Vier Jahrzehnte, vier Frisuren, eine Legende - Claudio Pizarro - © DFL Deutsche Fußball Liga
Vier Jahrzehnte, vier Frisuren, eine Legende - Claudio Pizarro - © DFL Deutsche Fußball Liga
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Claudio Pizarro vom SV Werder Bremen jagt die nächsten Bestmarken

Claudio Pizarro ist schon jetzt eine lebende Legende und hat in seiner langen Karriere schon für so manche Bestmarke gesorgt. In der vergangenen Saison wurde er zum ältesten Torschützen der Bundesliga-Historie. Noch ist er in dieser Bundesliga-Saison ohne Treffer, aber mit seinem nächsten Tor würde er gleich zwei neue Rekorde aufstellen und sein Eintrag in den Bundesliga-Geschichtsbüchern würde noch ein wenig länger werden.

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Allein schon mit einem einzigen Einsatz in der Rückrunde würde der Peruaner in einen extrem elitären Kreis vordringen, denn nur Lothar Matthäus und Manfred Burgsmüller liefen bislang in vier verschiedenen Jahrzehnten in der Bundesliga auf. Claudio Pizarro wäre der Dritte in diesem Bunde, denn sein Debüt gab er einst im August 1999. Und ihm könnte jetzt gelingen, was Matthäus und Burgsmüller verwehrt blieb, denn in ihrer letzten Dekade erzielten die beiden kein Tor mehr. Pizarro wäre der erste Bundesliga-Spieler, der in vier verschiedenen Jahrzehnten treffen würde.

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Pizarro mit Vorlage für den Aufsichtsratsvorsitzenden

Aber nicht nur in dieser Kategorie würde Pizarro Lothar Matthäus hinter sich lassen. Derzeit ist der Weltmeister von 1990 der Spieler mit der größten Zeitspanne zwischen dem ersten und dem letzten Bundesliga-Tor. Am 8. Dezember 1979 traf der ehemalige Gladbach- und Bayern-Star zum ersten, und knapp 20 Jahre später am 20. November 1999 zum letzten Mal in der Bundesliga. Bei Pizarro liegt der erste Bundesliga-Treffer schon deutlich über 20 Jahre zurück.

Am 12. September 1999 gab er gegen den 1. FC Kaiserslautern sein Startelfdebüt für den SV Werder Bremen und brauchte keine 20 Minuten für sein erstes Bundesliga-Tor. Noch vor der Pause gab er zudem noch seine erste Torvorlage - Marco Bode, der heutige Aufsichtsratsvorsitzende bei Werder, traf zum 2:0. Damit demonstrierte er schon in seinem ersten Spiel im Weserstadion die Qualitäten, die ihn zu einem der erfolgreichsten Stürmer der Bundesliga-Historie machen und es ihm ermöglichen, auch mit 41 Jahren noch auf allerhöchstem Niveau zu spielen. In 21 aufeinanderfolgenden Kalenderjahren hat der Peruaner immer in der Bundesliga getroffen. Ein Bundesliga-Rekord, den er noch ausbauen könnte.

Pizarro war immer weit mehr als nur ein Torjäger, denn dank seiner außergewöhnlichen fußballerischen Klasse trat er für Bremen und den FC Bayern München auch immer als Vorbereiter in Erscheinung. Insgesamt 74 Assists stehen für ihn neben seinen 197 Treffern in der Bundesliga zu Buche. Zumindest in dieser Statistik hat er Robert Lewandowski, der ihn im vergangenen Jahr als erfolgreichsten ausländischen Torjäger der Bundesliga-Historie ablöste, etwas voraus. Der polnische Weltstar steht nämlich "nur" bei 67 Assists in der Bundesliga.

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Bei Pizarro kommen alle ins Schwärmen

Gemeinsam haben der Osteuropäer und der Südamerikaner aber den geschmeidigen Bewegungsablauf - auch wenn Pizarro natürlich mit 41 nicht mehr dieselbe Beweglichkeit und Dynamik an den Tag legt, die ihn einst mit 20 auszeichnete. Aber mit seiner Ruhe am Ball, seinem Näschen für gefährliche Situationen und dem Auge für den Mitspieler kann er als Joker immer noch ein Spiel verändern.

Lewandowski kennt diese Qualitäten noch aus gemeinsamen Zeiten in München. "Er war stark, er war immer ruhig, auch seine Technik war unglaublich. Er wusste immer genau, was er mit dem Ball machen will. Das habe ich mir bei ihm abgeschaut", berichtet der Bayern-Star. Auch Mehmet Scholl gerät bei Claudio Pizarro ins schwärmen und adelte Werders Rekordtorschützen in der Bundesliga - 109 Treffer stehen für "Pizza" aktuell zu Buche - einst als "der beste Fußballer, mit dem ich je gespielt habe."

Selbst Felix Magath, dessen Ruf als knallharter Schleifer nicht unbedingt zu Pizarros lebenslustiger Art zu passen scheint, lobte die Qualitäten des Angreifers in den höchsten Tönen. "Er kann ein Spiel lesen, weil er geschickt ist. Er versteht es, sich davonzustehlen, er hat eine überragende Technik, dazu diese Kopfballstärke - er kann mit allen Teilen seines Körpers Tore erzielen", so der ehemalige Bayern-Trainer, der gemeinsam mit dem Peruaner 2004/05 und 2005/06 das Double holte. In beiden Spielzeiten traf der Peruaner doppelt - so wie insgesamt in zwölf Bundesliga-Spielzeiten insgesamt.

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Seine Augen sind immer in Bewegung

In einem seiner Besuche im Aktuellen Sportstudio wurde er auf sein Erfolgsgeheimnis angesprochen. Pizarro überlegte kurz und sagte dann: "Ich gucke viel und dann weiß ich, was ich machen kann." Und wer ihn einmal auf dem Platz beobachtet hat, weiß, was der kopfballstarke Rechtsfuß meint. Denn unabhängig davon, wo sich der Ball gerade befindet, scannt der sechsmalige Deutsche Meister ständig seine Umgebung. Seine Füße sind vielleicht mit 41 nicht mehr ständig in Bewegung, aber seine Augen sind es. Ständig dreht er den Kopf und analysiert permanent die Situation.

Aber nicht nur deswegen war er bei Fans und Teamkollegen immer gleichermaßen beliebt. Seine gute Laune und sein Lächeln sind ansteckend. Sein ehemaliger Mitspieler und jetziger Boss Marco Bode hat diese Gabe einmal gegenüber der Süddeutschen Zeitung so beschrieben: "Claudio braucht ungefähr drei Minuten, dann gehört er zu jeder Mannschaft."

Dieser Satz ist heute noch genauso zutreffend wie 1999 zu Beginn seiner Zeit in Deutschland. Am Ende dieser Saison soll für Pizarro dann endgültig Schluss sein, aber bis dahin sollen noch einige Bestmarken fallen. Drei Treffer fehlen ihm noch bis zu Bundesliga-Tor 200, bei einem weiteren Jokertor würde er wieder mit Nils Petersen als Spieler mit den meisten Treffern nach Einwechslung gleichziehen. Aber selbst, wenn das nicht klappen sollte: Seinen Status als Bundesliga-Legende hat er jetzt schon sicher.

Florian Reinecke