Zusammenfassung

  • Mit seinem vierten Bundesliga-Titel baut Jupp Heynckes einen eigenen Rekord aus

  • Salihamidzic: "Jupp hat eine Riesenarbeit geleistet, er hat aus dem FC Bayern wieder das gemacht, was er sein muss"

  • Selbst im Erfolg denkt Heynckes an Vorgänger Carlo Ancelotti

Augsburg – Kurz nach dem Abpfiff musste Jupp Heynckes seine Wohlfühlzone doch einmal verlassen. Mit „Jupp, Jupp, Jupp“-Sprechchören hatten die Fans des FC Bayern München ihren scheidenden Meistertrainer in die Kurve gebeten. Heynckes, dem der Personenkult größtenteils fremd ist, schnappte sich die Münchener Routiniers Franck Ribery und Arjen Robben, das Trio ließ sich von den Anhängern gebührend feiern.

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Kurze Freude, ja, die erlaubte der Trainer des FC Bayern selbstverständlich, aber so richtig die Sau rauslassen, das wollen die Münchner am 26. Mai, nicht früher, wenn es denn geht. Die Meisterschaft ist klargemacht, bereits zum 28. Mal insgesamt und zum sechsten Mal nacheinander, aber: Die Trophäen im DFB-Pokal und vor allem in der Champions League sind ja auch noch zu vergeben.

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"Der Hunger ist sehr groß"

Was Heynckes seit dem 7. Oktober 2017 sagt, das wird gemacht. Wer mag ihm schon widersprechen. "Wir wollen weitermachen, wir wollen dranbleiben, wir wollen in den ausstehenden Wettbewerben ganz weit kommen. Wir haben schon das Gefühl, dass da was drin ist", sagte Thomas Müller nach dem 4:1 (2:1) beim FC Augsburg. Demzufolge ergänzte er: "Es wird schon noch gefeiert werden. Aber wir wollen dann auch vielleicht erst im Mai feiern. Der Hunger ist sehr groß. Wir haben noch ein bisschen was vor."

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Ein paar bemerkenswerte Szenen gab es freilich doch am Samstagnachmittag mit den Männern in roten T-Shirts und einer "6" vorne drauf: Zunächst bildeten die Spieler ein Spalier vor der Ecke ihrer Anhänger - durch das sie dann Heynckes schreiten ließen. Danach umarmte der Trainer alle Spieler - und er setzte ein Zeichen: Aus der Mannschaft zog er Franck Ribery und Arjen Robben nach vorne, ließ sie feiern. Er habe, sagte er hernach, den beiden die "verdiente Anerkennung" verschaffen wollen.

Ein Duo in Feierlaune: Franck Ribery (l.) und Jupp Heynckes © imago / kolbert-press

Große Leistung dank harter Arbeit

Nein, große Feierlichkeiten sollten nicht sein, aber es sollte auch nicht alles wie "business as usual" rüberkommen. "Was wir jetzt seit sechs Jahren erleben, ist einfach ein Traum", sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge mit Stolz in der Stimme, um sogleich zu ergänzen: "Das Karussell dreht sich ja weiter, wir wollen noch was mitnehmen in diesem Jahr." Zunächst wollen die Münchner am Mittwoch, nach dem 2:1 im Hinspiel beim FC Sevilla, ins Halbfinale der Champions League einziehen.

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Es gab am Samstag niemanden beim FC Bayern, der nicht auf den eigenartigen Saisonverlauf hinwies. "Als ich und Peter Hermann am 7. Oktober anfingen, haben wir überhaupt keinen Gedanken an die deutsche Meisterschaft verschwendet", behauptete Heynckes. Fünf Punkte lagen die Münchner damals hinter Borussia Dortmund, was danach kam, bezeichnete Sportdirektor Hasan Salihamidzic als "große Leistung". Der erneute Meistertitel, ja, der komme "selbstverständlich rüber - aber es war harte Arbeit".

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Heiß auf weitere Titel

Harte, seriöse Arbeit, vorgelebt und vorgeschrieben von einem Trainer, der sich mit seinem Assistenten Hermann als Glücksfall erwiesen hat. Der mit seinem vierten Bundesliga-Titel darüber hinaus seinen eigenen Rekord ausgebaut hat: 29 Jahre liegen zwischen seiner ersten Meisterschaft als Trainer (1989 ebenfalls mit dem FC Bayern) und seiner vermutlich letzten in dieser Saison. Mit stoischer Ruhe und großer Erfahrung hat Heynckes den FC Bayern wieder in die Erfolgsspur zurück- und zum sechsten Titel in Serie geführt.

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Vergessen hat der 72-Jährige dabei auch nicht, wer die Münchener zu Beginn dieser abermals erfolgreichen Saison gecoacht hat. Unaufgefordert sprach Heynckes über seinen nach sieben Bundesliga-Spieltagen geschassten Vorgänger. "Carlo Ancelotti", sagte er, "hat aus meiner Sicht auch Anteil an der deutschen Meisterschaft. Er ist für mich ein Gentleman, ein absoluter europäischer Toptrainer, er hat meinen allergrößten Respekt".

Respekt hin oder her, Mann dieser Saison beim Dauermeister ist Heynckes. "Jupp", betonte Salihamidzic, "hat eine Riesenarbeit geleistet, er hat aus dem FC Bayern wieder das gemacht, was er sein muss". Auch die Mannschaft ist voll des Lobes, einer wie der weitgereiste Sandro Wagner sagte: "Der Spirit, den der Jupp Heynckes jeden Tag vorlebt, das ist ein Wahnsinn, das habe ich so noch nicht erlebt. Ich hoffe, dass wir viele Titel holen - die Grundlage ist da."

SID