Zusammenfassung

  • Anthony Modeste ist nach 18 Monaten wieder beim 1. FC Köln

  • "Ich bin sehr glücklich, wieder bei dem Club zu sein, den ich meine Heimat nenne", so Modeste

  • Jetzt soll es mit seinen Toren zurück in die Bundesliga gehen

Köln - Es war kein normaler Samstagabend für den 1. FC Köln. Der Verein feierte seinen 70. Geburtstag aus dem Februar mit einer rauschenden Gala nach – und sorgte nicht nur im Saal für Jubelstimmung. Mit der Rückkehr von Anthony Modeste brachten die "Geißböcke" ihre Fans zum Ausrasten, besonders in den sozialen Netzwerken überschlugen sich die Reaktionen. Kaum verwunderlich, holen die Kölner damit doch den Angreifer zurück, der sie vor anderthalb Jahren in den Europapokal geschossen hat.

Im Mai 2017 hatten die FC-Fans ihren Helden im wahrsten Sinne des Worte auf Händen getragen. Nach dem ersehnten Einzug ins internationale Geschäft, an dem Modeste mit 25 Saisontoren einen riesigen Anteil hatte, ließen die Anhänger ihrer Verehrung freien Lauf und den Publikumsliebling noch an der Stelle des größten Erfolgs der jüngsten Vereinsgeschichte hochleben. Es waren die letzten Momente, die Fans und Aushängeschild der erfolgreichen Mannschaft zusammen verbringen durften. Denn: Modeste verließ den Verein noch im Sommer Richtung China, wo er letztlich nicht glücklich wurde. Nur 18 Monate später steht fest, dass der französische Top-Torjäger zu den "Geißböcken", nach dem sechsten Abstieg der Vereinsgeschichte inzwischen in der 2. Bundesliga zuhause, zurückkehrt.

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25 Tore für Europa

"Ich bin sehr glücklich, wieder bei dem Club zu sein, den ich meine Heimat nenne", verkündete Modeste auf seinem Twitteraccount. "Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, wie eng ich dem FC emotional verbunden bin. Auch nicht, während ich zuletzt im Ausland gespielt habe. Als sich jetzt tatsächlich die Möglichkeit ergeben hat, zurückzukommen, war kein Überlegen mehr notwendig", erklärte der 30-Jährige wenig später in einem Interview beim Kölner "Express". Sätze, die die Herzen der Kölner Anhänger schneller schlagen lassen. Denn Modeste war in seiner ersten Zeit beim 1. FC Köln zwischen 2015 und 2017 nicht nur aufgrund seiner Tore absoluter Publikumsliebling – mit seiner lebenslustigen Art traf der Franzose den Nerv der FC-Fans und war auch im Team außerordentlich beliebt.

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Video: Zurücklehnen und Modeste-Tore genießen!

Die Zahlen sprechen für sich: Nach 15 Toren in seiner Debütsaison 2015/16 drehte Modeste in der darauffolgenden Spielzeit so richtig auf. Im Angriff der Kölner war er der absolute Fixpunkt und aus allen Lagen erfolgreich. 25 Treffer standen am Ende zu Buche – für den Traditionsclub vom Rhein hatten zuvor nur Hannes Löhr (1967/68, 27 Tore), Dieter Müller (1976/77, 34) und Klaus Allofs (1984/85, 26) öfter in einer Bundesliga-Saison jubeln dürfen. Das Trio stemmte am Ende der Spielzeit allerdings auch die Torjägerkanone in die Höhe – das war Modeste nicht vergönnt, denn sowohl Pierre-Emerick Aubameyang (31) als auch Robert Lewandowski (30) zeigten sich noch treffsicherer. Das dürfte dem Franzosen allerdings herzlich egal gewesen sein: Überraschend erreichte er mit dem FC Platz fünf und feierte den erstmaligen Einzug in den Europapokal nach 25 Jahren kölscher Abstinenz.

Solche Erinnerungen sind es, die die Freude über die Verpflichtung des Torjägers anheizen. Und es ist natürlich der Ausblick, einen Ausnahmekönner in der 2. Bundesliga begrüßen zu können. An der "Mission Wiederaufstieg", die der FC vor der Saison ausgerufen hat, soll Modeste einen entscheidenden Anteil haben. Der 30-Jährige, der bei den Kölnern einen Vertrag bis 2023 erhält, verstärkt damit die eh schon prominent besetzte Offensivreihe der Mannschaft von Trainer Markus Anfang. Zuletzt beim 8:1-Sieg über Dynamo Dresden glänzte neben dem bisher überragend auftrumpfenden Simon Terodde, der mit 16 Treffern souverän das Rennen um die Torjägerkanone in der 2. Bundesliga anführt, auch Jhon Cordoba mit zwei Toren. Dazu können die "Geißböcke" im Angriff auf Modestes talentierten Landsmann Serhou Guirassy sowie Simon Zoller setzen – so manch ein Bundesligist dürfte von dieser "Abteilung Attacke" träumen.

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Sein Markenzeichen: Beim Torjubel imitierte Anthony Modeste immer ein Brillen-Emoji
Sein Markenzeichen: Beim Torjubel imitierte Anthony Modeste immer ein Brillen-Emoji © DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA / Alexander Scheuber

"Werde alles für den Wiederaufstieg geben"

"Wir bekommen mit Tony einen Topstürmer hinzu, der die Mannschaft, den Club und die Stadt kennt", weiß FC-Sportgeschäftsführer Armin Veh um die Qualitäten des Rückkehrers, mahnt jedoch im gleichen Atemzug: "Es ist aber auch ganz klar: Tony Modeste steigt bei uns nicht als großer Star ein, der den FC allein zum Aufstieg schießen soll, sondern er ist ein Teil dieser Mannschaft", so der ehemalige Bundesliga-Trainer, der seit Dezember 2017 die Geschicke des derzeitigen Tabellenzweiten der 2. Bundesliga leitet. Modeste ist derweil motiviert, die Vorschusslorbeeren zu rechtfertigen: "Ich werde alles für den direkten Wiederaufstieg geben", betont der Angreifer, der auch sagt: „"Ich kann es kaum erwarten, wieder für den FC aufzulaufen!“"

Für den FC, den der Franzose offenbar als seine Heimat empfindet. Und bei dem er auf viele Weggefährten aus der guten, alten Zeit trifft. Nationalspieler Jonas Hector hat dem Club trotz des Abstiegs ebenso die Treue gehalten wie Torhüter Timo Horn. Viel Eingewöhnungszeit wird Modeste daher kaum brauchen, zumal er bereits seit einiger Zeit bei der U21 der "Geißböcke" mittrainiert. "Köln, ich bin zurück", so sagt es der Publikumsliebling in einem weiteren Post: "Ich habe es vom ersten Tag an vermisst. Manchmal weiß man nicht, wie wichtig einem wirklich etwas ist, bis man es nicht mehr hat", spricht er den Kölner Fans aus dem Herzen.

Es hat sich offensichtlich wiedergefunden, was zusammen gehört. Der FC brachte es mit Emojis auf den Punkt: Ein Brillensmiley (für Modestes Jubel) plus ein Geißbock (Erklärung nicht nötig) gleich Herz-Zeichen.

Thomas Reinscheid