Mario Götze is back! Der Weltmeister blüht beim BVB wieder auf - © imago/Revierfoto
Mario Götze is back! Der Weltmeister blüht beim BVB wieder auf - © imago/Revierfoto
bundesliga

Endlich wieder "Super Mario": Götze in Top-Form

Köln - Vom Ersatzmann zum Leistungsträger. Nach Startschwierigkeiten ist Mario Götze aus dem Team von BVB-Coach Lucien Favre aktuell nicht mehr wegzudenken. Seine Tore und Vorlagen sind für Borussia Dortmund enorm wichtig. Und vielleicht führen sie ja auch wieder zur Deutschen Meisterschaft, so wie vor acht Jahren ...

Mario Götze, Weltmeister-Macher. Schütze des goldenen Tores bei der WM 2014. "Das Tor"wird zweifellos immer das erste sein, mit dem die Menschen den Jungen aus Memmingen in Verbindung bringen. Und das auch unter ästhetischen Gesichtspunkten zurecht: Annahme mit der Brust, dann der legendäre Halbvolley mit dem "schwächeren" linken Fuß. Drin, Weltmeister! Bald fünf Jahre nach dem größten Moment seiner Karriere schreibt Götze wieder positive Schlagzeilen. Der Held von 2014 spielt nach schweren Jahren aktuell wieder groß auf.

>>> Mario Götze von Borussia Dortmund: Ganz nah an der Topform

Auch in der Bundesliga haftet Götzes Treffern etwas Magisches an: Wann immer er in der Liga ein Tor schoss, hat seine Mannschaft anschließend nicht verloren (37 Siege, sieben Unentschieden). Gegen den VfB Stuttgart tat es am vergangenen Samstag auch eine Vorlage für Borussia Dortmund. In der Nachspielzeit legte Götze Teamkollege Christian Pulisic das Tor zum 3:1-Endstand auf.

Der neue Götze

Damit war er erstmals seit der Saison 2013/14 wieder in drei Spielen in Folge an einem Tor beteiligt. Ist er wieder der Alte? Nein, Mario Götze ist nicht mehr der unbelastete Jungspund, der Anfang des Jahrzehnts die Abwehrreihen der Bundesliga schwindelig spielte. Waghalsig im Dribbling, frech und von untrainierbarer Lockerheit im Abschluss oder beim finalen Pass. Der Götze, der heute – nach drei Jahren beim FC Bayern München – zum zweiten Mal im BVB-Trikot auftrumpft, spielt überlegter und extrem variabel. Als Achter, Zehner oder "Falsche Neun" bringt er zwischen den gegnerischen Linien seine Erfahrung zum Tragen.

>>> Borussia Dortmund: Mit Selbstvertrauen ins Kopf-an-Kopf-Rennen

Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspielerabteilung beim BVB: "Er hat nach anfänglichen Problemen in dieser Saison Fahrt aufgenommen.“ Und wie! In acht Rückrundenspielen traf Götze drei Mal und bereitete weitere drei Tore vor. Macht er so weiter, wackelt seine persönliche Bestmarke aus der Saison 2012/13. Damals kam er auf zehn Tore und zwölf Assists. Ein Comeback, das Götze nach schweren Jahren nicht jeder zugetraut hat.

Perfekte Schusstechnik - Mario Götze ist wieder top drauf - imago images / Kirchner-Media

"Mario hat nie reklamiert, sondern immer weiter gearbeitet"

Nach seiner Rückkehr aus München 2016 hatte Götze Mühe, an die Form vergangener Tage anzuknüpfen. In zwei Spielzeiten kam er in 34 Ligaspielen auf drei Tore und fünf Vorlagen – weniger als man vom einstigen Wunderkind, Meistermacher und, natürlich, Weltmeister erwartet. Unter "Bessermacher" Lucien Favre sollte Götze ab Sommer 2018 wieder zu alter Stärke finden, so der Dortmunder Plan.

>>> Titelkampf: Was spricht für Borussia Dortmund, was für den FC Bayern München?

In der Praxis schien im System des neuen Trainers allerdings kein Platz für den Spieler mit der Nummer 10 zu sein. Bis zum 7. Spieltag stand die Null auf Götzes Leistungsnachweis: null Spiele von Anfang an, null Einwechslungen, null Spielminuten. Doch dann kam Augsburg. In einem wilden Spiel wechselte Favre ihn beim Stand von 2:2 ein, sieben Minuten später traf er zur Führung, der BVB gewann schließlich 4:3. "Das Tor macht er sensationell", schwärmte Kapitän Marco Reus hinterher: "Er hat in diesen für ihn extrem schwierigen Wochen nie reklamiert, sondern immer weiter gearbeitet." Immer weiter geht es auch in Sachen Laufleistung: 12,4 Kilometer legt der Edeltechniker pro Spiel zurück, gehört damit zu den laufstärksten Dortmundern.

Paco Alcacer trifft, Mario Götze jubelt mit - imago images / Team 2

Wieder Meistermacher?

Harte Arbeit wurde schon immer groß geschrieben bei Götze. Beim Hochbegabten, der seit jeher viel konnte, aber noch mehr wollte. Oft zu viel, wie er heute weiß: "Ich habe mich körperlich überfordert und mir zu viel zugemutet", sagte Götze vergangenes Jahr im Rückblick auf die Zeit vor seiner Stoffwechselerkrankung. Die setzte ihn vier Monate außer Gefecht. "Mein Gedanke war immer: Mehr machen als die anderen. Jetzt weiß ich, dass es gut ist, dem Körper auch mal Zeit zu geben."

>>> Borussia Dortmund geht mit neuem Schwung ins Duell mit dem VfB Stuttgart

Mittlerweile ist Götze dauerhaft fit und, siehe da, in Sachen Torgefahr wieder der Alte: Vier Tore und sechs Vorlagen ergeben nach 25 Spieltagen 2018/19 schon mehr Scorerpunkte als er in den vergangenen beiden Jahren zusammen sammelte (acht). Entsprechend zufrieden sind die Bosse, Kehl: "Mario spielt sehr engagiert und versucht, sich clever und intelligent in den Räumen zu bewegen. Er hat in den vergangenen Wochen viele gute Spiele geliefert." Noch ein paar mehr von dieser Sorte, noch ein paar Siege durch Götze-Tore, dann könnte doch wieder alles so sein wie früher, wie 2011. Dann nämlich, wenn Mario Götze Borussia Dortmund erneut zur Deutschen Meisterschaft führt.

Tim Wichmann