Zusammenfassung

  • Zwei Spieler waren beim 1:1 von Hertha BSC gegen Borussia Dortmund auf Seiten der Gastgeber an entscheidender Stelle beteiligt.

  • Davie Selke bringt die Gastgeber in Führung.

  • Ondrej Duda trifft auch, wäre aber besser vom Ball weggeblieben.

Berlin – Da hatte sich Davie Selke selbst vielleicht das schönste Geburtstagsgeschenk gemacht. Nicht einmal eine Minute war am Freitagabend nach dem Seitenwechsel gespielt, als Valentino Lazaro eine perfekt getimte flache Hereingabe vom rechten Flügel in die Mitte zum Mittelstürmer der Hertha spielte.

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Der noch 22-Jährige verlud Gästekeeper Roman Bürki, der zwar noch dran war, aber nichts mehr ausrichten konnte. So stand es 1:0 für Hertha BSC und der deutsche U21-Europameister hatte sich etwa zweieinhalb Stunde vor seinem 23. Geburtstag selbst beschenkt. "Wenn, dann hat mir Valentino ein schönes Geburtstagsgeschenk gemacht", spielte Selke lächelnd auf die gute Vorarbeit des jungen Österreichers an, "das war eine überragende Aktion, gut temperiert – danke an Tino!"

Selke hat sich festgespielt

Durch den Treffer ist Selke nun mit insgesamt fünf Saisontoren der alleinige zweitbeste Schütze der Hertha, nur Salomon Kalou traf noch öfter (sieben Mal). Der Neuzugang erzielte zudem drei der letzten vier Hertha-Tore. Mit fünf Treffern hat Selke in zwölf Spielen nun schon einen mehr erzielt als in der vergangenen Saison für Leipzig in 21 Spielen. Persönlich vielleicht noch wichtiger für den gebürtigen Schorndorfer: Er stand in den letzten acht Spielen immer in der Startelf, während der Platzhirsch und etatmäßige Kapitän Vedad Ibisevic in den letzten vier Partien nur auf der Bank saß. Keine Frage – Davie Selke ist aus der ersten Elf von Hertha BSC nicht mehr wegzudenken.

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Dass Selkes Tor zum 1:0 nicht zum Sieg reichte, lag zu einem guten Teil auch an Ondrej Duda. Der offensive Mittelfeldspieler war ein bisschen das Gegenteil eines Matchwinners. Nach langer Schwächeperiode, in der der schmächtige Slowake mit Fitnessproblemen kämpfte, hatte Hertha-Coach Pal Dardai den 23-Jährigen langsam wieder herangeführt. Nach acht Partien ohne Einsatz, davon vier, in denen Duda nicht mal im Kader stand, kam er zum Rückrundenauftakt in Stuttgart zu einem Kurzeinsatz. Und gegen den BVB durfte er das erste Mal in der Bundesliga seit Oktober wieder von Beginn an ran.

Duda: 1:1 statt 2:0

Eigentlich machte der slowakische EM-Teilnehmer von 2016 ein gutes Spiel – da waren sich seine Mitspieler Lazaro und Selke wie auch Trainer Dardai einig. Wären da nicht diese zwei Szenen gewesen, die am Ende wohl den Unterschied zwischen einem und drei Punkte bedeuteten. In der 62. Minute erläuft Salomon Kalou einen Steilpass, spitzelt den Ball am Dortmunder Torwart vorbei, so dass das Spielgerät in Richtung BVB-Gehäuse kullert. Dann schiebt der freistehende Ondrej Duda die Kugel ins Netz. 2:0, Vorentscheidung? Nein, Duda stand bei Kalous als Torschuss gedachtem Abspiel im Abseits. Vermutlich wäre der Ball auch so ins Tor gerollt, vielleicht aber auch an den Pfosten. Womöglich hätte auch noch ein Borusse klären können.

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"Das ist schwer für Ondrej, er sieht das in der Situation ja nicht", beschrieb Selke die Szene aus seiner Sicht. "Ich denke zwar, der Ball wäre auch so reingegangen, aber ich mache ihm da überhaupt keinen Vorwurf! Ondrej hat ein super Spiel gemacht und das gehört dazu", nahm der Angreifer seinen Mitspieler in Schutz. Knapp zehn Minuten später war erneut Duda beteiligt. Diesmal, als Dortmund den Ausgleich erzielte. Auf der rechten Abwehrseite hatte er den Ball eigentlich schon geklärt – nur um ihn direkt wieder einem Borussen in die Füße zu spielen. "Das war so eine Szene, weswegen ich im Training oft auf ihn sauer bin", verriet Dardai nach dem Spiel. "Das muss er lernen. Trotzdem finde ich, dass er gut gespielt hat. Ich bin sehr zufrieden mit ihm", so der Ungar.

Teamplayer Selke

Teamkollege Selke hatte Duda schon während des Spiels wieder aufzubauen versucht. Nach dem Gegentor nahm der lange Stürmer seinen einen Kopf kleineren Mannschaftskameraden in den Arm. "Ich habe ihm gesagt, dass er ein gutes Spiel macht und einfach weiterspielen soll", so Selke, denn: "Das gehört dazu – wir sind Fußballer, wir machen alle mal Fehler." Die Aktion zeigte, was derezeit vielleicht das Bemerkenswerteste an Davie Selke ist: Obwohl er als Angreifer immer eine gehörige Portion Egoismus mit auf den Platz bringen muss, präsentiert er sich als absoluter Teamplayer. Das kann Selke am nächsten Spieltag erneut unter Beweis stellen, wenn die Hertha am Samstagabend bei Werder Bremen antritt. Dort hatte er im Trikot der Grün-Weißen vor gut vier Jahren als 18-Jähriger sein Bundesligadebüt gefeiert.

Aus Berlin berichtet Andre Anchuelo

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