Zusammenfassung

  • Luka Jovic trifft alle 82 Minuten in der Bundesliga

  • Er ist der erste Fünferpacker für Frankfurt in der Bundesliga

  • Eintracht-Coach Adi Hütter: "Luka hat das Potenzial zur Weltklasse"

Frankfurt - Luka Jovic hat am Freitagabend beim 7:1-Sieg von Eintracht Frankfurt gegen Fortuna Düsseldorf gleich mehrere Bestmarken aufgestellt: In der Bundesliga hat er alle 82 Minuten getroffen - Rekord unter allen Spielern mit mindestens 25 Einsätzen! Noch nie sind einem Spieler der SGE fünf Tore in einem Bundesligaspiel gelungen, nicht einmal Vereinslegenden wie Anthony Yeboah oder Bernd Hölzenbein haben das geschafft! Und weil er gerade dabei war, knackte Jovic auch noch eine weitere Rekordmarke: Nie zuvor hat ein serbischer Spieler in der Bundesliga mehr als drei Tore geschossen!

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Ein Tor fehlte noch und Jovic hätte sogar den Bundesligarekord von Dieter Müller aus dem Jahr 1977 eingestellt, damals hatte der EM-Torschützenkönig von 1976 sechs Treffer beim 7:2 des 1. FC Köln gegen Werder Bremen erzielt. Das sei ihm aber während des Spiels nicht bewusst gewesen, meinte Jovic. Der Serbe gab sich nach dem Spiel seines Lebens demütig und bescheiden: "Wichtig ist die Mannschaft, die Mannschaft, die Mannschaft", sagte der Techniker.

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Luka Jovic trifft alle 82 Minuten in der Bundesliga - Rekord unter allen Spielern mit mindestens 25 Einsätzen
Luka Jovic trifft alle 82 Minuten in der Bundesliga - Rekord unter allen Spielern mit mindestens 25 Einsätzen © DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA

Eintracht-Trainer Adi Hütter freute sich deshalb nicht nur über den großen Auftritt Jovics auf dem Rasen. Dass der Mann des Tages hinterher vor allem den Mannschaftserfolg in den Vordergrund gestellt habe, habe ihm "imponiert", sagte der Österreicher. Bei den Hessen wissen sie natürlich, was für ein Riesentalent sie da im Sommer 2017 von Benfica Lissabon bis zum Ende dieser Saison ausgeliehen haben. 

"Luka hat das Potenzial zur Weltklasse" Adi Hütter (Trainer Eintracht Frankfurt) über seinen Schützling Luka Jovic

Hütter, ein nach außen leiser Mann, sagt klar: "Ja, Luka hat das Potenzial zur Weltklasse." Gegen die Düsseldorfer zeigte Jovic sein ganzes Repertoire: Ein wuchtiger Kopfball, zwei satte Linksschüsse, ein Drehschuss mit rechts in bester Gerd-Müller-Manier und ein spektakulärer Seitfallzieher lagen seinen Toren zugrunde. Den Serben, der ebenso wuchtig wie elegant spielt, zeichne eine Eiseskälte vor dem Tor aus, lobt Hütter. 

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"Ich habe als kleiner Junge immer und immer wieder aufs Tor geschossen, das ist angeboren, das ist mein Instinkt", erklärte der Nationalspieler hinterher cool, als habe er gerade etwas Alltägliches erlebt. Das hatte er natürlich nicht, das wusste er auch. Zum letzten Mal fünf Tore geschossen habe er nämlich als Zwölfjähriger, erinnerte er sich. Dieser Freitagabend bleibt Jovic wahrscheinlich ewig im Gedächtnis, so wie sein Debüt für die erste Mannschaft von Roter Stern Belgrad schon mit 16 Jahren.

Jovic früh ein Toptalent – Vergleiche mit Radamel Falcao

Von Kindesbeinen an gilt der 1,81 Meter große und 75 Kilogramm schwere Edeltechniker aus dem bosnischen Bijeljina als Verheißung. Schon mit acht Jahren wechselte er zu Roter Stern nach Belgrad, sein Vater fuhr ihn die 150 Kilometer täglich zum Training. Mit 16 folgte das Debüt in der Profimannschaft, als jüngster Spieler in der Geschichte des Traditionsklubs. In Serbien wurde Jovic früh mit Radamel Falcao verglichen, dem kolumbianischen Weltklassestürmer.

"In Frankfurt bin ich zum Profi geworden. Ich wusste, dass das hier meine Chance ist, mich im Profifußball durchzusetzen." Luka Jovic (Eintracht Frankfurt)

Der Hype um seine Person und der frühe Wechsel zu Benfica taten dem Angreifer aber nicht gut. In Lissabon versetzten sie ihn sogar zeitweise in der zweiten Mannschaft, beim Blick zurück resümiert Jovic: "Im Gegensatz zu der Zeit bei Benfica bin ich in Frankfurt ein richtiger Profi geworden. Ich wusste, dass das hier meine Chance ist, mich im Profifußball durchzusetzen." In Frankfurt traf er auf Trainer Niko Kovac, einen Disziplinfanatiker. "Niko Kovac hat mir sehr viel geholfen, mich als Spieler und Typ weiterzuentwickeln", erzählt Jovic und ergänzt: "Nun gibt mir Adi Hütter Freiheiten."

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Vor vier, fünf Wochen herrschten nach einem 0:5 im Supercup gegen den FC Bayern, dem Pokal-Aus bei Regionalligist SSV Ulm und einer Serie von vier sieglosen Spielen in der Liga noch Zweifel, das solle man nicht vergessen, mahnte Trainer Hütter: "Nach vorne spielen, Torchancen herausspielen und Begeisterung entfachen" – so fasste Hütter seine grundsätzliche Spielidee Freitagnacht zusammen.

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Hütter mahnt zur Bodenständigkeit bei der Eintracht

Die Begeisterung ist nun entfacht und die Eintracht gehört zu jenen Vereinen, deren Fans eine Wucht entfachen können, wie an nicht vielen Standorten der Liga. Schön auf dem Boden bleiben sei angesagt, warnt Hütter, der aber schon auch weiß, was für eine großartige Offensivreihe er da trainiert. 

Gefeierter Held: Nach seinem Fünferpack steht Luka Jovic im Mittelpunkt des Interesses
Gefeierter Held: Nach seinem Fünferpack steht Luka Jovic im Mittelpunkt des Interesses © gettyimages / Alex Grimm/Bongarts

Mittlerweile dürften viele Konkurrenten etwas neidisch und mit Respekt nach Frankfurt schauen, wenn sie die Stürmer der Eintracht aufzählen. Der schlaksige Mittelstürmer Sebastien Haller erzielte gegen Düsseldorf zwei Tore, Jovic fünf, dahinter wirbelten Mijat Gacinovic und Filip Kostic auf dem linken Flügel. Und der kroatische Vizeweltmeister Ante Rebic durfte wegen einer Sperre gegen die Fortunen noch nicht einmal mitspielen.

"Wichtig ist die Mannschaft, die Mannschaft, die Mannschaft" Luka Jovic (Eintracht Frankfurt) nach seinem Fünferpack gegen Düsseldorf

Vielleicht wäre es besser gewesen, Rebic hätte gespielt, dann hätte vielleicht Jovic nicht in der Anfangsformation gestanden, scherzte Friedhelm Funkel hinterher. Dabei war dem Trainer der Fortuna überhaupt nicht zum Scherzen zumute, die Rückkehr nach Frankfurt, wo er einst fünf Jahre die Eintracht trainiert hatte, hatte sich der 64-Jährige ganz anders vorgestellt. 

Jovic: "Den Spielball bekommen meine Eltern"

Besser träumen hätte sich Luka Jovic diesen Abend hingegen nicht können. Den Spielball gab er nicht mehr aus den Händen. Er behielt ihn aber nicht für seinen eigenen Trophäenschrank, er erklärte: "Den bekommen meine Eltern."

Aus Frankfurt berichtet Tobias Schächter