Thomas Müller und Jadon Sancho haben zusammen bereits 30 Saisontreffer vorbereitet - einmalig seit Beginn der Datenerfassung 1992 - © DFL Deutsche Fußball Liga
Thomas Müller und Jadon Sancho haben zusammen bereits 30 Saisontreffer vorbereitet - einmalig seit Beginn der Datenerfassung 1992 - © DFL Deutsche Fußball Liga
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Bayern-Ikone Müller oder BVB-Star Sancho: Wer ist der König der Vorbereiter?

Im Klassiker konnte sich der FC Bayern München bei Borussia Dortmund mit 1:0 durchsetzen und hat den BVB damit in der Tabelle vorerst auf sieben Zähler distanziert, aber in einem individuellen Duell zweier Top-Stars der Spitzenteams geht es weitaus enger zu. Thomas Müller und Jadon Sancho liefern sich derzeit ein historisch hochklassiges Duell um den Titel des Vorlagenkönigs in dieser Saison. Gemeinsam bringen sie es nach 29 Spieltagen bereits auf 34 Torvorlagen - das hat es seit Beginn der Datenerfassung 1992 noch nie gegeben. So ähnlich effektiv die beiden Offensivspieler sind, so unterschiedlich ist ihr Spielstil. bundesliga.de erklärt, was die beiden zu den Königen der Torvorlagen macht.

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Thomas Müller (FC Bayern München, 18 Vorlagen 2019/20)

Kaum ein Moment beschreibt die Karriere des Thomas Müller besser als die Pressekonferenz nach dem deutschen 4:1-Sieg gegen England bei der WM 2010 in Südafrika. Ein englischer Journalist wollte von Jogi Löw wissen, was Thomas Müller eigentlich auszeichnet. Schließlich sei er ja weder außergewöhnlich schnell, noch besonders kopfballstark, auch kein Supertechniker oder versierter Dribbler. Der Kollege vom Guardian war offensichtlich ratlos, schließlich hatte genau dieser Spieler ohne offensichtlich herausstechende Fähigkeiten gerade mit zwei Toren und einer Vorlage dafür gesorgt, dass England wieder einmal die Hoffnung begraben musste, dass der Fußball endlich nach Hause kommt.

Damals stand Müller gerade erst am Anfang seiner Karriere und hatte seine erste volle Saison als Profi beim FC Bayern München hinter sich. Mittlerweile hat er mit 30 Jahren 347 Bundesliga-Spiele auf dem Buckel. In all diesen Partien hat er 267 Torbeteiligungen (117 Tore, 151 Vorlagen*) gesammelt. Niemand bringt es seit Beginn der Datenerhebung 1993 insgesamt auf mehr Assists. 18 hat er auch in dieser Saison bereits wieder gesammelt - Bestwert der Bundesliga. Nie hatte ein Spieler in diesem Jahrtausend zu diesem Zeitpunkt mehr Torvorlagen auf dem Konto.

In zehn der letzten zwölf Bundesliga-Spielzeiten bereitete Müller eine zweistellige Anzahl an Toren vor. Dabei gehören filigrane Dribblings, halsbrecherische Sprints oder elegante Kabinettstückchen nach wie vor nicht unbedingt zum Repertoire des Ur-Bayern. Dafür hat er ein unübertroffenes Gespür für Situationen, das ihm den Spitznamen "Raumdeuter" einbrachte. Ein Begriff, der sich mittlerweile auch im englischen Sprachraum etabliert hat.

Seine größte Waffe ist seine überragende Antizipationsfähigkeit. Müller erkennt Situationen besser und vor allem früher als die meisten seiner Kollegen. Das verschafft ihm eine Handlungsschnelligkeit, die vielleicht einmalig ist auf der Welt ist. Dieses Gespür für den Fußball lässt sich vor allem nur ganz schwer verteidigen. Auf bestimmte Stärken einzelner Spieler kann ein Trainer seine Defensive einstellen, aber eben kaum auf einen Akteur, dessen Aktionen und Laufwege so unberechenbar sind wie bei Thomas Müller. Zudem hat er auch in Tornähe den Kopf immer oben und sucht den besser postierten Mitspieler. Die Quote von 0,44 Vorlagen pro Bundesliga-Einsatz spricht für sich.

*Die Definition einer Torvorlage hat sich seit dem Bundesliga-Debüt von Thomas Müller häufiger verändert, deshalb könnte die Zahl nach heutigem Maßstab abweichen.

Jadon Sancho (Borussia Dortmund, 16 Vorlagen 2019/20)

In dieser Saison ist Jadon Sancho zwar in der Rolle des Verfolgers - sowohl mit Borussia Dortmund als auch im Rennen um die Krone des besten Vorbereiters - aber insgesamt bringt er es sogar auf eine noch bessere Quote als Thomas Müller. 39 Torvorlagen in 73 Bundesliga-Einsätzen bedeuten 0,53 pro Partie. Der junge Engländer ist aber wie Müller auch sehr gut im Abschluss und erzielte insgesamt schon 30 Bundesliga-Tore - 17 davon in dieser Spielzeit. Kein Spieler der Bundesliga-Historie war jünger, als er diese Marke erreichte.

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Der Weg zum Erfolg führt bei Sancho über eine herausragende individuelle Klasse, was aber nicht bedeutet, dass es ihm an Spielverständnis mangelt. "Dribbeln ist eine meiner großen Stärken", sagt Sancho über sich selbst. Und tatsächlich ist er mit dem Ball am Fuß nur kaum zu stoppen. So kann er immer wieder vielversprechende Situationen schaffen, an deren Ende er entweder selbst zum Abschluss kommt, oder einen seiner Mitspieler in Szene setzt. "Weil ich viel auf der Straße gespielt habe, mache ich viele Dinge, die man in einem normalen Spiel nicht machen würde", erklärt der Nationalspieler einen Grund für seinen Erfolg.

Diesen in zahllosen Stunden angeeigneten Instinkt paart er mit sensationeller Technik und einem atemberaubenden Antritt. Eine Kombination, die Defensivspieler auf der ganzen Welt ins Schwitzen bringen lässt. Nun könnte Sancho sich in seiner zweiten vollen Saison als Bundesliga-Profi zum zweiten Mal den inoffiziellen Titel des besten Vorbereiters sichern. Das Fernduell zwischen "Raumdeuter" und "Straßenfußballer" wird die Bundesliga sicherlich bis Saisonende in Atem halten.