Zusammenfassung

  • Filip Kostic überzeugt in Frankfurt als Außenverteidiger.
  • Mit seinen Flügelläufen kurbelt er die Eintracht-Offensive an.
  • Das Experiment von Trainer Adi Hütter ist geglückt.

Frankfurt - Seit Filip Kostic bei Eintracht Frankfurt als Außenverteidiger zum Einsatz kommt, schöpft er endlich sein Potenzial voll aus. Trainer Adi Hütter freut sich über die Entwicklung des Linksfußes.

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Jüngst, nach dem 2:1-Sieg der Frankfurter Eintracht bei der TSG Hoffenheim, wurde Trainer Adi Hütter gefragt, ob er von Anfang an in Filip Kostic einen linken Außenverteidiger gesehen habe? Hütter überlegte kurz und hob leicht Kopf und Augenlieder, so als suche er nach einer geeigneten Antwort. Der Österreicher hätte jetzt leicht sagen können, na klar, er habe nie etwas anderes vorgehabt mit diesem schnellen Serben, der in seiner Laufbahn bislang nur als Offensivkraft kickte und die eigene Hälfte nur unter Androhung von Straftraining betrat. Kostic hatte in Hoffenheim nicht nur das wichtige 2:0 der Hessen vorbereitet (46.), der serbische Nationalspieler überzeugte auch erneut auf neuer Position mit solider Abwehrarbeit. Hütter senkte also wieder Kopf und Augenlieder und gab leicht lächelnd zu: "Nein, das habe ich nicht."

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Experimente wie jenes mit Kostic können ja auch schiefgehen und die Reputation eines Trainers beschädigen. Aber wenn sie gutgehen, tragen sie zur Profilierung bei. So wie bei Adi Hütter. Kostic und Hütter kamen diesen Sommer neu zur Eintracht, Kostic, 25, mit zwei Abstiegen im Gepäck, mit dem VfB Stuttgart und zuletzt mit dem Hamburger SV. Hütter, einst bei Red Bull Salzburg Trainer unter Sportchef Ralf Rangnick und zuletzt mit Young Boys Bern überraschend Schweizer Meister, galt als Verfechter eines notorischen Vorwärtsverteidigungsfußballs. Aber ein Dogmatiker ist dieser zuvorkommende Österreicher nicht, er gibt sich bislang als erstaunlich pragmatisch und flexibel. Das zeigt nicht nur sein Umgang mit Kostic, über den Hütter kurz und bündig sagt: "Guter Junge, tolle Verpflichtung."

"Guter Junge, tolle Verpflichtung" Adi Hütter über Filip Kostic

Im Profil des serbischen Nationalspielers auf den einschlägigen Internetseiten wird nach wie vor "Linksaußen" oder auf Englisch "Left Winger" als Stellenbeschreibung angegeben. Doch Hütter formte den schnellen Linksfuß zu einem Offensivverteidiger im neuen 3-5-2-System um, das die Eintracht zu vier Siegen in Serie trieb. Dabei überzeugte Kostic nicht nur mit rasanten Flügelläufen, sondern auch mit Verantwortungsgefühl für seine Aufgaben in der Defensive. Sogar grätschen hat man diesen Techniker gesehen.

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Der aktuelle Höhenflug der Eintracht in Liga und Europa League hat viele Namen. Einer davon aber lautet Filip Kostic, der serbische WM-Teilnehmer bereitete in zehn Pflichtspieleinsätzen drei Treffer vor und erzielte einen selbst. Zusammen mit dem kroatischen Vizeweltmeister Ante Rebic, seinen Landsleuten Luka Jovic und Mijat Gacinovic sowie Mittelstürmer Sebastien Haller, gehört Kostic zu einer Offensivabteilung, um die die Eintracht nicht erst seit dem 7:1 gegen Aufsteiger Fortuna Düsseldorf viele in der Bundesliga beneiden. Und sein Pendant auf der rechten Seite, Danny da Costa, macht ebenso viel Druck von hinten wie Kostic, dem die Umstellung auf die defensivere Position auf dem linken Flügel offenbar sehr leicht fällt. Endlich schöpft der Serbe sein Potenzial voll aus.

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Bei seiner Ankunft kurz vor Transferschluss hatte Filip Kostic erklärt: "Eintracht Frankfurt ist der richtige Verein für mich." Scheint so, als habe der 25-Jährige mit dieser Einschätzung recht gehabt. Auch wenn er und Adi Hütter da noch nicht ahnten, dass der schnelle Dribbler in Frankfurt auf ungewohnter Position reüssieren wird.

Tobias Schächter