Aue - Der FC Erzgebirge Aue klopft ans Tor zum "Oberhaus", redet aber weiterhin nur vom Klassenerhalt: Die Überraschungself der 2. Bundesliga hält nach dem Höhenflug der letzten Wochen den Ball flach. Obwohl der Aufsteiger vor dem Duell am Freitag gegen Fortuna Düsseldorf (ab 17:45 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) auf Rang 2 platziert ist, will man im Erzgebirge vom Durchmarsch in die Bundesliga nichts wissen.

"Den Klassenerhalt hat man erst mit 42 Punkten geschafft. Und die haben wir noch lange nicht erreicht. Es kann noch so viel passieren", sagte Geschäftsführer Günther Großmann und warnte vor zu großen Erwartungen, die die "Veilchen" durch ihren imposanten Zwischenspurt geweckt haben könnten.

Trainer Schmitt scheut Vergleiche

Das Team aus dem Erzgebirge steht mit 23 Punkten nur noch drei Zähler hinter Tabellenführer Hertha BSC, weist aber den deutlich geringeren Etat aus. Trotz der geringen finanziellen Mittel stellt der FC Erzgebirge momentan das erfolgreichste Profiteam im Osten Deutschlands und wird schon jetzt als das "Mainz der 2. Bundesliga" bezeichnet. "Wir spielen einen ähnlichen Fußball wie Mainz, attackieren den Gegner früh. Aber in der Bundesliga ist das naturlich noch mal eine andere Qualität", sagte Aues Mittelfeldspieler Marc Hensel.

Trainer Rico Schmitt will davon allerdings nichts hören. "Jeder Verein hat seine eigene Historie. Ich halte nichts von diesen Vergleichen", sagte Schmitt. Ähnlichkeiten zwischen dem 42-Jährigen und Mainz-Trainer Thomas Tuchel muss sich Schmitt jedoch gefallen lassen. Beide haben die Angewohnheit, ihren Spielern einen so genannten "Matchplan" mitzugeben. Damit erhält jeder Profi ein Profil mit Stärken und Schwächen des jeweiligen Gegenspielers.

Auch Großmann erkennt gewisse Parallelen zwischen den beiden Fußballlehrern: "Schmitt und Tuchel sind beide junge Trainer, die erst vor kurzem ihren Lehrschein gemacht haben. Beide arbeiten sehr akribisch, korrekt und gewissenhaft." Die Akribie des Trainers ist nur ein Grund, warum der dreimalige DDR-Meister momentan derart erfolgreich ist. "Selbst nach einem guten Spiel zeigt der Trainer uns nie die guten Szenen auf, sondern die eine, die nicht funktioniert hat", sagt Hensel über den Coach.

Gelungene Mischung

Doch neben dem guten Personal hat sich auch die Infrastruktur des Clubs deutlich verbessert. Dem Nachwuchsleistungszentrum ist ein Internat angeschlossen. So lockt Aue regelmäßig die besten Nachwuchskicker der Region.

Die aktuelle Mannschaft vereint Routiniers wie den 36 Jahre alten Abwehrhaudegen Tomasz Kos und junge Spieler wie den 22 Jahre alten Torwart Martin Männel. Vor allem die Abwehr um den erfahrenen Kapitän Rene Klingbeil, ehemals für Bundesligist Hamburger SV aktiv, ragt heraus. Ob nun beabsichtigt oder eher als "Nebenprodukt" im Kampf um den Klassenerhalt - mit einem Sieg gegen Düsseldorf bleibt Aue voll im Aufstiegsgeschäft...