Köln - KSC-Trainer Markus Kauczinski präsentiert sich dieser Tage überraschend locker und entspannt. Bei allem Lob für den Hamburger SV, den er im Hinspiel weit besser sah als viele Journalisten, traut er seiner Mannschaft die Überraschung zu. Schließlich sei der Karlsruher SC psychologisch im Vorteil.

Am Samstag hat Markus Kauczinski seine Spieler noch einmal um sich geschart. Ein paar Fangübungen für die Keeper, leichtes Laufprogramm für die Feldspieler, danach war Feierabend. "Wir haben heute das Tempo rausgenommen", berichtet der Karlsruher Trainer, dessen Ansprache an die Mannschaft sich deshalb "auf drei Sätze beschränkt" hat. Die Spieler sollen nach dem 1:1 im Hinspiel zur Ruhe kommen, ehe am Sonntag und Montag der letzte Feinschliff vor dem Rückspiel ( Mo. ab 18:30 Uhr im Liveticker) erfolgt. Groß motivieren müsse er die Mannschaft bis dahin eh nicht mehr, hat Kauczinski noch wissen lassen. "In der Stadt ist eine richtige Euphorie, die überall zu spüren ist."

Lob für den HSV

Überrascht war der Karlsruher Trainer hingegen über das Medienecho nach dem Hinspiel. So schwach wie viele Journalisten hatte er die Hamburger jedenfalls nicht gesehen - im Gegenteil: "Das ist eine gute Mannschaft, die jederzeit gefährlich ist. Wer etwas anderes sagt, hat keine Ahnung. Dass ihre Stärken vielleicht nicht so zum Tragen kamen, lag auch an uns."

Tatsächlich hatte der KSC im Hinspiel bekanntlich eine starke Leistung gezeigt, die selbst von den Hamburger Medien ausführlich gewürdigt wurde. Defensiv ging man konzentriert zu Werke und ließ die Gastgeber erst in der Schlussphase etwas besser ins Spiel kommen. In diesem Bereich dürfte eine ähnlich starke Leistung wie im hohen Norden schon fast das Optimum dessen sein, was eine Zweitligamannschaft erreichen kann. Luft nach oben sieht man im Karlsruher Lager deshalb auch eher im Spiel nach vorne, wo Sportdirektor Jens Todt schon am Donnerstag etwas mehr Konsequenz angemahnt hatte.

So sieht es offenbar auch Kauczinski, der dabei gar nicht mal die beiden Lattenschüsse in der 52. Spielminute vor Augen hat, als kurz hintereinander Dimitrij Nazarov und Manuel Torres den möglichen Treffer zum 2:0 verpassten. "Ich kann doch bei einem Schuss aus 40 Metern nicht sagen: Das nächste Mal machst du ihn aber rein ..."

Nur Peitz fällt aus

Beim Hamburger SV werden Heiko Westermann und Gojko Kacar ersetzt werden müssen, beide holten sich im Hinspiel eine Gelbe Karte zu viel ab. Dass Dominic Peitz nach seiner zehnten Gelben ausfällt, ist hingegen die einzige Personalie, die den KSC-Verantwortlichen derzeit noch Kopfzerbrechen bereitet. Für den kopfballstarken 1-Meter-96-Hünen könnte Gaétan Krebs zum Einsatz kommen. Denkbar wäre auch, dass Hiroki Yamada nach möglicherweise überstandener Verletzung in den Kader rückt, in diesem Fall würde Reinhold "Ray" Yabo den defensiveren Part in der Mittelfeldzentrale übernehmen.  

"In Hamburg haben wir einen beherzten Auftritt hingelegt und ich bin guter Dinge, dass wir mit den eigenen Fans im Rücken noch beherzter auftreten werden", sagt Kauczinski. "Das wird aber auch nötig sein, denn auch der HSV wird eine Schippe drauflegen." Dass Karlsruhes Trainer die Favoritenrolle weit von sich weist, überrascht da wenig. Die Ausgangslage - "das wird ein 50:50"-Spiel - habe sich nach dem Hinspiel nicht geändert.

Lediglich psychologisch sei der KSC im Vorteil: "Der HSV hat etwas zu verlieren, wir nicht. Denn was man nicht hat, kann man nur gewinnen." Das ist ebenso unwiderlegbar wie die Arithmetik, die sich nach dem Hinspiel ergibt: Gelingt es dem KSC, kein Gegentor zu bekommen, ist er in der Bundesliga. "Die Defensive ist unsere Stärke", betont dann auch Verteidiger Daniel Gordon. "Ich bin sehr optimistisch, denn die bessere Mannschaft wird gewinnen - nicht die besseren Einzelspieler."

Christoph Ruf