Jamal Musiala hat sich beim FC Bayern enorm in den Fokus gespielt - © EIBNER/Sascha Walther/EIBNER/Sascha Walther
Jamal Musiala hat sich beim FC Bayern enorm in den Fokus gespielt - © EIBNER/Sascha Walther/EIBNER/Sascha Walther
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Jamal Musiala: Leistungsträger beim FC Bayern München

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So rasant wie er dribbelt, tänzelt Jamal Musiala seit seiner Ankunft im Sommer 2019 auch die Entwicklungsschritte auf's bayrische Parkett. Vom Talent zum Drittliga-Lehrling in der zweiten Mannschaft, zum vollwertigen Mitglied des Profikaders - und zunehmend zur prägenden Figur im Mittelfeld des Rekordmeisters.

Für einen Teenager beim FC Bayern ist der erste Schritt normalerweise nicht der schwierigste. In die Nachwuchsteams schaffen es regelmäßig hochbegabte Spieler aus dem ganzen Land oder der ganzen Welt. Die meisten von ihnen straucheln bei der nächsten, letztlich entscheidenden Hürde, der Aufnahme in den Profikader. Jamal Musiala hat sie genommen - und wie. Wenige Wochen nach Abschluss seines ersten Profivertrags avancierte der Teenager beim Rekordmeister sogar zunehmend zum Leistungsträger.

Diese Saison muss ihm daher ohnehin schon vorkommen wie ein großer Traum. Doch zum Ende der Spielzeit wurde es noch besser für ihn: Mit dem FC Bayern wurde er Deutscher Meister und Bundestrainer Joachim Löw holte ihn in den deutschen Kader für die Europameisterschaft.

Am 29. Spieltag in Wolfsburg erzielte Musiala im zweiten Bundesligaspiel in Folge das 1:0 für den Tabellenführer. Ging sein Beitrag zum 1:1 gegen Union Berlin zwischen den Champions-League-Hits gegen PSG noch etwas unter, gehörte das Scheinwerferlicht beim 3:2 gegen die "Wölfe" ihm allein. Sein Doppelpack ebnete den Münchnern den Weg zum wichtigen Sieg beim bis dahin zuhause noch ungeschlagenen VfL.

"Er hat den Sieg rausgeholt," lobte Bayern-Trainer Hansi Flick nach dem Spiel und hob Musialas erstes Kopfballtor im Profibereich hervor, das 3:1, Sekunden nach dem Wolfsburger Anschlusstreffer: "Er war im Training diese Woche am Kopfballpendel mit Hermann Gerland. Deswegen freut mich das enorm. Es war sein bester Kopfball, den ich je in der Zeit gesehen habe." Eine Anekdote die unterstreicht, wie schnell der gebürtige Stuttgarter lernt. Insgesamt attestiert ihm Flick, betont nüchtern, "eine gute Entwicklung."

Auch beim 1:0, einer typischeren Musiala-Aktion, lohnt sich ein genauerer Blick. Flick: "Bei Dribblings im Eins-gegen-eins hat er immer den Kopf oben, hat Finten drin und kann auf engem Raum eine Abwehr umspielen." Wie schon gegen Union schlängelte er sich an mehreren Gegnern vorbei in Schussposition, drückte dann trocken ab. Wo andere unter Druck und Dichte der Abwehrspieler nervös werden, scheint für Musiala der Spaß erst loszugehen. "Schon in den ersten Trainingseinheiten bei uns hat man gesehen, dass er wirklich etwas Besonders kann", erzählt Joshua Kimmich, mit dem Musiala im März auch erstmals zur Nationalmannschaft gereist war.

Es waren Musialas Bundesligatreffer fünf und sechs. Sein erster Doppelpack bescherte ihm einen weiteren Rekord: Nach Bayerns jüngstem Spieler und Torschützen in Bundesliga und Champions League sowie dem jüngsten Deutschen Meister war er mit 18 Jahren und 50 Tagen auch der jüngste Spieler, der in der Bundesliga sechs Tore erzielte (bis ihn zuletzt Florian Wirtz in dieser Kategorie überholte).

Bemerkenswert ist, dass Musiala vier dieser sechs Treffer (alle in der aktuellen Saison) gegen die anderen Top-4-Mannschaften der Liga erzielte. Nachdem er bei den Kantersiegen gegen Schalke (8:0) und Frankfurt (5:0) noch jeweils als Joker den Schlusspunkt setzte, glich er in der Hinrunde gegen Leipzig (3:3) zum zwischenzeitlichen 1:1 aus. Drei Tage vor seinem 18. Geburtstag im Februar eröffnete er zudem auch sein internationales Torkonto, schoss den zweiten von vier Bayern-Treffern im Champions-League-Achtelfinale bei Lazio Rom (4:1).

Je größer die Bühne, desto größer die Wahrscheinlichkeit, den Namen Musiala auf der Anzeigetafel zu sehen. Das ist das Holz, aus dem die großen Spieler in der Geschichte des FC Bayern gemacht sind. Ob sich der drahtige Junge mit dem englischen Akzent in die Riege bayrischer Helden einreiht, bleibt natürlich abzuwarten. Flick betonte stets, dass er "noch das eine oder andere dazulernen" könne, was den Coach freilich nicht davon abhielt, sein "Küken" in 26 von 34 Bundesligaspielen aufzubieten. Die Eintrittskarte zum Konzert der Großen hält Jamal Musiala bereits in Händen. Er ist angekommen im Kreis der Bayern-Stammspieler.

Tim Wichmann

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