München - Gertjan Verbeeks Hoffnung auf "Chancengleichheit" hat sich nicht erfüllt. "Auch die Bayern-Spieler gehen zur Toilette. Und es kommt dasselbe raus, wie bei uns" hatte Nürnbergs Trainer vor dem 188. bayrisch-fränkischen Derby noch scherzhaft bemerkt.  In der Hoffnung, dem Triple-Sieger in einem "menschlichen Moment" vielleicht ein Bein stellen zu können.

Obwohl der der Club über weite Strecken gut mithielt, raus kam am Ende doch ein standesgemäßes 2:0 für den Rekordmeister, der nun seit 45 Bundesliga-Partien ungeschlagen ist und mit 13 Punkten Vorsprung in seiner "Komfortzone" an der Tabellenspitze weiter einsam seine Kreise zieht (Tabelle).  

Die Bayern, die zuvor nur eines der letzten sechs Gastspiele in Nürnberg gewinnen konnten, sahen sich auf schwerem Geläuf diesmal dazu gezwungen, häufiger mit langen Bällen zu arbeiten - zu Ungunsten einer von ihnen gewöhnlich extrem dominierten Statistik. "Nur" 58 Prozent Ballbesitz  bedeuten Minusrekord in dieser Saison.

Guardiola: "Unsere Einstellung war unglaublich"

Den eingeschränkten spielerischen Möglichkeiten entgegneten die Bayern-Stars allerdings  mit enormer Spritzigkeit. 264 Sprints sind der Top-Wert des Spieltags. Wenn dann auch noch Philipp Lahm im Stile eines Mittelstürmers einnetzt (Bilder des Spieltags), ist der Tag wohl vollends gerettet. Ein seltenes Erlebnis für den Kapitän, der zuvor seit dem 11. Dezember 2010 in 95 Partien nicht mehr getroffen hatte.

"Nürnberg hat sehr aggressiv gespielt, sehr schnell angegriffen und klare Chancen herausgespielt. Es war schwierig, auf diesem Platz gut zu spielen, vor allem für unser Kurzpassspiel. Nach dem 2:0 war es einfacher für uns. Gratulation an meine Spieler, wir haben den Vorsprung gehalten. Unsere Einstellung war unglaublich", analysierte Trainer Pep Guardiola die Partie zwischen den beiden bis dato besten Rückrundenteams (Trainerstimmen).  Wichtigste Aufgabe für ihn wird es nun sein, die Spannung aufrecht zu erhalten. Ein K.o.-Spiel im DFB-Pokal, am Mittwoch beim Hamburger SV, kommt da wohl gerade recht.   

HSV im freien Fall - Bayer gut wie nie

Der Bundesliga-Dino indes befindet sich nach dem 0:3 gegen Hertha BSC weiter im freien Fall. Erstmals in seinen 50 Jahren Bundesliga kassierte der HSV sechs Niederlagen in Folge. Das angekündigte Aufbäumen blieb aus. Mit 109,9 Kilometern (schwächster Wert aller Teams) lieferten die Hanseaten sogar eine noch deutlich schlechtere Laufleistung ab, als vor Wochenfrist in Hoffenheim (114,1 km).

Anders Gladbach und Leverkusen, die sich das laufreudigste Duell (BMG: 123,3 km - B04: 122,3) des Spieltags lieferten. Ein großes Torfestival wie in den Vergleichen war es zwar nicht, doch die Werkself festigt auch mit einem knappen 1:0 ihre Position als zweitstärkste Kraft der Liga. 

"Auch wenn einige enttäuscht sind, dass es kein Spektakel gab. Ein 1:0 nehme ich immer gerne", zeigte sich Bayer-Teamchef Sami Hyypiä zufrieden. Nie zuvor feierte Bayer bereits am 20. Spieltag 14 Siege (Topdaten zum Spiel). Auf der anderen Seite verloren die Fohlen erstmalsdie ersten drei Rückrundenspiele und drohen bei einem Schalker Sieg gegen Hannover am Sonntag den Anschluss an die Champions-League Plätze zu verlieren.

Klopp: "Gibt nichts zu meckern"

Klar auf Kurs Königsklasse liegt wieder Borussia Dortmund. "Das Spiel hat riesengroßen Spaß gemacht. Dieser hohe Sieg ist extrem wichtig für uns. Wir mussten am Ende endlich mal nicht zittern und haben richtig souverän gespielt. Das ist gut für unser Selbstbewusstsein", sagte Dortmunds Nuri Sahin nach der 5:1-Gala bei "Lieblingsgegner" Werder Bremen.

Sechs Siege in Serie mit insgesamt 16 Toren stehen für die Schwarz-Gelben gegen Werder mittlerweile zu Buche. Zudem beendete im Weserstadion Henrikh Mkhitaryan nach 1.066 torlosen Minuten seine Flaute. Nach dem holprigen Start in die Rückrunde (2:2 gegen Augsburg, 2:1-Zittersieg gegen Braunschweig) konnte BVB-Trainer wieder einmal entspannt durchatmen. "Ich hoffe, dass wir Spiele wie heute jetzt wieder öfter sehen. Heute gab es jedenfalls nichts zu meckern."

Markus Hoffmann