Zusammenfassung

  • Auch Timo Horn bekennt sich zum 1. FC Köln und bleibt auch bei möglichem Abstieg.

  • "Der FC hat trotz der schwierigen Saison hervorragende Voraussetzungen für die kommende Spielzeit geschaffen und ambitionierte Ziele. Das war ganz wichtig für mich.“

  • Der gebürtige Kölner spielt seit seinem neunten Lebensjahr beim FC.

Köln - Timo Horn bleibt über die aktuelle Saison hinaus und unabhängig von der Ligazugehörigkeit beim 1. FC Köln. Der FC-Keeper macht von seiner Ausstiegsklausel keinen Gebrauch. Dies gab der Verein im Vorfeld der Pressekonferenz vor dem Bundesliga-Spiel beim SC Freiburg bekannt.

Mit Tränen in den Augen war der 24-Jährige nach dem 2:2-Unentschieden gegen den FC Schalke 04 gemeinsam mit seinen Teamkollegen vor die Südtribüne des Kölner RheinEnergieSTADION getreten, wo die Fans der Kölner Mannschaft trotz des wohl unvermeidbaren sechsten Abstiegs der Vereinsgeschichte mit minutenlangen Standing Ovations und viel Applaus ihren Respekt zollten.

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Es entstand eine emotionale Atmosphäre, die Horn und vielen seiner Mitspieler sichtlich naheging: "Trotz einer schlechten Saison, in der wir sehr viel falsch gemacht haben, bin ich heute stolz auf die Mannschaft“, sagte der FC-Keeper angesichts der starken Moral, die die Kölner zuvor bewiesen hatten, als sie einen 0:2-Rückstand gegen den Tabellenzweiten wettmachten – und einen Punkt holten, der für das Tabellenschlusslicht in der Endabrechnung aber zu wenig sein dürfte. "Dass ein möglicher Absteiger in die Kurve geht und alle applaudieren, ist emotional unbeschreiblich. So etwas gibt es nur in Köln“, so Horn, der weiß wovon er spricht.

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"Der FC ist mein Verein, in Köln bin ich zu Hause"

Im Alter von neun Jahren wechselte der gebürtige Kölner Timo Horn vom „"Veedels“-Verein SC Rondorf ans Geißbockheim, wo der Junge mit den herausragenden Reflexen fortan sämtliche FC-Jugendmannschaften durchlief. Schon als Nachwuchs-Keeper durfte Horn regelmäßig gemeinsam mit den damaligen Profi-Torhütern Faryd Mondragon und Miro Varvodic trainieren. Und nicht nur Alexander Bade, bis Anfang des Jahres langjähriger Torwart-Trainer der Kölner, wusste, welch Juwel da in den eigenen Reihen heranreifte.

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Zur Saison 2011/12 rückte Horn dann in den Profi-Kader auf und ging zunächst als Nummer drei hinter Michael Rensing und Miro Varvodic in die Saison. Ab dem 9. Spieltag saß Horn dann regelmäßig als möglicher Rensing-Ersatz auf der Bank. Zu einem Einsatz kam er nicht, die mitunter chaotischen Vorgänge in Verein und Mannschaft, die letztlich im Abstieg aus der Bundesliga mündeten, erlebte er aber aus nächster Nähe: „"Damals haben wir eine sehr gute Hinrunde gespielt und standen mit 21 Punkten auf Platz 10. In der Rückrunde lief dann gar nichts mehr zusammen und die Mannschaft ist ein Stück weit auseinandergebrochen“, sagte Horn Anfang des Jahres im Interview mit bundesliga.de.

„Timo ist beim FC groß geworden, hat hier den Sprung zu den Profis geschafft und ist zum Führungsspieler gereift. Er lebt den FC und ist bereit, unseren Weg in jedem Fall mitzugehen." Armin Veh (Geschäftsführer 1. FC Köln)

Nach dem Abstieg avancierte der damals 19 Jahre alte Horn unter Trainer Holger Stanislawski zur Kölner Nummer eins und entwickelte sich seit seinem Profi-Debüt am 5. August 2012 (0:1 gegen Eintracht Braunschweig) zu einer wichtigen Größe im Kölner Team. Mittlerweile hat der Schlussmann über 200 Erst- und Zweitligapartien für den "Effzeh“ absolviert, gewann bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro mit der deutschen Auswahl die Silbermedaille erfüllte und sich mit dem Einzug in die Europa League in der Vorsaison einen Kindheitstraum.

Fehlende Stabilität statt Europa-Hoch

Dass es allerdings nicht immer nur bergauf gehen kann, musste Horn in dieser Saison mehr als schmerzlich erfahren: "Ich persönlich habe vor der Saison gedacht, dass ich mich über das internationale Geschäft vielleicht für die Nationalelf empfehlen kann. Dann ist es so schlecht gelaufen, dass ich daran keinen Gedanken mehr verschwendet habe. Es ist eine wichtige Erfahrung, dass es nicht immer bergauf geht in der Karriere“, sagt der FC-Keeper in der aktuellen Ausgabe des Kölner Vereinsmagazins „"GeißbockEcho“.

Mit seinen zum Teil herausragenden Reflexen und immensen Stärken im Eins-gegen-Eins hat Horn in dieser Saison oftmals höhere Niederlagen verhindert. Auch wenn die Kölner mit aktuell 60 Gegentreffern die mit Abstand schwächste Defensive der Liga stellen.

Spielen auch nächste Saison gemeinsam beim FC: Jonas Hector und Timo Horn
Spielen auch nächste Saison gemeinsam beim FC: Jonas Hector und Timo Horn © imago / Revierfoto

Dies liege auch daran, "dass uns als Mannschaft die Stabilität der Vorjahre abhanden gekommen ist. Das ist extrem enttäuschend und mir persönlich auch noch nie passiert“, so Horn gegenüber dem Vereinsmagazin. Ohnehin übernimmt Horn, im Laufe der vergangenen Jahre sichtlich gereift, in dieser Saison auch abseits des Platzes viel Verantwortung und stellt sich auch nach bitteren Niederlagen der Öffentlichkeit.

Verantwortung auf und abseits des Platzes

"Es gab in der Hinrunde eine Zeit, in der wir mit sieben, acht Jungs von den Amateuren oder der U19 unterwegs waren. In der Zeit habe ich mich als Spieler, der etwas länger dabei ist, sehr verantwortlich gefühlt, vorwegzugehen. Grundsätzlich versuche ich, mich menschlich weiterzuentwickeln. Und es gehört natürlich auch zur Persönlichkeitsentwicklung dazu, sich in schweren Zeiten zu stellen. Man ist den Fans Erklärungen schuldig“, sagt Timo Horn, der sich viele Gedanken über einen möglichen Verbleib in der zweiten Bundesliga gemacht hat, aber stets betonte, sich einen Verbleib vorstellen zu können.

Dass es nun so gekommen ist, ist ein weiteres positives Zeichen in einer sportlich höchst schwierigen Phase. „"Die Frage ist: Ist das Sportliche das Einzige, was zählt? Ich finde, es sollte nie das alleinige Kriterium sein. Man muss auch abwägen, was das Beste für einen persönlich ist. Da spielen auch andere Dinge eine Rolle. Ich bin hier beim 1. FC Köln zu Hause, fühle mich hier sehr wohl, bin mit den Menschen und den Abläufen vertraut. Ich kann mir hier über Jahre etwas aufbauen. Das sind Dinge, die man berücksichtigen muss.“

Dinge, die Timo Horn berücksichtigt hat und auf Basis derer er eine Entscheidung getroffen hat, die – ebenso wie das Treuebekenntnis von Jonas Hector – für große Freude sorgt: Im Verein, in der Mannschaft, im Umfeld und insbesondere in der Stadt und bei den Fans. Es ist nicht auszuschließen, dass die Reaktionen der Anhängerschaft auf sein Treuebekenntnis für weitere Tränen bei Kölns alter und neuer Nummer eins sorgen werden.

Stefan Kühlborn