
Zweifel, Tränen und ein Tor: Weisers märchenhaftes Werder-Comeback
483 Tage sind eine lange Zeit – erst recht im schnelllebigen Fußball. Genau 483 Tage lagen zwischen Mitchell Weisers letztem Bundesliga-Spiel und seinem Comeback am 3. Spieltag in Köln. Der Bremer Routinier verpasste die komplette letzte Saison mit einem Kreuzbandriss. Seine Rückkehr ist eine der schönsten Geschichten der bisherigen Saison.
“Du fragst dich: Was ist, wenn es nie wieder gut wird?”, beschrieb Mitchell Weiser die schwierigen Momente während der langen Reha. Eigentlich war es sein Ziel, im Schlussspurt der Saison 2025/26 zurückzukehren, aber den Zeitplan konnte der 32-Jährige nicht einhalten. "Als das nicht geklappt hat, war ich schon in einem kleinen Loch”, beschrieb der technisch starke Rechtsfuß seinen Gemütszustand.

"Seine fußballerische Qualität steht hierbei außer Frage"
Auch an der diesjährigen Sommervorbereitung konnte Weiser nur dosiert teilnehmen. Nur nichts überstürzen und einen weiteren Rückschlag riskieren. Sein Trainer Daniel Thioune kannte den Bremer Aufstiegshelden im Prinzip nur aus Videos.
"Für mich ist Mitch fast wie ein Neuzugang. Seine fußballerische Qualität steht hierbei außer Frage und wird unserer Mannschaft guttun", prophezeite Thioune im Sommer – und die ersten Eindrücke bestätigen die Einschätzung des Bremer Coaches.
Ausgerechnet in seiner Heimatstadt Köln gab Weiser am 3. Spieltag als Joker sein Comeback. Dementsprechend emotional wurde der U21-Europameister von 2017 im Anschluss. Nach dem Abpfiff brachen beim Werder-Profi alle Dämme und er ließ den Tränen freien Lauf.

Auch bei Füllkrug fließen Tränen
Es war ein Bild, das auch seine Mitspieler nicht kalt ließ. "Ich musste mitweinen. Ich kenne das selber, diese Momente in der Reha, wenn man nicht weiß, wie es weitergehen soll", erklärte Niclas Füllkrug im Anschluss. "Für mich war das wie ein Traum", beschrieb Weiser seine Gefühlslage, als er die Fassung wiedererlangt hatte.
"Es war ein langer Weg, mit ein paar Rückschlägen. Er wird noch ganz wichtig werden", orakelte Kapitän Marco Friedl nach dem Köln-Spiel – und wurde direkt eine Woche später in seiner Einschätzung bestätigt.
Gegen Augsburg kam Weiser erneut als Joker in die Partie und erzielte in der Nachspielzeit mit einem formvollendeten Direktschuss, in dem er seine ganze fußballerische Klasse bewies, den 3:2-Siegtreffer. Das ganze Weserstadion stand Kopf.

Weiser heizt auf dem Zaun ein
Natürlich war es auch der umjubelte Rückkehrer, der nach dem Spiel zu den Fans auf den Zaun zitiert wurde, um Mannschaft und Anhängern noch einmal ordentlich einzuheizen. Es war das eindeutige Signal, dass Weiser endgültig wieder zurück ist.
Den ersten Eindrücken nach hat er von seiner fußballerischen Klasse nichts eingebüßt und wirkt extrem ausgeglichen. "Wenn er annähernd wieder seine Form erreicht, fühlt es sich für mich wie ein Top-Top-Top-Transfer an", so Thioune. Ein Top-Top-Top-Transfer, auf den die Bremer 483 Tage verzichten mussten.
Florian Reinecke