Erstmals Deutscher Meister: Serge Gnabry - © imago images / MIS
Erstmals Deutscher Meister: Serge Gnabry - © imago images / MIS
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Serge Gnabry beim FC Bayern München: Vom Wackelkandidat zum Leistungsträger

Köln - Egal, in welcher Vorschau auf die Saison 2018/19 man auch nachschaut: Den Namen Serge Gnabry wird man in der vermeintlichen Wunschelf des FC Bayern für die laufende Spielzeit vergeblich suchen. Auf der ersten Pressekonferenz nach seiner Rückkehr von der Leihe bei der TSG Hoffenheim wurde er entsprechend skeptisch gefragt, ob er denn nun bereit sei für die Herausforderung beim Rekordmeister. "Wenn ich nicht bereit wäre, wäre ich nicht hier", antwortete der Offensivspieler fast trotzig. Aus heutiger Sicht kann man konstatieren: Bereit ist gar kein Ausdruck.

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Gegenüber dem Kicker gesteht selbst Uli Hoeneß, Gnabry für diese Spielzeit nicht wirklich auf dem Zettel gehabt zu haben. "Wir dachten, na ja, den holen wir jetzt einmal zurück, und dann schauen wir, ob er hin und wieder spielt", so der Bayern-Präsident. Mittlerweile hat ihn der dynamische Rechtsfuß aber vollkommen überzeugt. "Jetzt ist er Stammspieler, macht sehr viel Spaß und ist die größte Überraschung in dieser Saison, und zwar in positiver Hinsicht", lobt der 67-Jährige.

Auf dem Platz zeichnen Gnabry Explosivität und Abschlusstärke aus, abseits des Rasens bringt er Selbstbewusstsein und Bodenständigkeit in eine gute Balance. Auch an Schlagfertigkeit mangelt es dem Nationalspieler nicht. Im Herbst fragte ihn ein Reporter, wie es sich denn anfühlt, wenn für ihn ein Hochkaräter auf der Bank sitzen muss. "Wenn ich draußen sitze, ist doch auch ein Hochkaräter draußen, oder?“, entgegnete der Bayern-Star damals.

Voll Fokussiert: Serge Gnabry hat sich mit seiner Zielstrebigkeit beim FC Bayern in den Vordergrund gespielt - 2019 Getty Images

Gnabry trifft einfach überall

Die Süddeutsche Zeitung wollte in einem Interview vor einem Spiel gegen Werder Bremen von Gnabry wissen, ob nach der führenden Rolle von "Robbery" nun die Zeit von Coman und Gnabry, also "Cobry", angebrochen sei. "Euch Journalisten ist langweilig, oder?", entgegnete der gebürtige Stuttgarter darauf. So schnörkellos er sich in Interviews gibt, so agiert er auch auf dem Feld. Seine Torgefährlichkeit ist eine seiner größten Qualitäten. Zehn Bundesliga-Treffer stehen in dieser Spielzeit bislang für ihn zu Buche.

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Damit ist Gnabry hinter Robert Lewandowski der zweitbeste Schütze im Bayern-Kader. Schon in seiner ersten Bundesliga-Saison bei Werder Bremen war er elf, in der vergangenen Saison in nur 22 Einsätzen zehn Mal erfolgreich. Der schussgewaltige Offensivspieler hat also auch in seiner dritten Bundesliga-Spielzeit zweistellig getroffen. Und das für drei verschiedene Clubs. Er ist damit erst der dritte Spieler der Bundesliga-Historie, dem dieses Kunststück gelungen ist.

Wenig überraschend kommt diese Entwicklung für Horst Hrubesch, der Gnabry 2016 für die Olympischen Spiele in Rio nominierte. Der damals 21-Jährige kam beim FC Arsenal überhaupt nicht mehr zum Zuge und auch die Leihe zu Westbrom Albion verlief unglücklich. Gnabry sah die Berufung für Olympia als Chance und nutzte sie eindrucksvoll. Mit sechs Treffern wurde er in Brasilien Torschützenkönig und öffnete so die Tür zur Bundesliga.

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Auslandserfahrung als Pluspunkt für Gnabry

Bei allen seinen Club-Stationen und in der Nationalelf bewies er dann, dass er sich extrem schnell in einem neuen Umfeld zurechtfindet. Gnabry profitiert nun davon, dass er bereits mit 16 Jahren nach England gewechselt ist. "Plötzlich bist du mitten in einer anderen Kultur, es wird eine andere Sprache gesprochen. Durch diese Erfahrungen ist es für mich einfacher, mich in einer neuen Umgebung zu adaptieren", sagte er im Sommer in einem Interview mit der TZ.

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Auch dank dieser Anpassungsfähigkeit hat der FC Bayern den Vertrag mit Gnabry bereits bis 2023 verlängert. "Er hat bei uns einen großen Schritt nach vorne gemacht. Mit ihm haben wir eine Waffe im Spiel", befand damals Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Auch sein Förderer Hrubesch ist davon überzeiugt, dass der vielseitige Offensivspieler weiter seinen Weg gehen wird. "Ich sehe bei ihm kein Limit", befand Hrubesch unlängst gegenüber dem Kicker: "Wenn er gesund bleibt, wird Bayern viel Freude an ihm haben, 15 bis 20 Tore pro Saison sind drin."

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Ob man dann vielleicht wirklich von der Flügelzange "Cobry" sprechen wird, wird die Zeit zeigen. Anders als Robben und Ribery ist Gnabry aber nicht auf die offensive Außenbahn festgelegt. Im Prinzip kann er offensiv alle Positionen spielen - und auf einer von diesen wird er im Sommer mit Sicherheit auch in den zahlreichen Saisonvorschauen auftauchen.

Florian Reinecke