
Bestehen Norwegens Wikinger auch im gelben Meer?
„Ro! Ro! Ro!“ Ob im Stadion, auf dem Times Square, bei einem Baseballspiel der New York Mets oder sogar im norwegischen Parlament – Norwegens "Viking Row" hat die WM 2026 längst erobert. Am Sonntag wartet auf das Wikingerschiff nun die größte Welle: Rekordweltmeister Brasilien.
Kapitän Martin Ødegaard gab nach Norwegens historischem ersten K.-o.-Sieg bei einer WM den Takt mit einer Trommel vor, seine Mitspieler setzten sich vor ihm symbolisch ins Wikingerschiff – Zehntausende Fans ruderten auf den Rängen im Gleichschritt mit.
Am Sonntag sticht das Wikingerschiff erneut in See, doch die Wellen rund um Brasiliens Top-Torjäger Vinícius Júnior und Assistkönig Bruno Guimarães werden diesmal höher schlagen. Gabriel Martinelli erlöste die Seleção gegen starke Japaner im Sechzehntelfinale erst spät, doch der Traum vom sechsten WM-Titel lebt.

Rômulos Bitte an Nusa
Weil Erling Haaland bei Norwegen mit fünf Treffern bislang am kräftigsten rudert, kündigte Brasiliens Trainer Carlo Ancelotti bereits einen "Anti-Haaland-Plan" an. Doch das Wikingerschiff hat mehr als einen Antreiber. Auch RB Leipzigs Antonio Nusa greift kräftig in die Riemen. Mit seinem Traumtor ebnete er gegen die Elfenbeinküste den Weg ins Achtelfinale – wo die wilde Fahrt nun weitergehen soll. "Wir sind aus einem Grund hier", sagt Nusa selbstbewusst. "Weil wir gewonnen haben und weil wir gut sind. Es ist nur ein Spiel – alles kann passieren."
Dass der 20-Jährige "schon auf kleinstem Raum den Unterschied macht" weiß auch sein Leipziger Teamkollege Rômulo, der nicht für Brasiliens WM-Kader nominiert wurde, sein Team aber aus der Ferne anfeuert. "Ich habe ihm geschrieben, dass er gegen Brasilien bitte etwas Nachsicht haben soll", erzählt er lachend. "Er hat geantwortet, dass er es uns ganz sicher nicht leicht machen wird."
Solbakken weiß, wie es geht
Die Geschichte macht den Norwegern Mut: Brasilien hat gegen die Skandinavier noch nie gewonnen. Zwei Niederlagen, zwei Unentschieden – darunter das legendäre 1:2 bei der WM 1998. Norwegens Coach Ståle Solbakken saß damals auf der Bank und will den Erfolg als Nationaltrainer jetzt wiederholen. "Wir sind ein offensives Team", betont er. Seine Mannschaft müsse defensiv zwar ihr bestes Spiel zeigen – werde aber keinesfalls nur reagieren.
Auf den Rängen werden die Norweger am Sonntag wieder kräftig rudern, im gelben Brasilien-Meer allerdings wohl in der Unterzahl sein. Doch eines ist sicher: Wenn vor dem Anpfiff wieder "Ro! Ro! Ro!" durch das Stadion hallt, wird das Wikingerschiff noch einmal volle Fahrt aufnehmen. Ob die Skandinavier damit auch den Rekordweltmeister zum Kentern bringen, entscheidet sich auf dem Platz.
