Bayern feierte am 7. Spieltag mit dem 3:2 in Dortmund einen von bisher 40 Auswärtssiegen in dieser Saison - © Lars Baron/Bundesliga/Bundesliga Collection via Getty Images
Bayern feierte am 7. Spieltag mit dem 3:2 in Dortmund einen von bisher 40 Auswärtssiegen in dieser Saison - © Lars Baron/Bundesliga/Bundesliga Collection via Getty Images
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Die Trends der bisherigen Bundesliga-Saison 2020/21

Die zweite Länderspielpause bietet nach sieben Spieltagen eine gute Gelegenheit, auf den Saisonstart zurückzublicken. Welche Trends gibt es? Auffälligkeiten sind vor allem hinsichtlich Heimvorteil, Effizienz, Elfmeter und Fairness zu beobachten.

Heimvorteil ade?

An den ersten sieben Spieltagen 2020/21 wurden in der Bundesliga nur 23 Heimsiege gefeiert – weniger waren es zu Saisonstart in der Bundesliga-Geschichte noch nie! Bereits in der Vorsaison wurde mit lediglich 123 Siegen vor heimischer Kulisse ein historischer Negativrekord aufgestellt. Sich dieses Phänomen rein anhand der fehlenden oder zumindest massiv geminderten Unterstützung von den Zuschauerrängen zu erklären, wird der Komplexität dieses Themas jedoch nicht ganz gerecht.

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Schon 2019/20 gab es bis zum 7. Spieltag ebenfalls nur 23 Heimsiege - obwohl damals noch in vollen Stadien gespielt wurde. Grundsätzlich scheint das Verschwinden des Heimvorteils eher eine langfristige Entwicklung als ein kurzfristiges Phänomen zu sein. Beim Blick durch die Historie fällt auf, dass noch in den 70er-Jahren 57 Prozent der Spiele von Heimmannschaften gewonnen wurden. In den 80er-Jahren waren es immerhin noch 54 Prozent. Seit Beginn der 90er-Jahre hatte sich der Wert dann auf ein Level zwischen 47 und 45 Prozent eingependelt und scheint sich nun der 40-Prozent-Marke anzunähern.

Große Effizienz vor dem Tor

Mit möglichst wenig Aufwand den maximalen Ertrag herausholen - das gelingt den Offensivreihen der Bundesligisten derzeit hervorragend. Denn: an den ersten sieben Spieltagen wurden nur 1588 Torschüsse abgegeben – weniger waren es zu Saisonbeginn im Datenbankzeitalter nur 2016/17 (1558) und 2012/13 (1532). Trotzdem erzielten die Clubs 202 Tore. Seit Beginn der Datenerfassung (1992/93) wurden zu diesem Zeitpunkt noch nie mit so wenigen Torschüssen so viele Tore erzielt (7,8 pro Treffer).

Die Bundesliga ist außerdem auf einem guten Weg, auch im dritten Jahr in Folge einen Torschnitt von über drei Treffern pro Partie zu halten – was zumindest für dieses Jahrtausend ein absolutes Novum wäre.

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Saison der Strafraumstürmer

Auffällig selten versuchen es die Bundesliga-Clubs in der laufenden Saison von außerhalb des Strafraums. 66 Prozent der Torschüsse (1046) wurden von innerhalb des Sechzehners abgegeben und 91 Prozent aller Tore (183) fielen von innerhalb des Strafraums – beides sind sowohl nach sieben als auch nach 34 Spieltagen Bundesliga-Höchstwerte seit Beginn der Datenerfassung.

Bezeichnend: An der Spitze der Torjägerliste stehen mit Robert Lewandowski, Lucas Alario, Andrej Kramaric, Erling Haaland und Andre Silva fünf klassische Strafraumstürmer.

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Eiskalte Schützen vom Elfmeterpunkt

In der Bundesliga wurden bislang 30 Strafstöße gepfiffen und damit so viele wie noch nie an den ersten sieben Spieltagen einer Saison. Und auch dabei wurde ein Bundesliga-Rekord geknackt: 28 dieser Elfmeter wurden nämlich im Tor versenkt. Kurioserweise waren es die ersten 28 am Stück, ehe Wout Weghorst und Munas Dabbur am vergangenen 7. Spieltag vergaben. Saisonübergreifend wurden bis zu Weghorsts Fehlschuss sogar 35 Strafstöße in der Bundesliga in Serie verwandelt – historischer Rekord.

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Sinnbildlich dafür steht Max Kruse. Der Neuzugang vom 1. FC Union Berlin hat alle seine 16 Bundesliga-Elfmeter verwandelt und egalisierte damit den Rekord des ehemaligen Bochumers Hans-Joachim Abel, der zu Beginn der 80er-Jahre als einziger Bundesliga-Spieler so viele Elfmeter getreten hatte, ohne zu scheitern. Aber auch die Schützen vom Schlusslicht 1. FSV Mainz 05 wissen, wie es geht: Daniel Brosinski und Jean-Philippe Mateta verwandelten am 7. Spieltag gegen Schalke ihre Strafstöße Nummer 28 und 29 in Serie - ein weiterer Bundesliga-Rekord!

Die Folge: Während die Torwahrscheinlichkeit beim Elfmeter traditionell 77 Prozent beträgt, liegt sie in dieser Saison bei 93 Prozent.

Faire Bundesliga

Ein begrüßenswerter Trend, der bereits seit Jahren andauert, setzte sich auch zu Saisonbeginn 2020/21 weiter fort: Die Bundesliga-Spieler greifen immer seltener in die schmutzige Trickkiste. An den ersten sieben Spieltagen wurden nur 1503 Fouls am Gegner begangen. Das ist der drittniedrigste Wert seit Beginn der Datenerfassung (1992/93) – nur in den beiden Saisons zuvor lag die Anzahl der Fouls zu diesem Zeitpunkt unterhalb der 1500er-Marke.

Auch eine Konsequenz der wenigen Fouls: Bisher wurden nur sechs Platzverweise verhängt, verteilt auf vier Ampelkarten und zweimal glatt Rot. So wenige wie noch nie seit Einführung der Gelb-Roten Karte 1991/92.

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Trainer nutzen das Wechselkontingent

Weiter fleißig Gebrauch machen die Bundesliga-Teams auch von dem nach der Corona-Pause auf fünf Spieler aufgestockten Wechselkontingent. Bisher wurden 530 Spielerwechsel vorgenommen, im Schnitt also 4,2 pro Mannschaft und Partie. So kamen an den ersten sieben Spieltagen bereits 402 unterschiedliche Spieler zum Einsatz. Logischerweise so viele wie nie zuvor zu diesem Zeitpunkt.

Die reichlichen Wechsel führen natürlich auch zu einer hohen Anzahl an Jokertoren. Deren 30 gab es 2020/21 schon zu bestaunen. Mehr waren es in der Bundesliga-Geschichte zum selben Zeitpunkt nur 2018/19 (41) und 2016/17 (33).

Tabellenspitze hat sich sortiert

Die Spitzengruppe hat sich nach sieben Spielen einsortiert: In drei der vier bisherigen Leipziger Bundesliga-Spielzeiten seit 2016/17 standen der FC Bayern München, Borussia Dortmund und RB Leipzig auch zu Saisonende auf den Tabellenplätzen 1 bis 3. Ansonsten finden sich mit Bayer 04 Leverkusen, dem VfL Wolfsburg und Borussia Mönchengladbach drei weitere Teams auf den ersten sieben Rängen, die auch in den vergangenen beiden Spielzeiten zu Saisonende immer unter den Top-7 waren.

Doch es gibt auch diesmal eine Überraschung: Der 1. FC Union Berlin ist erstmals in seiner noch jungen Bundesliga-Geschichte nach einem kompletten Spieltag auf dem 5. Platz der Tabelle.