
"Nur einmal pro Jahrhundert": Wie Manuel Neuer das Torwartspiel revolutionierte
Kaum ein Spieler hat seine Position so geprägt wie Manuel Neuer – und das über viele Jahre hinweg auf höchstem Niveau. Seine außergewöhnliche Spielweise machte ihn nicht nur zur Legende, sondern veränderte nachhaltig, was man von einem modernen Torwart erwartet.
"Manuel Neuer hat das Torwartspiel revolutioniert." Diesen Satz äußerte Torwart-Legende Bodo Illgner im Zuge des Achtelfinals gegen Algerien bei der Weltmeisterschaft 2014. In dieser Partie zeigte der damals 29-jährige Keeper auf der größten Fußballbühne, dass ein Torwart weit mehr leisten kann, als bloß zwischen den eigenen Pfosten zu kleben und einen Torerfolg der Gegnermannschaft zu verhindern.
"Wie er in diesem Spiel so weit vorne gespielt hat, der Abwehr den Rücken freigehalten hat – einmalig", brachte es Illgner damals auf den Punkt. Doch diese Leistung, diese WM, dieser Manuel Neuer waren kein Ausreißer – sondern Ausdruck seines Weltniveaus, das er auch über ein Jahrzehnt später noch konstant abrufen kann.

Manuel Neuer – eine Bundesliga-Legende
Der gebürtige Gelsenkirchener debütierte am 19. August 2006 im Alter von 20 Jahren für den FC Schalke 04 in der Bundesliga, nachdem er sämtliche Jugend-Mannschaften des Vereins aus Nordrhein-Westfalen durchlaufen hatte. Dort spielte er sich mit ebenfalls beeindruckenden Auftritten schnell ins Rampenlicht. Im Sommer 2011 folgte der Wechsel zum FC Bayern, wo er seitdem die unangefochtene Nummer eins und seit 2017 Kapitän der Mannschaft ist.
Seit seinem Debüt bestritt der 1,93 Meter große Schlussmann 544 Bundesliga-Spiele (davon 156 für Schalke). Damit steht der fünffache Welttorhüter im historischen Spiele-Ranking auf Platz sechs und kann noch in dieser Saison die Legende des SV Werder Bremen, Mirko Votava (546), ein- und überholen. Der einzige Torhüter, der in der Bundesliga mehr Spiele bestritt als Neuer ist Oliver Kahn (557).
Ein echter Gewinnertyp
Der Routinier des Rekordmeisters bestritt in 20 verschiedenen Saisons Bundesliga-Spiele – auch in diesem Ranking liegt mit Klaus Fichtel (22) nur noch ein Spieler vor ihm. Ob es bei Neuers 20 Saisons bleibt oder er seinen Vertrag beim FC Bayern um ein weiteres Jahr verlängert, dazu äußerte sich der 40-Jährige kürzlich.
Eine weitere Rangliste führt Neuer jedoch bereits an: Insgesamt gewann der Keeper 374 Bundesliga-Spiele und übertraf damit in dieser Saison den bisherigen Bestwert seines langjährigen Mitspielers Thomas Müller (362 Siege).
Überhaupt verlor Bayern mit "The Wall", wie Neuer zuweilen aufgrund seiner schieren Unüberwindbarkeit genannt wird, in der Bundesliga zuletzt im Mai 2024 bei der TSG Hoffenheim (damals noch unter Kompany-Vorgänger Thomas Tuchel). Bei den letzten drei Bundesliga-Niederlagen fehlte der Schlussmann, der damit aktuell seit 43 Bundesliga-Spielen ungeschlagen ist (36 Siege, sieben Remis).

"Ein Torwart, den es nur einmal pro Jahrhundert gibt"
Wenn Neuer spielt, fällt kaum ein Gegentor: Neuer blieb in 246 Bundesliga-Spielen ohne Gegentreffer (historischer Rekord) und ist mit 461 Gegentoren der einzige Torhüter der Bundesliga-Geschichte mit über 100 Spielen, der weniger Gegentore kassierte, als er Spiele bestritt (544).
Dank dieses konstant hohen Niveaus feierte er bereits zwölfmal die Deutsche Meisterschaft. In dieser Saison und schon am kommenden Spieltag kann er den Rekord von Thomas Müller (13 Meisterschaften) egalisieren und wäre damit gewissermaßen Rekordmeister beim Rekordmeister!
Angesichts seiner herausragenden Karriere wäre das kaum überraschend. Diese Meinung teilt auch sein ehemaliger Teamkollege Philipp Lahm, der gegenüber The Athletic in höchsten Tönen von dem Ausnahmekeeper schwärmte: "Neuer ist ein Torwart, den es nur einmal pro Jahrhundert gibt und der mit allen für seine Position erforderlichen Fähigkeiten und Eigenschaften gesegnet ist: Sprungkraft, Beweglichkeit, Reflexe, Physis und Reaktionsfähigkeit."
Verletzungen machen ihn nur noch besser
Dass Neuer zuletzt hin und wieder Spiele verpasste, lag an wiederkehrenden kleineren Verletzungen. So zog sich der Keeper seit Mitte Dezember 2025 gleich zweimal einen Faserriss zu: Am 14. Dezember gegen Mainz (an der rechten Oberschenkelrückseite), am 14. Februar in Bremen und am 6. März gegen Borussia Mönchengladbach (jeweils in der linken Wade).
Die häufigen Verletzungen stufte der 40-jährige Schlussmann jedoch kürzlich als "überhaupt nicht schlimm" ein. Die Begründung: "Diese Muskelverletzungen hatten einen anderen Ursprung gehabt, weil ich mit dem Magen und Darm zu kämpfen hatte. Dadurch war der Körper etwas geschwächt."
Dass diese Rückschläge jedoch nicht zur Schwächung seines Torwartspiels geführt haben, zeigte der Routinier einmal mehr beim Viertelfinal-Hinspiel der Champions League bei Real Madrid. Trotz – oder gerade wegen – seines mittlerweile hohen Fußballalters bleibt festzuhalten: Manuel Neuer revolutioniert das Torwartspiel.
