Köln/Moskau - In wenigen Stunden bestreitet der FC Bayern München sein zweites Champions-League-Spiel der Gruppenphase beim ZSKA Moskau (ab 17:45 Uhr im Live-Ticker). Mit einem Dreier könnte der deutsche Rekordmeister seinen 100. Sieg in der Königsklasse feiern. Doch die Vorbereitungen liefen alles andere als normal. Die Geisterspiel-Atmosphäre setzt dem Ganzen noch einen drauf.

Als "komische Situation" beschrieb Kapitän Philipp Lahm die leeren Zuschauerränge unter Wettkampfatmosphäre. Das haben bisher selbst der erfahrene Weltmeister und seine Bayern noch nicht erlebt. Im 189. Champions-League-Spiel feiern die Bayern heute also eine ungewöhnliche Premiere, so ist der zweifache CL-Champion doch eigentlich ausverkaufte Arenen gewohnt.

Rummenigge: "Das ist kein Trainingsspiel"

Neben dem fast leeren Stadion, nur Medienvertreter und Verantwortliche werden das Spiel live vor Ort verfolgen, störte den FCB dann noch ein nächtlicher Ausflug auf Moskaus Straßen. Grund war ein Feueralarm am gestrigen Montag im Mannschaftshotel, welcher Robben und Co. kurzzeitig aus der Abendruhe riss. Die Spieler nahm es gelassen, dürften dafür eine Stunde länger schlafen, bevor es zum Abschlusstraining - unter perfekten Wettkampfbedingungen - in die Arena Khimki ging. Einziger Unterschied: Heute Abend steigt kein Trainingsspiel, sondern ein Pflichtspiel in der Königsklasse.

Weite Anreise, Feueralarm und ein Geisterspiel. Die Rahmenbedingungen luden bisher nicht gerade zu einer CL-Gala auf russischem Boden ein. Trotzdem geht der Tabellenerste der Bundesliga selbstbewusst in die Partie. "Wir müssen daran arbeiten, die Stabilität aufrecht zu erhalten. Das ist kein Trainingsspiel, sondern es geht um wichtige drei Punkte", stellte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge klar. Die kleinen Störfeuer werden schlicht ausgeblendet. Wohlwissend: Die Fakten sprechen für den FCB.

Robben mit positiver Bilanz gegen Moskau

Beide Teams trafen bisher zwei Mal aufeinander, in der Gruppenphase der vergangenen Saison. Die Münchner behielten stets die Oberhand, siegten klar mit 3:1 und 3:0. Von den letzten sieben Heimspielen konnte Moskau in UEFA-Wettbewerben gerade mal eines gewinnen, dagegen stehen fünf Pleiten zu Buche (Bayern-Gegner Moskau im Fokus).

Offensivmann Arjen Robben ist ein echter Sieggarant. In drei Champions-League-Partien gegen die Russen traf der niederländische Nationalspieler für den FC Chelsea und Bayern immer. Jedes Mal ging der 30-Jährige Offensivmann als Sieger vom Platz.

Der Start in die Königsklasse verlief für den russischen Meister zudem alles andere als erfolgreich. Mit 1:5 kam ZSKA beim AS Rom unter die Räder. FCB-Stürmer Robert Lewandowski interessiert das aber herzlich wenig: "Das erste Ergebnis spielt für uns keine Rolle mehr, wir müssen Gas geben. In der Champions League ist es egal, gegen wen wir spielen, ob das ZSKA Moskau ist oder Real Madrid. Hier spielen nur die besten Mannschaften."

FCB kann aus dem Vollen schöpfen

Der FCB kann in der Tat seinen besten Kader aufweisen. Alle 20 Mann, die die Reise mit angetreten haben, sind fit und voll einsatzbereit. Medhi Benatia und auch Jerome Boateng haben ihre muskulären Probleme überwunden.

Die Bayern sind bereit und wollen ihr erstes Geisterspiel nun für sich entscheiden. Torwart Neuer kennt dabei die taktische Stoßrichtung: "Wir wollen weiter nach vorne marschieren und natürlich hier in Moskau gewinnen". Beim letzten Auftritt in Moskau musste der Welttorhüter noch mit starkem Schneefall kämpfen. Weiße Pracht von oben ist für heute Abend nicht zu erwarten. Zehn Grad und trocken lautet die Vorhersage - wenigstens etwas.

Yannik Schmidt