Dortmund - Lang anhaltend und laut war er, der stehend gespendete Applaus, mit dem die Mitglieder von Borussia Dortmund am Sonntag, einen Tag nach dem ernüchternden 2:2 beim SC Paderborn, die Mannschaft auf der Jahreshauptversammlung empfingen.

Derjenige, der im Moment wohl die meisten Aufmunterungen nötig hätte und dem der Zuspruch ganz sicher ebenfalls galt, befand sich zu diesem Zeitpunkt im Krankenhaus: Marco Reus. Bis Anfang Januar 2015 muss er wegen eines Risses des Außenbandes im rechten Sprunggelenk in der Reha an seiner Rückkehr arbeiten - schon wieder.

Reus verbreitet Optimismus

Für den deutschen Nationalspieler ist es im Jahr 2014 schon die sechste Verletzung und überdies bereits die dritte schwere im zweiten Halbjahr (Hintergrund: Pechvogel Reus - Die Verletzungs-Historie). Erst der geplatzte Traum von der WM in Brasilien und der verpasste Titelgewinn, jetzt bereits zum zweiten Mal ein herber Rückschlag kurz nach der Rückkehr auf den Rasen: Eine schwierige Situation, die Reus körperlich, aber vor allem auch mental erst einmal verarbeiten muss.

Via Twitter verbreitete der 25-Jährige am Montagmorgen ein wenig Optimismus. Im berühmten Terminator-Duktus von Arnold Schwarzenegger versprach Reus seinen Fans: "I’ll be back again!"

Tipps von Holger Badstuber

Sätze wie dieser gehören bei schlimmen Verletzungen zum üblichen Repertoire eines Sportlers. Auch von Holger Badstuber waren sie in der Vergangenheit immer wieder zu  hören. Der Innenverteidiger des FC Bayern München befindet sich seit Dezember 2012 fast ausschließlich in der Reha. Er kennt die enormen psychologischen Anforderungen, die mit mehreren schweren Rückschlägen einhergehen.

"Wenn man länger verletzt ist, spielt der Kopf eine große Rolle, er ist ein entscheidendes Element", sagte Badstuber am Sonntag bei einem Medientermin der Erlebniswelt des FC Bayern. "Man muss sich die Geduld bewahren, um die Verletzung richtig auszukurieren. Man muss immer daran glauben." Hilfreich ist dabei besonders die Erfahrung mit Verletzungspausen, glaubt Badstuber. Das Bewusstsein für den eigenen Körper wird größer, Charakterstärke ist gefragt. "Ich bin gewachsen durch diese Rückschläge", erklärt Badstuber.

Auch Reus wird mentale Stärke benötigen, um die erneute Zeit der Behandlungen, der harten Arbeit im Kraftraum und der zahlreichen Laufrunden auf dem Trainingsplatz mit einer positiven, auf zukünftige Ziele ausgerichteten Einstellung anzugehen. Rückendeckung erhält er von allen Seiten: Vom Verein, von seinen Mitspielern, von anderen Sportlern, die ihm nur das Beste wünschen, und natürlich von den Fans. Die wollen ihm schließlich so schnell wie möglich wieder stehend applaudieren. Im Stadion. Für Tore.

Stefan Schinken