Karlsruhe - "Wenn man sieht, wie viele Fans der Verein noch hat, ist die Grundlage für die 2. Bundesliga auf jeden Fall da." Der Mann, der das sagt, muss es wissen. Schließlich ist er seit Mitte der Siebziger Jahre als Spieler, Jugend-, Assistenztrainer beim Karlsruher SC beschäftigt.

Als Cheftrainer führte er den Verein in die Bundesliga, er wurde entlassen, als die damalige Clubführung nach dem Abstieg das Gefühl bekam, es könnte schwer werden mit dem Spitzenplatz in der 2. Bundesliga - nach zwei Spieltagen.

Edmund "Ede" Becker hat in den letzten zweieinhalb Jahren viele Nachfolger kommen und gehen sehen. Derzeit versucht der fünfte, Jörn Andersen, das Team vom letzten Tabellenplatz nach oben zu führen.

Mittelfristig will man wieder andere Ziele anpeilen - mit seinen Nachwuchsmannschaften steht der KSC weit besser da als mit den Profis. Und großen Anteil daran hat der Mann, der beim KSC nach einigen Monaten wieder anfing: Als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums. "Mir macht die Arbeit großen Spaß", sagt Becker, "man kann sich hier ganz auf Fußball konzentrieren und ist nicht davon abhängig, ob der Ball am Samstag am Pfosten gelandet ist oder reinging."

"Mit 28 war ich Sportinvalide"

Im Sommer 1977, also vor mehr als 34 Jahren, debütierte Becker im Profiteam, für das er bis 1986 in 157 Spielen 19 Tore erzielte - eine außergewöhnlich gute Quote für einen Verteidiger und Mittelfeldspieler. "Leider machte dann das Knie nicht mehr mit", erinnert sich der Mann, den alle "Ede" nennen, "ich hatte ähnlich wie Matthias Sammer Bakterien im Meniskusbereich - mit 28 war ich Sportinvalide."

Nach vier Jahren als Spielertrainer bei seinem Stammverein TSV Reichenbach 05 arbeitete er von 1990 bis 2005 er als Jugend- und Assistenztrainer beim KSC - unter anderem 1999/2000 unter einem gewissen Jogi Löw. Am 13. Januar 2005 war es dann so weit. Nachdem der Club sich von Lorenz Günther Köstner getrennt hatte, schlug die Stunde von Ede Becker.

Er wollte partout nicht Cheftrainer werden

Doch nicht immer findet der, dem die Stunde schlägt, es eine gute Idee, auf die Glockenklänge zu hören: Becker wehrte sich mit Händen und Füßen dagegen, nun auf die Kommandobrücke berufen zu werden. Im Wintertrainingslager in der Türkei bedurfte es schon der gesamten Bauernschläue des damaligen Managers Rolf Dohmen, um den unwilligen Assistenztrainer dazu zu bewegen zuzusagen.

Unter Mithilfe zahlreicher Spieler, die sich vereinsintern schon lange für Becker stark gemacht hatten, gelang es schließlich, den langjährigen Nachwuchscoach umzustimmen. "Das war schon kurios", erinnert er sich heute. "Ich habe kurz vorher noch mit einem Vertrauten telefoniert und gesagt, dass ich das nicht machen werde. Und ich glaube, wenn die Spieler mich nicht so bearbeitet hätten, wäre ich auch dabei geblieben." So aber rief er kurz darauf bei seiner Frau an - und sagte daraufhin zu.

Spielerisch bis in die Bundesliga

Es sollte der Beginn einer erfolgreichen viereinhalb Jahre dauernden Epoche werden, die dem heutigen Tabellenletzten der 2. Bundesliga zunächst den Klassenerhalt bescherte. In der darauffolgenden Saison spielte man oben mit, ehe in der Saison 2006/2007 sogar der Aufstieg in die Bundesliga gelang. Dort schaffte Becker mit einer No-Name-Truppe im ersten Jahr den Klassenerhalt.

Und so ganz nebenbei gelang ein Imagewandel, der nicht zuletzt der Arbeit des Trainers zu verdanken war. Schließlich wusste der KSC unter der Regie Beckers vor allem spielerisch zu überzeugen. Gerade auswärts spielte die Mannschaft um Giovanni Federico, Christian Timm und Torwart Markus Miller einen taktisch-disziplinierten Konterfußball, der dem Team einigen Respekt einbrachte.

Das zweite Jahr wurde trotz überzeugender Hinrunde schwieriger - trotz eines 4:0-Sieges gegen Hertha BSC stand am 34. Spieltag der Abstieg fest. Als dann noch der Start in die Zweitligasaison missriet, war für Ede Becker Schluss - nach dem 2. Spieltag.

"Stabile Basis und mehr Identifikation"

"Vorbei", sagt Becker und lächelt. "Die Wunden sind längst vernarbt." Während des Gesprächs hat er drei Anrufe weggedrückt, wer ihn bei der Arbeit erlebt, glaubt ihm sofort, dass er in seinem derzeitigen Job aufgeht.

"Der KSC", sagt er, "war schon immer ein Ausbildungsverein. Wir wollen wieder dahin kommen, dass wir eine stabile Basis in der 2. Bundesliga bekommen und wieder mehr Identifikation schaffen durch junge Spieler."

Und wer wäre besser dafür geeignet, dafür die Basis zu legen als der Mann, der dem Club seit 35 Jahren die Treue hält und zu den renommiertesten Nachwuchsfachleuten der Republik gehört? Ede Becker lacht: "Das haben jetzt aber Sie gesagt."

Christoph Ruf