Köln - Fast hätte Dynamo Dresden noch ein gewichtiges Wort im Rennen um den Bundesliga-Aufstieg mitreden können. Doch nach der unglücklichen 0:1-Niederlage bei Eintracht Braunschweig dürfte sich das Thema bei nun acht Punkten auf den Relegationsaufstiegsplatz erledigt haben. Trotzdem können die Sachsen auf eine tolle Runde zurückblicken, wie auch Andreas Lambertz im Interview mit bundesliga.de betont. Vor der Partie gegen seinen langjährigen Ex-Verein Fortuna Düsseldorf spricht der 32-Jährige über seine Vorfreude auf das Spiel und den großen Zusammenhalt bei Dynamo.

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bundesliga.de: Andreas Lambertz, wie haben Sie und die Mannschaft mit ein paar Tagen Abstand den Nackenschlag der Last-Minute-Niederlage in Braunschweig verdaut?

Andreas Lambertz: Kurz nach dem Spiel waren wir schon sehr niedergeschlagen. Für mich war die Partie ein klassisches 0:0-Spiel. Deshalb war das Ergebnis dann sehr enttäuschend.

bundesliga.de: Ein 0:0-Unentschieden hätte Dynamo Dresden allerdings auch nicht viel mehr genutzt, wenn die Mannschaft die Aufstiegsränge noch einmal hätte angreifen wollen. Ist der Spuk jetzt vorbei oder war ein möglicher Aufstieg in die Bundesliga eh kein Thema in der Truppe?

Lambertz: Wir haben uns das immer ein bisschen offen gehalten. So lange man mit der Spitze auf Tuchfühlung bleibt, kann immer etwas passieren. Im Fußball ist schon viel geschehen, mit einer kleinen Serie wäre vielleicht noch etwas möglich gewesen. Ob es so gekommen wäre, steht auf einem anderen Blatt. Wir haben auf alle Fälle bis jetzt eine sehr ordentliche Runde gespielt. Wir haben uns immer gut präsentiert und gute Ergebnisse gegen die Großen erzielt. Und dann denke ich an das Heimspiel gegen Hannover 96 oder die Gastspiele beim 1. FC Heidenheim, 1860 München oder beim VfB Stuttgart. Das waren alles Spiele, die wir gewinnen hätten können, vielleicht sogar müssen. Dann wären wir mittendrin im Aufstiegsrennen gewesen. Das ist dann vielleicht noch der qualitative Unterschied, warum andere Teams ein paar Punkte mehr haben als wir.

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bundesliga.de: Vor der Saison hätte in Dresden aber sicher jede die aktuelle Ausbeute unterschrieben?

Lambertz: Keine Frage. Wenn man dann so eine Saison spielt, tat auch das Lob von Braunschweigs Trainer Torsten Lieberknecht gut, der sagte, dass wir eigentlich den geilsten Fußball spielen. Es war schön so ein fettes Lob von einem Trainer zubekommen, dessen Mannschaft ganz oben mit dabei ist.

bundesliga.de: Sie persönlich haben auch eine gute Saison mit bislang drei Toren und vier Assists vorzuweisen. In der Rückrunde saßen Sie jetzt ein paar Mal auf der Bank. Wie sind Sie damit zurecht gekommen?

Lambertz: Ach, das war kein Problem. In der englischen Woche hat mir der Trainer eine Pause gegönnt, davor einmal gegen Hannover. Das ist vollkommen in Ordnung. Ich habe einen guten Draht zum Trainer und akzeptiere und respektiere seine Entscheidung.

bundesliga.de: Nun spielen Sie mit Dynamo gegen Ihren alten Verein. Haben Sie sich schon mal die Frage gestellt, ob Friedhelm Funkel zu spät zur Fortuna gekommen ist. Er setzt bekanntlich gerne auf erfahrene Spieler. Vielleicht würden Sie heute noch am Rhein spielen, wenn er schon ein Jahr früher da gewesen wäre.

Lambertz: (lacht) Das weiß ich nicht. Es ist nicht so gekommen. Deshalb habe ich mir darüber auch keine Gedanken gemacht.

bundesliga.de: Wie groß ist Ihre Vorfreude auf das Wiedersehen mit der Fortuna?

Lambertz: Darauf freue ich mich immer wieder, obwohl auch nicht mehr allzu viele von den Jungs dabei sind, mit denen ich noch zusammen gespielt habe.

bundesliga.de: Haben Sie ein schlechtes Gewissen, dass die Fortuna seit ihrer Niederlage gegen Dynamo kein Heimspiel mehr gewinnen konnte?

Lambertz: Ist das so? Aber dafür können wir nicht verantwortlich gemacht werden. Das ist sicher nur ein Zufall.

bundesliga.de: Droht die Fortuna noch richtig unten reinzurutschen? Machen Sie sich Sorgen?

Lambertz: Eigentlich nicht. Im Moment fehlt ihnen wahrscheinlich ein bisschen das Selbstvertrauen, dann kann man in einen Abwärtstrend gelangen. Vielleicht pusht sie aber das letzte Spiel gegen Union Berlin, in dem sie nach einem 0:2-Rückstand wieder zurückgekommen sind. Ich glaube, die Fortuna ist stark genug, um mit dem Abstiegskampf nichts zu tun zu haben.


bundesliga.de: Wie wohl fühlen Sie sich bei Dynamo?

Lambertz: Ich fühle mich super. Es passt hier einfach. Abgesehen von Stefan Kutschke, Fabian Müller und Marco Hartmann, von denen mich nur drei, vier Jahre trennen, sind die meisten anderen Mitspieler zehn Jahre jünger als ich. Dieses Klima ist für mich trotz des großen Altersunterschieds einfach geil. Ich komme mit den jungen Spielern sehr gut klar. Es machen nicht nur das Training und die Spiele so viel Spaß, sondern auch das ganze Drumherum in der Kabine. Das ist wahrscheinlich auch unser Erfolgsgeheimnis. Es passt einfach, es macht Spaß. Mit Spaß läuft auch alles leichter.

bundesliga.de: Was hat sich Dynamo für die letzten Spiele der Saison vorgenommen?

Lambertz: Die Niederlage in Braunschweig wird uns keinen Tiefschlag versetzen. Wir sind auch nach der Niederlage in Hannover zurückgekommen. So werden wir das auch weiter handhaben und fleißig Punkte sammeln.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski