Zusammenfassung

  • FCN-Kapitän Hanno Behrens glaubt fest an den Aufstieg mit Nürnberg
  • Er rät seinen Teamkollegen, im Aufstiegskampf nicht zu viel nachzudenken
  • Behrens versucht stets, mit Leidenschaft voranzugehen

Nürnberg - Mannschaftskapitän Hanno Behrens hat großen Anteil daran, dass der 1. FC Nürnberg kurz vor Saisonende voll auf Kurs Richtung Bundesliga liegt. Der aufstiegserfahrene Vorzeige-Profi spricht im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de darüber, wie er seinen jungen Teamkollegen hilft, sich von der Aussicht auf die Bundesliga nicht lähmen zu lassen, über die unzähligen Lobeshymnen auf seine Person und über seine Torgefährlichkeit.

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bundesliga.de: Herr Behrens, am 23. Spieltag konnte der "Club" Dank eines 3:1 über Duisburg die Tabellenspitze erklimmen. Danach hatten Sie und ihre Teamkollegen Probleme, ehe jetzt in Kiel ein wichtiger Sieg folgte. Lähmte die Aussicht, aufsteigen zu können, ein Stück weit?

Hanno Behrens: Nein. Ich sehe den Grund dafür eher in der großen Ausgeglichenheit der Liga. Woche für Woche erlebt man, dass jeder jeden schlagen kann. Fortuna Düsseldorf war – zumindest gefühlt – bereits aufgestiegen, hatte dann aber dreimal in Folge verloren. Nein. Ich denke nicht, dass uns die Aussicht auf den Aufstieg lähmt.

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"Wir sind gut beraten, wenn wir uns auf unser eigenes Spiel fokussieren und jede Partie als Endspiel begreifen"

bundesliga.de: Allerdings haben Sie kürzlich über Ihre jungen Teamkollegen gesagt, man fange nun wohl doch an nachzudenken. Was rät ein erfahrener Spieler wie Sie, selbst mit Darmstadt zweimal in Folge aufgestiegen, den Jungen?

Behrens: Genau das – allzu viel nachzudenken – nicht zu tun. (lacht) Sie sollen einfach Spiel für Spiel angehen, ohne auf unsere Tabellensituation zu schauen. Wir sind gut beraten, wenn wir uns auf unser eigenes Spiel fokussieren und jede Partie als Endspiel begreifen. Schließlich sind es nur noch drei Spiele.

bundesliga.de: Tatsächlich scheint die Ausgangslage trotz der zuletzt eher mageren Ergebnisse immer noch sehr komfortabel bei nur zwei Punkten Rückstand auf Düsseldorf, fünf Punkten und sieben Punkte Vorsprung auf Platz vier...

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Behrens: Ich sehe das ebenfalls als sehr gute Ausgangslage an. Hätte uns jemand zu Saisonbeginn vorausgesagt, dass wir so kurz vor Saisonende Tabellenzweiter sein würden, hätten wir wohl schon damals Freudentänze aufgeführt. Wir haben nach wie vor alles in der eigenen Hand. Und wenn wir in den verbleibenden Partien unsere Leistung bringen, werden wir ein positives Saisonende erleben.

Kapitän Behrens übernimmt Verantwortung auch vom Punkt
Kapitän Behrens übernimmt Verantwortung auch vom Punkt © imago / Zink
"Mir selbst gelingt es ganz gut, den Fußball ruhen zu lassen und über andere Dinge nachzudenken"

bundesliga.de: Kann man in dieser entscheidenden Phase der Saison überhaupt einmal abschalten?

Behrens: Ich halte es gerade in einer solchen Phase für ganz wichtig, einmal abzuschalten. Letztlich muss aber jeder Spieler für sich einen Weg finden, den Kopf frei zu bekommen und durchzuatmen. Mir selbst gelingt es ganz gut, den Fußball ruhen zu lassen und über andere Dinge nachzudenken und zu reden.

Mit seinen Toren ist Behrens maßgeblich am Erfolg der Nürnberger beteiligt
Mit seinen Toren ist Behrens maßgeblich am Erfolg der Nürnberger beteiligt © imago / Zink

bundesliga.de: Welche Dinge sind das?

Behrens: Ich interessiere mich für viele Dinge. Ob Politik oder Wirtschaft – ich habe Interesse an vielen Themen und lese viel, sehr gerne auch Bücher. Aber ich bin auch gerne draußen unterwegs, etwa mit dem Mountainbike. Oder ich erkunde die Umgebung, wie kürzlich, als ich einen freien Tag für einen Ausflug in die fränkische Schweiz genutzt und das sehr genossen habe.

bundesliga.de: Sie sollen auch ein passionierter Surfer sein...

Behrens: Das stimmt. Surfen ist meine große Leidenschaft. Mitten in der Saison ist das aber natürlich schwierig, noch dazu in Nürnberg, wo es keine Möglichkeiten zum Surfen gibt. Aber im Sommerurlaub werde ich auf jeden Fall surfen. Surfen ist ganz wunderbar, um den Kopf einmal frei zu bekommen.

bundesliga.de: Überhaupt wirken Sie sehr entspannt, selbst die Verantwortung, die man Ihnen mit der Kapitänsbinde übertragen hat, scheint Sie eher zu beflügeln...

Behrens: Ich versuche einfach, mich so gut einzubringen, wie ich es eben kann. Ich sehe auch keinen Grund, warum ich mich als Mensch ändern sollte, nur, weil ich nun Kapitän bin. Im Gegenteil glaube ich, dass der Trainer mich zum Kapitän ernannt hat, weil ich nun mal so bin, wie ich eben bin. Ich versuche einfach den Jungs zu helfen und voranzugehen, vor allem mit meiner Leistung auf dem Platz.

bundesliga.de: Diese Einstellung bringt Ihnen großes Lob ein. Eine Zeitung hat Sie "das Gesicht des Erfolgs-Clubs" genannt, Ihr Trainer, Michael Köllner spricht vom "besten Kapitän, den der Club haben kann". Ist Ihnen so viel Lob ein wenig unangenehm?

Behrens: Natürlich hört man solche Komplimente zunächst einmal sehr gerne. Aber ich kann das sehr gut einschätzen und weiß, dass unser Trainer in dieser Beziehung gerne mal über die Stränge schlägt. (lacht) Etwa, wenn Vergleiche mit "Club“"-Legenden wie Marek Mintal kommen. In diesen Sphären sehe ich mich noch längst nicht.

"Ich versuche immer, mit großem Einsatz und mit großer Leidenschaft voranzugehen"

bundesliga.de: Na ja, Sie haben bisher in dieser Saison keine einzige Minute verpasst und sind weit über 350 km gelaufen, mehr als jeder andere Zweitliga-Spieler...

Behrens: Wie gesagt, ich versuche immer voranzugehen mit großem Einsatz und mit großer Leidenschaft. Ich glaube, das sind die Dinge, die mich als Spieler besonders auszeichnen. Dazu kommt noch eine professionelle Einstellung auch abseits des Platzes. Das ist wohl die Ursache dafür, dass ich nur relativ selten verletzt bin – wobei dazu sicherlich auch ein Quäntchen Glück gehört.

bundesliga.de: Laufwunder, wie Sie, sind in aller Regel keine Torjäger. Dennoch erzielen Sie auch selbst noch viele Treffer. Woher nehmen Sie nach all der Rennerei noch die Ruhe vor dem Tor?

Behrens: Gute Frage. (lacht) Ich glaube zunächst mal, dass ich durch meine Rennerei zwangsläufig des Öfteren im gegnerischen Strafraum auftauche. Und wenn man dort öfter rumwuselt, ist die Chance natürlich auch höher, dass der Ball immer wieder bei einem landet. Trotzdem braucht man in der Tat immer noch eine gewisse Ruhe vor dem Tor. Und die habe ich diese Saison wohl, so dass ich die meisten meiner Chancen verwertet habe. Aber auch dabei spielt das berühmte Quäntchen Glück sicher eine Rolle.

Hanno Behrens ist auf dem Feld viel unterwegs und nicht leicht zu stoppen
Hanno Behrens ist auf dem Feld viel unterwegs und nicht leicht zu stoppen © imago / Zink

bundesliga.de: Ist das also Ihre beste Profi-Saison?

Behrens: Ich glaube, dass ich auch in den vorherigen Spielzeiten ganz gut gespielt habe. Trotzdem kann man wahrscheinlich sagen, dass diese Saison meine bisher beste ist im Profi-Bereich. Ich fühle mich momentan einfach sehr gut.

bundesliga.de: Kein Wunder, dass Sie Ihren Vertrag verlängert haben, auf "unbestimmte Zeit", wie es heißt. Klingt, als wüssten Sie selbst nicht wie lange der Vertrag nun läuft?

Behrens: Doch, doch. Ich persönlich weiß es ganz genau. Und der Verein auch. (lacht) Er läuft auf jeden Fall noch einige Jahre, aber nicht auf Lebenszeit. Jetzt freue ich mich aber erst einmal auf die lange Zeit, die ich noch hier sein werde.

bundesliga.de: Ab der kommenden Saison dann erstmals als Bundesliga-Profi?

Behrens: Das hoffe ich sehr! Auf jeden Fall werden wir dafür alles geben in den verbleibenden Partien. Und ich bin sehr positiv gestimmt, dass wir in der kommenden Saison in der Bundesliga spielen werden.

Das Gespräch führte Andreas Kötter