach dem Abstieg den Verein verlassen, 15 neue (inklusive zurückgekehrter Leihspieler) musste Streich integrieren.

Nach zwölf Spieltagen führen die Breisgauer die Tabelle an, sind mit 24 Treffern das torgefährlichste Team der Liga. Doch der Frage nach dem Saisonziel weicht Streich weiterhin beharrlich aus. "Wir sind eine von zehn Mannschaften, die unter die ersten Zehn kommen können", lautete seine kryptische Antwort.

Eine Antwort, die bei seinem Kollegen Lienen eine spontane Reaktion hervorrief. "Ich habe Dir schon vor dem Spiel gesagt, dass das Blödsinn ist", fiel der Trainer der Braun-Weißen seinem Gegenüber ins Wort. Für Lienen ist der SC offensichtlich ein klarer Aufstiegskandidat, wenn nicht gar "das Bayern München der 2. Bundesliga".

Kein Grund, neue Ziele zu definieren

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Für seine Mannschaft gelte das nicht. "Vor ein paar Monaten wären wir beinahe abgestiegen", ruft Lienen in Erinnerung. "Ein Spiel mit einem späten Sieg wie heute ist Balsam für unsere Seelen, aber wir tun gut daran, weiter von Spiel zu Spiel zu denken."

Eine Mentalität, die seine Profis verinnerlicht haben. "Wenn wir nach dem 30. Spieltag noch da oben stehen, dann können wir darüber reden", sieht Kapitän Jan-Phillipp Kalla auf Nachfrage von bundesliga.de nach dem Sprung auf Platz drei keinen Grund, Saisonziele neu zu definieren.

Rzatkowski freut sich auf Wiedersehen

"Bitte glaubt mir, dass wir nicht auf die Tabelle schauen", stellt auch Rzatkowski klar. "Heute können wir uns freuen, und ab morgen bereiten wir uns dann auf Bochum vor." Auf ein weiteres Spitzenspiel bei seinem Ex-Club freut sich der Torschütze ganz besonders. "Da treffe ich viele alte Bekannte wieder. Besonders freue ich mich, auf Andi Pahl", so der 25-Jährige. Der Zeugwart des VfL habe ihn "als jungen Profi an die Hand genommen und sehr geholfen. Wir hatten viel Spaß miteinander".

Und "Andreas Luthe würde ich gerne einen reinmachen". Kein Wunder: Der Torwart des VfL, "war früher mein Zimmergenosse". Die Anhänger des FC St. Pauli würden das natürlich begrüßen, und das Team würde sich mit einem Auswärtssieg in einer Woche weiter von den Verfolgern absetzen.

Wichtige Spiele für Freiburg

Nur drei Tage bleiben Streich, die Niederlage aus den Köpfen der Spieler zu bekommen. Am Mittwoch ist Erstligist FC Augsburg im DFB-Pokal zu Gast im Schwarzwald-Stadion. Und am Sonntag kommt es zum einem weiteren Verfolger-Duell mit Eintracht Braunschweig.

"Da wollen wir gewinnen und uns oben festsetzen", gibt Nils Petersen die Richtung vor. Für den Top-Torschützen ist klar, dass "wir alles dafür geben, den Wiederaufstieg zu schaffen".

Aus Hamburg berichtet Jürgen Blöhs