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Trainer-Legende Jupp Heynckes feiert 75. Geburtstag

Ein tolles Essen, ein Glas Wein mit Ehefrau Iris - "und dann lassen wir unsere Gedanken in die gemeinsame Vergangenheit schweifen", erzählt Jupp Heynckes vor seinem 75. Geburtstag am Samstag (9.5). In Zeiten von Corona wird es ein sehr ruhiger Festtag für die Trainer-Legende, aber für Heynckes ist das okay. "Feiern im Kleinen passen mehr zu meinem Naturell", sagt er dem kicker.

Heynckes war nie einer, der sich in den Vordergrund gedrängt hat - weder als erfolgreicher Profi bei Borussia Mönchengladbach und Weltmeister 1974 noch später als gefeierter Coach, der 2013 mit Bayern München das historische Triple gewann. Entsprechend genießt er auch sein Leben ohne Fußball auf seinem idyllischen Landsitz "Casa de los Gatos" mit "sechs Flugenten und wunderbaren Fischen im Teich" im niederrheinischen Schwalmtal.

"Das wahre Leben ist, die Augen für die wirklich schönen Dinge offen zu haben". Er sei mit sich "im Reinen und dankbar für dieses Leben". Die Öffentlichkeit, sagt Heynckes mit Nachdruck, "brauche ich nicht. Da ist so vieles so oberflächlich".

Dass Heynckes 75 wird, hat ihn bei den ersten Interview-Anfragen selbst etwas erschreckt. "Allerdings fühle ich mich noch nicht so alt". Er nehme immer noch "sehr aktiv am Leben teil". Heynckes schwimmt viel, hält sich mit Gymnastik und "strammen Spaziergängen" fit. Sein Alltag, betont er, sei ausgefüllt. Von wegen Ruhestand.

Hoeneß: "Jupp ist ein Vorbild an Einsatz, Willen und Menschlichkeit"

So holt er inzwischen viele Dinge nach, für die er in den Jahrzehnten im Fußball-Geschäft nur wenig Zeit hatte. Er reflektiere "schon viel". Heynckes befasst sich etwa verstärkt mit politischen Themen oder mit der Klimaproblematik - und er vertritt dabei klare Standpunkte: "Wenn wir so weitermachen, endet alles in einer Katastrophe. Das Coronavirus wird nicht das letzte Problem bleiben, wir müssen unseren Lebensstil, der auf immer mehr Profit ausgerichtet ist, ändern", fordert Heynckes.

Er empfindet deshalb "große Sympathien" für die Fridays-for-Future-Bewegung. Manchmal denke er sich sogar, "eigentlich müsste ich bei einer Klimademonstration mitmarschieren. Missstände und Ungerechtigkeit kann ich nicht ertragen".

Dies war auch als Trainer so. Heynckes war ein intaktes Umfeld immer besonders wichtig. Galt er zum Start seiner Karriere 1979 bei "seiner" Borussia noch als überehrgeizig und stur, so entwickelte er sich gerade in den letzten Jahren bei Bayern München immer mehr zum väterlichen Freund seiner Profis - ohne dabei seine natürliche Autorität zu verlieren. Noch heute hält er Kontakt zu einigen Stars wie etwa Bastian Schweinsteiger.

Eine besondere Beziehung verbindet Heynckes nach wie vor auch mit Uli Hoeneß. Der ist voll des Lobes über seinen langjährigen Freund. Heynckes sei "ein Vorbild an Einsatz, Willen und Menschlichkeit", sagte Hoeneß, als Heynckes2016 den Ehrenring der Stadt Mönchengladbach erhielt. Heynckes habe es vor allem geschafft, "alle Spieler und das komplette Team mit ins Boot zu nehmen", schrieb Schweinsteiger in einem Geburtstagsbrief im Vereinsmagazin 51: "Ich kenne niemanden, der jemals schlecht über Dich gesprochen hat."

Unglaubliche Titelsammlung als Spieler und Trainer

Heynckes, der in der Nachkriegszeit als neuntes von zwölf Kindern unter schwierigen Bedingungen aufwuchs, wusste schon früh, dass er so wie Ferenc Puskas werden wollte. Dabei entwickelte er nach eigener Aussage "wahnsinnigen Ehrgeiz". Dass er stundenlang im Hinterhof jonglierte und Bälle gegen die Wand bolzte, sollte sich auszahlen: Heynckes wurde Welt- und Europameister und mit Gladbach UEFA-Cup-Sieger und viermal Deutscher Meister. Auch als Trainer setzte er Glanzpunkte, als er etwa 1998 mit Real Madrid die Champions League gewann, vor allem aber, als er 2013 mit den Bayern das Triple feierte.

Danach beendete Heynckes seine große Laufbahn, ehe er 2017 auf Bitten von Hoeneß zum vierten Mal die Bayern übernahm. Mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft trat er 2018 aber endgültig ab. Er wollte "nicht aus gesundheitlichen Gründen womöglich schwächeln oder gar aufgeben müssen". Und außerdem hatte er es seiner Ehefrau versprochen, dass endgültig Schluss sei.

Seiner Iris! "Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau. Meine liebe Iris hat mich immer unterstützt und meine ganze Karriere mitgelebt", betont Heynckes heute. Dabei sei es gerade nach Niederlagen nicht immer leicht mit ihm gewesen. "Da war ich nur damit beschäftigt und so wortkarg." Auch darüber können beide am Samstag bei einem Glas Wein noch einmal sinnieren.

Jupp Heynckes mit Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge nach der Triple-Saison 2013 - imago sportfotodienst/imago sportfotodienst