
Weiser, Werder, Wahnsinn!
Gegen den FC Augsburg trotzt der SV Werder Bremen einem Zwei-Tore-Rückstand und siegt ausgerechnet durch einen Treffer von Mitchell Weiser. Der wird im Tollhaus Weserstadion ganz besonders gefeiert und hat für die Länderspielpause noch einiges vor.
Schien das Comeback nach 483 Tagen Verletzungspause nebst vieler Tränen am vergangenen Wochenende in Köln schon ein emotionaler Höhepunkt zu sein, legten Mitchell Weiser und der SV Werder Bremen beim 3:2-Erfolg über den FC Augsburg noch einmal einen oben drauf. Und wie! Bereits mit zwei Toren in Rückstand drehten die Männer von der Weser in der Schlussphase richtig auf, erspielten sich Chance um Chance und schafften es tatsächlich noch, als Sieger vom Feld zu gehen - durch einen Last-Minute-Treffer von eben jenem 32-Jährigen.
"Es ist schwer die Emotionen in Worte zu fassen. Ich habe schon viele schöne Momente mit Werder erlebt, das war heute auch einer davon", bejubelte Weiser seinen ersten Bundesliga-Treffer seit April 2025 hinterher und durfte gleichzeitig auch seinen 100. Bundesliga-Sieg feiern. An der Dramaturgie hatte er dabei gleich doppelt Anteil, hätte er doch Sekunden nach seiner Einwechslung bereits als Torschütze glänzen können, scheiterte aber im Eins-gegen-eins an FCA-Keeper Finn Dahmen (68.). Für ein Tollhaus Weserstadion war der späte Treffer allerdings genau richtig!

""Es gibt kein besseres Beispiel für eine Mannschaft, die widerstandsfähig ist"
"Wenn 42.000 Menschen an etwas glauben, ist die Wahrscheinlichkeit, es zu erreichen, höher, als wenn es nur elf tun", sprach Niclas Füllkrug den Werder-Fans generell einen gewissen Anteil am zweiten Saisonsieg der Hanseaten zu und trug mit seinem Treffer zum 2:2 auch noch selbst dazu bei (86.). Der Leih-Rückkehrer schrieb mit seinem dritten Saisontreffer im vierten Spiel sein eigenes Märchen weiter und lobte den "bedingungslosen Willen" der Bremer, die mit ihrer Reaktion nach den beiden Gegentreffern auch ihren Coach stolz machten.
"Es gibt kein besseres Beispiel für eine Mannschaft, die widerstandsfähig ist. Ein Kompliment an die Mannschaft – das war Wahnsinn, was hier heute passiert ist", lobte Daniel Thioune. "Der Augenblick mit dem Tor von Mitch war dann ein Gänsehautmoment." Den er seinem Schienenspieler ganz besonders gönnte: "Mitch ist ein Mentalitätsspieler, gibt immer Gas, auch im Training. Ich freue mich einfach extrem für ihn, weil ich selbst weiß, wie schwierig es ist, nach so einer langen Zeit zurückzukommen. Nach 16 Monaten Pause so aufzutrumpfen – da musste ich ihn einfach ein bisschen fester herzen."
Weiser will die Länderspielpause nutzen
Verlassen konnte sich Bremens Chefcoach aber auch einmal mehr auf Marco Grüll, der sich derzeit in einzigartiger Verfassung präsentiert und sich durch sein Tor zum 1:2 (66.) und der Vorlage zum Siegtreffer die Auszeichnung zum Man of the Match verdiente. Nach schwachem Saisonstart trumpft Werder mittlerweile ordentlich auf und kann mit breiter Brust und sieben Zählern auf dem Konto entspannt in die Länderspielpause gehen.
Für diese hat sich Weiser derweil schon einiges vorgenommen: "Jetzt möchte ich die Länderspielpause nutzen, um möglichst schnell an die erste Elf heranzukommen, weil körperlich schon noch etwas fehlt." Bei Bremens nächstem Gegner Borussia Dortmund dürfte man nun gewarnt sein und auch Weisers folgendes Versprechen verhindern wollen: "Im letzten Jahr hatten wir wenige magische Augenblicke. Wir arbeiten weiter daran, dass sowas häufiger passiert. Und ich finde, dass wir auf einem guten Weg sind."
Michael Oer