So möchten die Fans von Werder Bremen Niclas Füllkrug künftig auch regelmäßig sehen - © Oliver Hardt/Bongarts/Getty Images
So möchten die Fans von Werder Bremen Niclas Füllkrug künftig auch regelmäßig sehen - © Oliver Hardt/Bongarts/Getty Images
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Werder Bremens neuer Hoffnungträger heißt Niclas Füllkrug

Köln - Werder Bremen baut an seiner Mannschaft der Zukunft - und bedient sich dabei erneut in seiner Vergangenheit. Denn mit Stürmer Niclas Füllkrug kommt ein Spieler von Hannover 96, der schon viele Jahre in der Jugend von Werder gespielt hat. Mit ihm soll der nächste Schritt zurück in die Bundesliga-Spitze gemacht werden.

Mit Rückholaktionen hat der SV Werder Bremen zuletzt gute Erfahrungen gemacht. Max Kruse etwa hat voll eingeschlagen, ist sogar Kapitän der Grün-Weißen und mit zehn Treffern und neun Assists aktuell der beste Torschütze und Scorer des Clubs. Auch Sturmkollege Martin Harnik beweist immer wieder, wie wichtig er für Werder sein kann. Gemeinsam haben die beiden in der Bremer Jugend gespielt, sind dann nach vielen Jahren in anderen Clubs an die Weser zurückgekehrt. Nun steht im Sommer das nächste Eigengewächs vor der Rückkehr: Niclas Füllkrug.

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"Ich kenne Niclas bereits seit der Jugend und weiß um seine Qualitäten vor dem Tor. Er ist ein sehr kopfballstarker Angreifer, der vor allem im Strafraum seine Stärken ausspielen kann. Ich habe seinen Weg und seine Entwicklung über die Jahre verfolgt und bin froh, dass er zur neuen Saison ein Teil unseres Kaders sein wird", freut sich Werder-Coach Florian Kohfeldt über die Verpflichtung des 24-Jährigen aus Hannover.

Der kennt sich im Weserstadion schon sehr gut aus. Mit 13 Jahren wechselte Füllkrug 2006 von den Sportfreunden Ricklingen in das Leistungszentrum von Werder Bremen. Der gebürtige Hannoveraner durchlief anschließend alle Jugendmannschaften des Club, wurde in der U14 sogar von Kohfeldt trainiert. In der B-Jugend erzielte er 2009/10 in 22 Spielen 17 Treffer, im Folgejahr gelangen ihm in in der A-Jugend zwölf Tore in 17 Partien. Im Januar 2012 debütierte er schließlich im Spiel gegen Bayer Leverkusen bei den Profis in der Bundesliga. Zwei Monate später erzielte er am 27. Spieltag mit dem Führungstreffer zum 1:0 beim 1:1-Unentschieden gegen den FC Augsburg sein erstes Bundesliga-Tor.

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Richtig durchsetzen konnte sich der bullige Stürmer, der wegen seiner markanten Zahnlücke auch "Lücke" gerufen wird, bei den Werder-Profis jedoch nicht. 2013 ging er daher für eine Saison auf Leihbasis zur SpVgg. Greuther Fürth in die 2. Bundesliga. Für die Kleeblätter traf er insgesamt sechs Mal, darunter ein Viererpack beim 6:2-Auswärtssieg beim FC Erzgebirge Aue. Statt nach Bremen zurückzukehren, blieb Füllkrug anschließend in Franken - ging aber zum 1. FC Nürnberg.

Bei Werder Bremen gab Füllkrug 2012 sein Bundesliga-Debüt - Joern Pollex/Bongarts/Getty Images

Für den Club machte er in der Saison 2015/16 14 Tore, Nürnberg verpasste erst in der Relegation den Aufstieg in die Bundesliga. Füllkrug entschied sich für eine Rückkehr in seine Heimatstadt zu Hannover 96. Mit den Niedersachsen gelang ihm gleich der Aufstieg in die Bundesliga. Dort erzielte er in der Premierensaison 14 Treffer und sicherte den 96ern damit den Klassenerhalt.

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Die aktuelle Saison verlief für den Stürmer aber - ähnlich wie für 96 - alles andere gut. Nur zwei Tore gelangen ihm in 13 Spielen in der Hinrunde. Schon da wurde er durch Knieprobleme eingebremst. Seit dem 16. Spieltag musste er dann wegen eines Knorpelschadens ganz passen. Eventuell kann er aber im Saisonendspurt noch einmal für Hannover auflaufen.

In Bremen hoffen die Verantwortlichen natürlich, dass die Probleme bald überstanden und die Verletzung vollständig auskuriert ist. "Niclas ist in den vergangenen Jahren zu einem etablierten Bundesliga-Spieler herangereift. Wir sind davon überzeugt, dass er eine wichtige Rolle in unserem Angriffsspiel einnehmen kann", sagt Sportdirektor Frank Baumann über den Neuen. Schließlich wollen die Bremer nach der aktuellen, guten Saison mit DFB-Pokalhalbfinale und weiterhin großen Chancen auf den Sprung in die Europa League, künftig wieder regelmäßig die Spitze der Bundesliga angreifen.

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Füllkrug selbst blickt seiner Rückkehr mit großer Freude entgegen. "Ich habe den Großteil meiner Jugend bei Werder und in Bremen verbracht und verspüre daher immer noch eine große Verbundenheit zum Verein. Ich freue mich über meine Rückkehr und vor allem auf die Fans. Im Weser-Stadion zu spielen – egal ob für Werder oder auch als Gegner – war und ist für mich etwas Besonderes", sagt er.

Der Stürmer soll eine zusätzliche Alternative vorne in der Spitze sein. Mit seinen 1,89 Metern Größe ist "Lücke" gerade im Kopfballspiel eine echte Waffe. Vergangene Saison gewann er 46 Prozent seiner Zweikämpfe in der Luft - für einen Stürmer ein sensationeller Wert. Zudem hat er drei seiner jüngsten elf Tore mit dem Kopf erzielt. Auch von seiner übrigen Spielanlage ist Füllkrug ein klassischer Strafraumstürmer, der vorne drin als Vollstrecker agiert.

Dieser Spielertyp fehlt den Bremern aktuell. Claudio Pizarro kann mit seinen 40 Jahren natürlich nicht mehr stets über 90 Minuten vorne drin ackern. Martin Harnik kommt lieber über die Außen und Max Kruse fühlt sich ohnehin hinter den Spitzen als Spielmacher wohler. Ein echter Brecher in der Spitze würde auch das eigentlich gute Flügelspiel der Bremer effektiver machen - wenn endlich jemand in der Mitte stände, der die Flanken verwandelt. Auf dem Weg zurück in die Bundesliga-Spitze könnte Füllkrug daher genau das Puzzleteil sein, das Werder zuletzt gefehlt hat.

Von Tobias Schild