Zusammenfassung

  • Simon Terodde will nach dem Abstieg mit Köln in der neuen Saison wieder voll angreifen

  • "Wir werden vom 1. Spieltag an die Gejagten sein", weiß Terodde, der zuletzt mit Stuttgart die direkte Rückkehr schaffte

  • Im Interview spricht er außerdem über den Verbleib von Hecttor, Horn und Co. sowie die Emotionen der FC-Fans

Köln - Sein Start beim 1. FC Köln war mit fünf Toren in fünf Spielen ausgezeichnet und ließ den Verein und die Fans noch einmal für kurze Zeit auf den Klassenerhalt hoffen. Letztlich aber konnten sich Simon Terodde und die Geißböcke nicht mehr retten. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht der Stürmer über die Gründe für den Abstieg, über die dennoch großartige Reaktion der FC-Fans und über das außergewöhnliche Zeichen, das Hector, Horn und Co. mit ihrem Verbleib beim Club auch in der 2. Bundesliga gesetzt haben.

bundesliga.de: Herr Terodde, seit dem vergangenen Wochenende steht der Abstieg fest. Hat die Aufarbeitung in den vergangenen Tagen bereits begonnen, oder hat man sich erst einmal ein wenig Zeit zum Trauern genommen?

Simon Terodde: Als am Samstag in Freiburg nach Spielschluss der Abstieg besiegelt war, hatte ich schon ein sehr mulmiges Gefühl. An den folgenden zwei freien Tagen hat sich jeder erst einmal die Zeit genommen, darüber nachzudenken und das Ganze ein Stück weit zu verarbeiten. Natürlich war schon nach dem Schalke-Spiel ziemlich klar, dass es sehr schwer werden würde, den Abstieg noch zu verhindern. Wenn es dann aber endgültig feststeht, ist das noch mal etwas Anderes. Trotzdem geht der Blick seit Dienstag wieder nach vorne.

bundesliga.de: Wie sehr schmerzt Sie der Abstieg persönlich, auch wenn Sie erst seit einem knappen halben Jahr beim FC sind?

"Nach Spielschluss in Freiburg hatte ich schon ein sehr mulmiges Gefühl. Aber seit Dienstag geht der Blick wieder nach vorne."

Terodde: Die vergangenen Wochen und Monate haben sich sehr gezogen, ein solcher Abstiegskampf zehrt einfach an den Nerven. Und man merkt jedem an, wie kräftezehrend diese Saison war. Deshalb ist es umso wichtiger, dass nach dem Wolfsburg-Spiel jeder mal abschalten und Zeit mit der Familie verbringen kann, um die Saison endgültig zu verarbeiten. Was mich betrifft: Ich sehe mich auch persönlich in der Verantwortung. Wir haben in der Rückrunde alles versucht, und es gab ja Momente, wo wir noch mal hätten rankommen können.

bundesliga.de: Ihr persönlicher Start beim FC mit fünf Toren in fünf Spielen war sehr vielversprechend und konnte noch einmal die Hoffnung auf den Klassenerhalt wecken. Warum hat man daraus nicht mehr Selbstvertrauen ziehen können?

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Terodde: Für mich lief es zu Beginn der Rückrunde wirklich sehr gut, parallel dazu konnten wir auch als Mannschaft ordentlich punkten. Mit der Hoffnung hat sich aber auch das Gefühl eingestellt, jedes Spiel gewinnen zu müssen, wenn es noch klappen sollte mit dem Klassenerhalt. Fehler durfte man sich überhaupt nicht mehr erlauben. Und es war gerade auch bei mir ein, zweimal der Fall, dass ich das Tor nicht gemacht habe, das uns vielleicht in Führung oder die Entscheidung in einem Spiel hätte bringen können. Trotzdem haben wir uns mit Siegen wie in Leipzig oder gegen Leverkusen noch einige Male eine ordentliche Ausgangsbasis schaffen, dann aber leider nicht nachgelegt, wie gegen Mainz oder Stuttgart.

"Wenn die Fans sehen, dass wir noch einmal alles geben, bin ich sicher, dass sie das zu würdigen wissen. Wir werden auf jeden Fall versuchen, uns mit einem Heimsieg zu verabschieden."

bundesliga.de: Mit welchem Gefühl beziehungsweise mit welcher Haltung geht man nun in die beiden verbleibenden Spiele gegen den FC Bayern und den VfL Wolfsburg?

Terodde: Am Samstag kommt erst einmal eine sehr, sehr gute Mannschaft zu uns. Das Stadion wird ausverkauft sein, und das sollte für jeden einzelnen bei uns Anreiz genug sein. Wir möchten uns gut präsentieren und im letzten Heimspiel der Saison angemessen von unseren Fans verabschieden. Und wir werden gewiss nichts herschenken, weder gegen die Bayern, noch am letzten Spieltag in Wolfsburg.

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Terodde: Umso mehr stehen wir in der Pflicht in Wolfsburg alles zu geben. Ich kenne keinen Profi, der nur mit 50 Prozent spielen würde. Wenn angepfiffen wird, ist jeder gewillt zu gewinnen. Ich denke, das hat man zum Beispiel gegen Freiburg gesehen. Nach dem 0:2 haben wir das Spiel fast noch gedreht und hatten nach dem 2:2 sogar die Chance zum Sieg. Das ist die Mentalität dieser Mannschaft. Wir lassen uns nie hängen.

bundesliga.de: In Freiburg haben die FC-Fans eine großartige Reaktion gezeigt und die Mannschaft gefeiert. Was für eine Atmosphäre erwarten Sie gegen die Bayern?

Terodde: Schon in Berlin, nach der 0:1-Niederlage, haben die Fans uns applaudiert. Und gegen Schalke hat nach Schlusspfiff niemand sofort das Stadion verlassen, obwohl der Abstieg schon da ziemlich sicher war. Was uns nun gegen die Bayern erwartet, mag sicherlich ein wenig vom Spielverlauf abhängen. Wenn die Fans sehen, dass wir noch einmal alles geben, bin ich sicher, dass sie das zu würdigen wissen. Wir werden auf jeden Fall versuchen, uns mit einem Heimsieg zu verabschieden.

"Wir werden vom 1. Spieltag an die Gejagten sein. Unser Ziel muss der direkte Wiederaufstieg sein, auch wenn das einen gewissen Druck mit sich bringt."

bundesliga.de: Was wird den 1. FC Köln dann in einer 2. Bundesliga erwarten, die Sie aus Ihrer auch persönlich sehr erfolgreichen Zeit bei Union Berlin, beim VfL Bochum und vor allen Dingen beim VfB Stuttgart sehr gut kennen?

Terodde: Wir werden vom 1. Spieltag an die Gejagten sein. Unser Ziel muss der direkte Wiederaufstieg sein, auch wenn das einen gewissen Druck mit sich bringt. Für dieses Ziel steht auch der Verbleib von Spielern wie Timo Horn oder Jonas Hector. Das ist ein ganz wichtiges Zeichen, bedeutet gleichzeitig aber auch, dass uns jeder die Favoritenrolle zuschreiben wird. Timo, Jonas und Marcel Risse haben mit dem FC schon einmal in der 2. Bundesliga gespielt und kennen die Situation. Ihnen muss niemand erzählen, was uns erwartet. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass wir das schaffen können.

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bundesliga.de: Zuletzt haben Stuttgart – mit Ihnen – und Hannover den direkten Wiederaufstieg geschafft. Wie schwer war dieser Durchmarsch?

© gettyimages / Patrik Stollarz

Terodde: Das war für uns damals eine Saison mit Höhen, aber auch mit Tiefen, wenn man an die frühe Trainerentlassung denkt. Trotzdem haben wir uns durchgesetzt, weil diese Mannschaft eine enorme Qualität hatte. Vereine wie Stuttgart, Hannover oder Köln müssen immer damit leben, dass die gegnerischen Fans jeden Ballgewinn der eigenen Mannschaft feiern wie ein Tor. Darauf muss man sich ebenso einstellen, wie auf die Tatsache, dass viele Gegner den Fokus auf die Defensive legen werden.

bundesliga.de: Apropos VfB: Haben Sie im Verlauf der Rückrunde einmal bereut, dass Sie den VfB verlassen haben?

Terodde: Nein. In den Gesprächen, die ich damals mit Armin Veh geführt habe, haben wir auch das Szenario besprochen, dass es nicht reichen könnte für den Klassenerhalt. Trotzdem habe ich mich ganz bewusst für diesen Schritt entschieden, auch weil ich den FC sehr gut kenne aus meiner zweijährigen Zeit bei den Amateuren. Damals habe ich bei Heimspielen der Profis öfter mal auf der Bank gesessen und erlebt, wie besonders die Stimmung ist. Das Gefühl für den FC spielen zu dürfen, ist etwas ganz Besonderes. Und wenn man überlegt, dass die Stadt ungefähr eine Million Einwohner hat, von denen gefühlt 90 Prozent FC-Anhänger sind, versteht man, dass man eine Verantwortung für die Stimmung am Wochenende hat. Wenn man verliert, nimmt das die Menschen hier wirklich sehr mit.

"Wenn man überlegt, dass die Stadt ungefähr eine Million Einwohner hat, von denen gefühlt 90 Prozent FC-Anhänger sind, versteht man, dass man eine Verantwortung für die Stimmung am Wochenende hat."

bundesliga.de: Jeder Traditionsverein sagt von sich, dass er etwas ganz Besonderes ist. Inwiefern stellt der FC noch mal eine Steigerung dar?

Terodde: Ich habe nach dem Abstieg auch in Stuttgart sehr gute Erfahrungen gemacht. Der VfB lag damals am Boden, trotzdem hat man gespürt, wie im Laufe der Saison eine echte Einheit aus Fans und Mannschaft zusammengewachsen ist. Beim FC wird das noch einmal getoppt, wie der Verbleib von Jonas und den Anderen zeigt. Es ist alles andere als selbstverständlich, dass solche Spieler in die 2. Bundesliga gehen. Das zeigt, dass dieses Team keine Söldnertruppe ist, und die Fans identifizieren sich deshalb mit dieser Mannschaft.

bundesliga.de: Haben Sie erwartet, dass Hector, Horn und Co. bleiben würden?

Terodde: Man unterhält sich natürlich innerhalb der Mannschaft. Aber als ich erfahren habe, dass Jonas Hector bleibt, hatte ich wirklich eine Gänsehaut. Dass ein Nationalspieler, der für Deutschland die WM spielt, sich so zu einem Verein bekennt, der in die 2. Bundesliga absteigen muss, ist außergewöhnlich. Und diese Jungs sind für uns sportlich wie menschlich nicht zu ersetzen. Ihre Entscheidung hat Signalwirkung für den ganzen Verein.

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bundesliga.de: Kann das die Mannschaft ähnlich zusammenschweißen, wie es in der bisher letzten Zweitliga-Saison, 2013/14, der Fall war?

Terodde: Davon bin ich überzeugt. Diese Spieler bilden eine ganz wichtige Achse für uns. Sie wissen, was auf die Mannschaft zukommt und wie man darauf reagieren muss. Ich bin aber auch überzeugt, dass der Verein noch frisches Blut reinbringt. Das ist schon deshalb wichtig, weil eben nicht alles positiv gelaufen ist. Ansonsten wären wir ja nicht abgestiegen. Trotzdem ist es sehr bemerkenswert, dass man den Stamm so zusammenhalten konnte.

Das Gespräch führte Andreas Kötter