
Einige Debütanten im DFB-Dress? Jürgen Klopp und die neuen jungen Wilden
Am Donnerstag gibt Bundestrainer Jürgen Klopp seinen Kader für die kommenden Länderspiele bekannt. Und schon jetzt deuten sich mehrere Debütanten an. bundesliga.de stellte einige potenzielle Kandidaten genauer vor.
Spätestens mit dem hochverdienten 2:0-Erfolg über den FC Bayern München stellte Jürgen Klopp eine besondere Fähigkeit unter Beweis. Der damalige Trainer von Borussia Dortmund hat ein Händchen für und die Entwicklung von jungen Spielern. Mit dem Triumph im Oktober 2010 und der anschließenden Meisterschaft ging der Name des heutigen Bundestrainers gerne mit dem Begriff der "jungen Wilden" daher, die Klopp zum Titel geführt hatte.
Ein Können, das er auch bei seinen weiteren Stationen unter Beweis gestellt hat und ihm ganz sicher bei der Ernennung zum neuen Bundestrainer in die Karten gespielt hat. Menschenfänger, Entwickler, Förderer - Klopp startet mit vielen Vorschusslorbeeren in seine erste Länderspielphase und scheint auch dort wieder mit jungen Spielern arbeiten zu wollen."Wir haben unglaublich viel Talent. Wir sind bei der U17 Welt- und Europameister geworden", sagte Klopp. "Die müssten jetzt 20 sein. Jetzt, mit Führerschein, können wir sie gebrauchen."
Gleich mehrere Youngster dürften ihre Faherlaubnis wohl schon mal hervorhohlen

Jonas Urbig
Im Tor steht beim DFB ganz offensichtlich ein Generationswechsel an. Manuel Neuer hat seinen endgültigen Rücktritt aus der DFB-Elf bekannt gegeben, Oliver Baumann steht möglichrweise dieses Mal nicht auf Klopps Liste. Gute Chancen hat ausgerechnet Neuers Vertretung beim FC Bayern München, Jonas Urbig. Der 23-Jährige berichtete unlängst von einem "guten Gespräch" mit dem Bundestrainer. Das ist kein Freifahrtschein auf den Stammplatz zwischen den Pfosten, doch möglicherweise Leitplanken auf dem Weg dorthin.
Urbig kommt im Profibereich auf nahezu 100 Pflichtspiele, also auf doch beachtlich viel Erfahrung für sein junges Torhüter-Alter und als Nebenmann von Neuer. Zudem durchlief der gebürtige Euskirchener seit der U17 sämtliche deutsche Junioren-Nationalmannschaften, trägt den Adler also ebenfalls seit einigen Jahren auf der Brust. Nicht umsonst wird der Keeper als Nachfolger von Manuel Neuer gehandelt.
Mit Noah Atubolu und Mio Backhaus stehen zwei weitere junge Keeper auf dem Gaspedal.

Felix Keidel
Auf der Überholspur scheint sich auch Felix Keidel zu befinden. Der gelernte Rechtsverteidiger, der bei der SV Elversberg bislang im defensiven Mittelfeld auftrumpft, hat gute Chancen auf eine Nominierung - und das obwohl der 23-Jährige vor weniger als anderthalb Jahren in der 3. Liga beim FC Ingolstadt kickte. Im Sommer 2025 folgte der Wechsel zur ELV. Dort etablierte sich der Rechtsfuß schnell als Stammspieler, stand auch jetzt in der Bundesliga immer in der Anfangsformation.
Sein Vorteil: Keidel ist in der Defensive polyvalent, heißt: er kann auf verschiedenen Positionen bedenkenlos eingesetzt werden, spielte schon Linksverteidiger und nun eben im defensiven Mittelfeld. Keidel gilt als leidenschaftlicher Zweikämpfer, kompromisslos, der den Weg nach vorne nicht scheut. Bei der Elv kommt der Abwehrspieler in 31 Begegnungen auf neun Torbeteiligungen. Der 23-Jährige hat auch bei den Junioren das Adler-Trikot noch nicht getragen. Keidel könnte von der Problem-Baustelle Rechtsverteidiger profitieren.
Philipp Treu
Ganz so jung ist Philipp Treu vielleicht nicht mehr, die Berufung in die Nationalmannschaft wäre für den Spieler des Sport-Club Freiburg dennoch der nächste große Karriereschritt. Denn für die DFB-Elf ist der 25-Jährige noch nicht aufgelaufen. Das könnte sich aber ändern, denn Klopp sieht Joshua Kimmich wohl eher wieder auf der Sechs. Ein Rechtsverteidiger wird händeringend gesucht und Treu hat sich durch starke Leistungen in den Fokus gespielt.
Der gebürtige Heidelberger durchlief im Nachwuchsbereich Stationen in Sandhausen, beim 1. FC Kaiserslautern und RB Leipzig. 2017 ging es in den Breisgau. Abgesehen von einem Jahr Leihe beim FC St. Pauli reifte der Rechtsverteidiger beim Sport-Club zum Leistungträger und ist auf seiner Position unumstritten.
Als weitere Außenverteidiger könnten sich auch Hennes Behrens (21) vom FC Augsburg sowie Elias Baum (20) von Eintracht Frankfurt im Fokus befinden.

Said El Mala
Bislang schien der Bezihungsstatus zwischen Saïd El Mala und dem DFB als kompliziert. Im November vergangenen Jahres erfolgte die erste Nominierung. Der Spieler des 1. FC Köln saß zunächst auf der Bank und wurde dann - wie abgesprochen - zur U21 geschickt. Vor der WM waren die Hoffnungen in ganz Köln groß, der FC würde bald schon wieder einen DFB-Kicker in seinen Reihen haben, doch El Mala wurde für das Endturnier nicht nominiert. Nun der nächste Anlauf. Und der könnte gelingen.
Denn der 20-Jährige blickt auf eine beeindruckende vergangene Spielzeit zurück. 18 Torbeteiligungen in den Premieren-Saison in der Bundesliga können sich jedenfalls sehen lassen. Zumal El Mala zuvor noch in der 3. Liga bei Viktoria Köln sielte. Den Beweis der Bundesligatauglichkeit hat der Offensivspieler erbracht, nun soll der nächste Schritt folgen. Bei der U19-EM im Sommer 25 sorgte der Linksaußen mit acht Torbeteiligungen in vier Spielen für Furore.
Weitere Kandidaten könnten Brajan Gruda (RB Leipzig) und der derzeit allerdings verletzte Anton Kade (FC Augsburg) sein.

Younes Ebnoutalib
Ein Länderspiel-Nominierung steht schon auf der Habenseite - allerdings im Juniorenbereich. Younes Ebnoutalib wurde einst für die U15 Marokkos nominiert, kam aber nicht zum Einsatz. Auch jetzt soll sich der marokkanische Fußballverband für die Dienste des Mittelstürmers interessieren. Doch dürfte das erste Länderspiel wohl im DFB-Dress stattfinden. Zumindest hat der Angreifer gute Karten auf eine Nominierung. Dafür hat der Spieler von Eintracht Frankfurt auch viel getan. Schon bei der Elv startete der 23-Jährige im vergangenen Jahr durch, erzielte in 25 Spielen neun Tore.
Bei der Eintracht geht es für den gebürtigen Frankfurter munter weiter. In den bisherigen vier Pflichtspielen gab es vier Tore und zwei Assists. Gut möglich, dass der Offensivspieler seine Torgefahr nun also für den DFB auf den Platz bringen soll. Aber die Konkurrenz ist auch im Sturm mit Spielern wie Nicolò Tresoldi (21/FC Brügge) oder Dženan Pejčinović (21/VfB Stuttgart) nicht ohne.
Bundestrainer hat die Qual der Wahl
Bundestrainer Jürgen Klopp hat also schon jetzt die Qual der Wahl. Dem Vernehmen nach will der Coach einen XXL-Kader nominieren. Dabei soll es sich nicht um ein klassisches Casting handeln. Doch der Trainer wird schon schauen, wer mit seinem Führerschein die meisten PS auf die Strecke bringen wird. Klar ist: Klopp wird wieder eine Mannschaft mit "jungen Wilden" formen wollen. Ob es dann erneut einen Titel gibt, wird die Zeit zeigen.


