Köln –1899 Hoffenheim hatte vor Saisonbeginn vor allem zwei Ziele: Weniger Gegentore kassieren und konstantere Leistungen abliefern. Beides gelang dem Team von Markus Gisdol zumindest in Ansätzen, weshalb Hoffenheim mit 26 Punkten noch in Reichweite der internationalen Plätze liegt. Einer, der ein Garant für die erste Europapokalteilnahme der Kraichgauer sein könnte, ist Ermin Bicakcic. Der Innenverteidiger soll in der Rückrunde dauerhaft so auftrumpfen, wie zu Beginn der Saison.

26 Punkte holte 1899 Hoffenheim in der vergangenen Saison nach der Winterpause. Platz 7 in der Rückrundentabelle. Nach der Hinrunde steht die TSG ebenfalls wieder auf Rang 7. Und trotzdem hat sich im Kraichgau einiges getan. Musste Hoffenheim in der letzten Rückrunde noch 32 Gegentreffer hinnehmen, wurde die Zahl in der aktuellen Saison immerhin auf 25 Gegentore reduziert. Und wahrscheinlich hätte Torhüter Oliver Baumann noch seltener hinter sich greifen müssen, wenn sich Ermin Bicakcic am dritten Spieltag nicht verletzt hätte.

Verletzung bringt Bicakcic aus dem Rhythmus

85 Minuten sind am 13. September zwischen Hoffenheim und Wolfsburg gespielt. Die TSG führt mit 1:0. Wieder Mal endet ein Angriff der "Wölfe" bei Ermin Bicakcic, dem Turm in der Schlacht. Bicakcic befördert den Ball kompromisslos aus der Gefahrenzone. Und bleibt mit einem Muskelfaserriss am Boden liegen. Anschließend stellt Bicakcic sein außergewöhnliches Kämpferherz unter Beweis: Weil die TSG schon drei Mal gewechselt hat, beißt der Bosnier auf die Zähne. Dennoch kommt Wolfsburg noch zum Ausgleich.

Vor dieser Verletzung war Bicakcic der vielleicht beste Transfer der Sommerpause. 75 Prozent seiner Zweikämpfe gewann der Neuzugang von Eintracht Braunschweig bis zu seiner verhängnisvollen Rettungstat. In knapp drei Spielen mit einem topfitten Bicakcic musste die TSG lediglich einen Gegentreffer hinnehmen. Eine starke Bilanz für den bosnischen Nationalspieler, der bei der WM in Brasilien auch Sergio Agüero, Angel di Maria, Lionel Messi und Gonzalo Higuain an die Kette legte.

Am 11. Spieltag beim 3:4 gegen den 1. FC Köln kehrte Bicakcic in die Hoffenheimer Startelf zurück, aber die längere Pause war ihm noch deutlich anzumerken. Auch wenn Bicakcic, der in den restlichen Partien immer in der Startelf stand, seine Leistungen wieder stabilisierte – so stark wie zu Saisonbeginn spielte er nicht mehr auf. Das belegt auch seine Zweikampfbilanz. Entschied er vor seiner Verletzungen noch 75,0 Prozent der direkten Duelle für sich, sank die Quote in den Partien nach seiner Rückkehr auf 56,4 Prozent.

Große Schwäche für Haarspray

Kommt Bicakcic nach der Winterpause ähnlich gut aus den Startlöchern wie im Sommer, werden sich zahlreiche Offensivabteilungen der Bundesliga an "Eisen-Ermin", wie ihn die Braunschweiger Fans aufgrund seiner robusten Spielweise getauft haben, die Zähne ausbeißen. Unfair geht der Bosnier aber nur ganz selten zu Werke. In 880 Spielminuten in der Hinrunde spielte Bicakcic nur sechs Mal Foul. Eine bemerkenswerte Statistik. 

Der 25-jährige Innenverteidiger hat viele Talente, aber eines darf man von Bicakcic nicht erwarten: Der Bosnier würde sich nach dem Erreichen des Europapokals niemals die Haare abrasieren. "Mein bester Freund ist die Haarspraydose!", erklärt Bicakcic mit einer gehörigen Portion Selbstironie. "Ich lege viel Wert auf meine Haare", betont Bicakcic im Gespräch mit bundesliga.de. Vor dem Spiegel braucht er also etwas länger, aber auf dem Spielfeld ist er handlungsschnell. Mit dieser Formel könnte die TSG Hoffenheim in der Rückrunde durchstarten.

Florian Reinecke

Hinweis: In der Serie "Die Verbesserer" werden Spieler vorgestellt, die mit ihren Fähigkeiten ihre Mannschaft in der Rückrunde noch stärker machen oder entscheidend nach vorne bringen können.