Zusammenfassung

  • Makoto Hasebe verhinderte eine Frankfurter Niederlage mit einer tollen Rettungstat

  • Der Japaner zeigte sich nach dem Abpfiff selbstkritisch

  • Die Rolle des Helden füllt Hasebe eigentlich gar nicht gerne aus

Frankfurt - Makoto Hasebe wurde beim 2:2 von Eintracht Frankfurt gegen Borussia Dortmund in der Nachspielzeit zum Helden. Der Japaner blieb nach seiner spektakulären Rettungaktion gegen Nuri Sahin aber bescheiden und fand klare Worte zu seiner Leistung.

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90. Minute, es steht 2:2, Eintracht Frankfurt hatte ein 0:2 gegen Borussia Dortmund mit einer tollen Moral in einem tollen Spiel aufgeholt. Einer der letzten Angriffe der Dortmunder läuft, der eingewechselte Jadon Sancho kommt aus acht Metern halb linke Position frei zu Schuss: Eintracht-Torwart Lukas Hradecky wehrt den Ball mit einer starken Reaktion gerade so noch ab und die Kugel springt Nuri Sahin im Fünfmeterraum vor den starken linken Fuß. Das Tor ist leer, Hradecky kann so schnell nicht auf die Beine kommen, nur Eintracht Abwehrspieler Makoto Hasebe steht noch einsam auf der Linie dieses riesigen 7,32 Meter breiten und 2, 44 Meter hohen Tores. Später schilderte Hradecky diesen Moment, in dem ein ganzes Stadion den Atem anhielt so. "Ich habe mich geärgert", erinnerte sich der finnische Nationaltorwart, "und gedacht: Verdammt, jetzt verlieren wir in letzter Sekunde." Aber Hradecky lachte und grinste über beide Ohren, denn Hasebe wehrte den Ball nach Sahins Schuss irgendwie doch noch ab. Wie er das gemacht hatte, wusste er hinterher auch nicht so recht: Er machte einen Schritt nach links und irgendwie sprang ihm der Ball dadurch ans Knie und prallte zurück ins Spielfeld.

Video: Rekord-Japaner Hasebe

Ein magischer Moment in diesem großartigen Schlagabtausch zweier offensivstarker Mannschaften im Stadtwald. Die Fans der Eintracht unter den 51.500 Zuschauern im ausverkauften Stadion jubelten wie vorher bei den Toren von Sebastian Haller (64.) und Marius Wolf (68.), die die Dortmunder Führung durch Sahin (18.) und Maximilian Philipp (57.) ausglichen.

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Wahnsinn sei das gewesen, sagte Eintracht Abwehr-Routinier David Abraham: "Ich habe zu 99 Prozent gedacht, der Ball wäre drin." War er aber nicht und so rückte Makoto Hasebe plötzlich in jene Rolle, die der höfliche und zurückhaltende Japaner so gar nicht gerne ausfüllt: die des Helden. Und Makoto Hasebe wäre nicht Makoto Hasebe, wenn er nicht so reagiert hätte, wie er reagiert hat: Also erklärte er nach all den Lobpreisungen der Fans und den Umarmungen  und Gratulationen der Mitspieler zunächst einmal: "Ich bin mit meiner Leistung nicht zufrieden. Vor dem ersten Gegentor war das auch mein Fehler." Hasebe hatte da den Ball im Mittelfeld verloren. Aber was soll’s nach so einer Riesentat kurz vor dem Abpfiff? Die Dortmunder verzweifelten an dieser Aktion schier, rauften sich die Haare und konnten es nicht fassen. BVB-Trainer Peter Bosz haderte hinterher: "Es fehlt auch ein bisschen das Glück im Moment, der Ball geht auch nicht rein, wenn nur ein Spieler auf der Linie steht."

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Ein Reporter schlug Hasebe nach dem von den Frankfurtern bejubelten Schlusspfiff sogar einen Rollenwechsel vor und fragte den 33 Jahre alten defensiven Mittelfeldspieler, der am Samstag das Herz der Dreierabwehrkette der Eintracht war, ob er denn nicht jetzt öfter mal ins Tor gehe? Hasebe lächelte nur höflich, und da er auch witzig ist, antwortete er: "Stimmt, das könnte ich mal machen." Aber erstens haben die Frankfurter in Hradecky einen sehr guten Torwart und Hasebe ist für diese Eintracht auf dem Platz viel zu wichtig. Das hat er ja auch am Samstag wieder einmal bewiesen.

Tobias Schächter