Köln - Platz 3 in der Tabelle für den FC Augsburg, den Europapokal im Visier und das Highlight gegen den FC Bayern München vor der Brust. Noch nie zuvor stand der FCA so gut da. Woran liegt das? Was machen die Schwaben besser als andere Clubs?

bundesliga.de hat 10 Gründe für den Höhenflug des FC Augsburg zusammengetragen und dabei festgestellt: eine Überraschung ist die gute Platzierung nur bedingt.

1) Zweikampfstark

Das Team von Markus Weinzierl kombiniert seine spielerischen Fähigkeit mit kämpferischer Klasse. Kein anderes Team in der Bundesliga gewann in der laufenden Saison so viele Zweikämpfe wie der FC Augsburg! 3.001 Mal führten die Augsburger einen Zweikampf - und gewannen 56,0 Prozent davon! Da kann nicht mal der FC Bayern München (2.950 Zweikämpfe, 54,0 Prozent gewonnen) mithalten.

2) Selbstvertrauen

Beim 3:1-Erfolg gegen den Hamburger SV und auch beim 2:1 gegen den 1. FC Köln war zu beobachten, was eine Erfolgsserie mit einer Mannschaft machen kann. Wie selbstverständlich spielte der FCA nach den Rückstanden weiter nach vorne, ließ sich zu keiner Zeit von der gewählten Linie abbringen und wurde dafür im zweiten Durchgang belohnt. "Ich muss den Hut vor unserer Mannschaft ziehen", lobte Trainer Markus Weinzierl nach dem HSV-Spiel. "Wie sie dann aufgetreten ist, war beeindrucken."

3) Variantenreichtum

© getty

Dass Markus Weinzierl ein hervorragender Trainer ist, hat er bereits in den den letzten Spielzeiten unter Beweis gestellt. Unterstrichen hat er dies nun noch einmal durch die taktische Weiterentwicklung des Teams. Waren es bislang vor allem die zentralen Routiniers Halil Altintop und Daniel Baier, die das Spiel durch die Mitte ankurbelten, weicht das Team nun häufiger auf die Außenbahnen aus. Damit kann sich die Mannschaft perfekt auf die Schwachstellen des Gegners einstellen.

4) Offensive Defensive

Die Abwehrspieler des FCA präsentieren sich in dieser Saison auch als wichtige Spieler in der Offensive. An 13 Treffern waren sie entweder als Vorlagengeber oder als Vollstrecker direkt beteiligt. Nur der VfL Wolfsburg kann da noch ein Tor draufsetzen.

5) Passende Verstärkungen

Andre Hahn? Zu Borussia Mönchengladbach gewechselt. Matthias Ostrzolek? Spielt jetzt beim Hamburger SV. Kevin Vogt? Hat sich dem 1. FC Köln angeschlossen. Klagende Töne über die Abgänge? Ein spürbarer Qualitätsverlust? Fehlanzeige! Das ist in erster Linie der Verdienst von Manager Stefan Reuter, der den Wegfall wichtiger Stützen durch kluge Transfers kompensiert. Abdul Rahman Baba ist bereits nicht mehr aus der Mannschaft wegzudenken. Der verletzte Tim Matavz und Shawn Parker benötigen zwar noch etwas Zeit, um das System zu verinnerlichen, lassen aber schon viele gute Ansätze erkennen. Serbe Nikola Djurdjic erzielte in Köln das wichtige 1:1.

6) Viele Elfmeter

Kein anderer Verein in der Bundesliga hat in dieser Saison so viele Elfer verwandelt wie der FCA! Insgesamt fünf Mal trafen die Schwaben vom Punkt - das macht 28 Prozent der Tore. Der Scharfschütze: Paul Verhaegh. Der Holländer lässt die Torhüter beim Strafstoß zittern - und ist außerdem mit fünf Toren aktuell Toptorschütze der Augsburger.

7) Stark im Schlussspurt

Insgesamt fielen 15 der 20 Tore in der zweiten Halbzeit (75 Prozent). Und: Elf der Tore (55 Prozent) für den FCA fielen in den letzten 30 Minuten.

8) Unbesiegbar nach einer 1:0-Führung

Alle Spiele, in denen die Augsburger mit 1:0 führten (insgesamt fünf), gewannen sie auch!

9) Gelassenheit

Der Höhenflug, der die Fans in Verzückung versetzt, wird von den Verantwortlichen zu jeder Zeit realistisch eingeordnet. Trainer und Manager haben einen Plan - und der sieht zunächst einmal vor, den Klassenerhalt zu schaffen. Weinzierl betont stets, dass er lediglich den Abstand nach unten beachte. Auch Reuter stellt klar, er schaue erst einmal nur nach hinten. Diese Ruhe und wohltuende Bescheidenheit überträgt sich auch die die Spieler, die sich voll auf ihre Leistungen konzentrieren können.

10) Wenig Laufen als Geheimtipp?

Mit etwa 114 zurückgelegten Kilometern pro Spiel gehört der FCA zu den Teams mit der geringsten Laufleistung. Auch bei den Sprints ist Augsburg mit durchschnittlich 206 im unteren Drittel angesiedelt.

Helge Winter / Stefan Schinken