Zusammenfassung

  • Joshua Kimmich hat in der Nationalmannschaft die rechte defensive Außenbahn für sich beansprucht

  • Der Münchener ist bei Joachim Löw gesetzt und überzeugt durch Konstanz

  • Nur Berti Vogts machte beim DFB mehr Spiele am Stück über die volle Distanz

Mainz - Joshua Kimmich vom FC Bayern München ist die ganze Sache ein bisschen unangenehm. Dass sein Name inzwischen in einem Atemzug mit deutschen Fußball-Legenden wie Franz Beckenbauer und Berti Vogts fällt, macht den Nationalspieler verlegen. "Eine große Ehre" sei das, sagt er, "viel wichtiger ist mir aber, dass Herr Löw mir das Vertrauen schenkt."

Weil Bundestrainer Joachim Löw dies seit Kimmichs Debüt in der Nationalmannschaft konsequent tut, hat Kimmich "Kaiser" Beckenbauer bereits abgehängt. Er hat jedes der vergangenen 22 Länderspiele über die volle Distanz bestritten, Beckenbauer kam 1973 bis 1975 auf 21 Spiele hintereinander. Nur Vogts hat längere Serien zu bieten, seit Wechsel 1967 erlaubt wurden: 1974 bis 1976 verpasste er 26-mal hintereinander keine Minute, 1968 bis 1971 sogar 34-mal.

"Auf ganz hohem internationalen Niveau"

Dass Kimmich bei Löw zum Dauerbrenner wurde, liegt zum einen an den herausragenden Anlagen des 22-Jährigen, der nur bei seinem Debüt am 29. Mai 2016 gegen die Slowakei (1:3) nicht durchspielte. "Joshua ist eines der allergrößten Talente, die ich in den letzten zehn Jahren gesehen habe. Er hat diesen Biss und diesen Hunger, in jedem Training an seine Leistungsgrenze zu gehen", sagte Löw beim Confed Cup im vergangenen Sommer. Er traue dem Bayern-Profi "eine Riesenkarriere" zu.

>>> Kimmichs neuer Coach beim FC Bayern: Jupp Heynckes kehrt in die Bundesliga zurück

Allerdings hat der gelernte Mittelfeldspieler auf seiner Position rechts hinten seit dem Rücktritt von Weltmeister-Kapitän Philipp Lahm, den er in München und beim DFB beerbte, auch keine gleichwertige Konkurrenz. "Rechts ist nur Joshua Kimmich auf ganz hohem internationalen Niveau, die anderen müssen noch ein bisschen reifen", sagte Löw nach dem 3:1 am Donnerstag in Nordirland.

>>> Kimmich, Chandler & Co.: Diese Spieler schlagen die meisten Flanken

Wenig Alternativen zu Kimmich

Die defensiven Außen sind zwar keine echten Problemstellen mehr, doch schon die linke Seite fällt gegenüber Kimmichs ab. In Jonas Hector ist dort ein Spieler gesetzt, der bei seinem Klub in Köln zuletzt meist im defensiven Mittelfeld agierte. Als Alternative versucht Löw, den Berliner Marvin Plattenhardt aufzubauen, der in Vertretung des verletzten Hector in Belfast spielte.

Video: Der FC Bayern im September

Löw wünscht sich, "dass wir die Außenposition in Zukunft mehrfach besetzen könnten". Doch als Kimmich-Ersatz bietet sich kaum mehr jemand an, seit dessen Klubkollege Sebastian Rudy seine Ansprüche beim DFB im Mittelfeld statt wie vorher rechts hinten anmeldet - und zwar mit Nachdruck wie in Nordirland.

>>> Sebastian Rudy: Stratege und Anführer beim DFB

Drei Tore und zehn Vorlagen

Umso wichtiger ist für Löw das Original: "Flankengott" Kimmich, der neben seinen drei Länderspieltoren zehn Vorlagen vorweisen kann - allein acht in den jüngsten neun Spielen. Aber Kimmich weiß, dass Statistiken oft nur begrenzte Aussagekraft haben. "Drei davon waren gegen San Marino ...", sagt er lächelnd.

SID

Wie gut kennst Du Kimmichs neuen Trainer Jupp Heynckes?