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Ballmagnet: Florian Wirtz
Ballmagnet: Florian Wirtz - © IMAGO/Pressefoto Rudel/Nico Bauhof
Ballmagnet: Florian Wirtz - © IMAGO/Pressefoto Rudel/Nico Bauhof
bundesliga

"Da geht mir das Herz auf": Weltklasse-Wirtz ist bereit für die WM!

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Am Freitagabend lieferten sich die Schweiz und Deutschland ein wildes Schützenfest – mit dem besseren Ende für die DFB-Elf. Ein Akteur sticht dabei besonders heraus: Florian Wirtz. Der Profi des FC Liverpool schnürte nicht nur einen Doppelpack samt Traumtor, sondern bereitete die anderen beiden Treffer beim 4:3 in Basel vor.

Eine Ecke auf der linken Seite wird kurz ausgespielt. Florian Wirtz nimmt die Kugel unbedrängt an, hat nahe des linken Strafraumecks sträflich viel Platz – und schlenzt die Kugel traumhaft rechts oben in den Winkel. Dieser Weltklasse-Treffer der Marke "Tor des Monats" in der 61. Minute war die wohl schönste Szene im Testspiel zwischen der Schweiz und Deutschland.

Der neunte Treffer von Wirtz im DFB-Trikot war ein Geniestreich – und sein zehnter war ebenfalls äußerst sehenswert: Auf Querpass von Pascal Groß hat die Nummer 17 des viermaligen Weltmeisters in der 85. Minute an der Strafraumgrenze zu viel Platz – und schlenzt das Rund erneut ins rechte Eck.

Wirtz erzielte beide Treffer Deutschlands im zweiten Durchgang. Und im ersten bereitete der Zauberfuß des FC Liverpool beide Treffer für die Elf von Julian Nagelsmann vor – der 22 Jahre alte in Pulheim geborene Spielmacher war also an allen vier Treffern des DFB-Teams direkt beteiligt! Ein Wirtz in dieser Form bei der WM in den USA, Kanada und Mexiko – das weckt richtige Vorfreude!

"Glück war das auf jeden Fall nicht"

Vor dem 1:1 brachte er eine butterweiche und perfekt platzierte Flanke von links zum zweiten Pfosten, wo sein ehemaliger Teamkollege Jonathan Tah aus kurzer Distanz nur noch einköpfen musste. Für Serge Gnabry packte er aus dem rechten Fußgelenk einen wohltemperierten Steckpass hinter die Schweizer Kette aus, den der Spieler des FC Bayern München kurz vor der Pause mit einem gefühlvollen Heber über Gregor Kobel zum 2:2 vollendete.

"Glück war das auf jeden Fall nicht", erzählte Wirtz der ARD nach der Partie, als er auf sein Traumtor zum zwischenzeitlichen 3:2 angesprochen wird. "Natürlich üben wir im Training Schüsse. Wenn auch nicht von so weit draußen. Aber das muss man einfach mitnehmen, nicht so viel drüber nachdenken", sagte der Zauberfuß schmunzelnd.

Nach dem 3:2 jubelte er jedoch kaum – wie erklärt er das? "Ich habe die Stimmung, die Fans, die Mitspieler, alles um mich herum einfach nur genossen. Das muss man dann einfach mal sacken lassen." Für Wirtz selbst war es sein persönlich bestes Länderspiel im DFB-Trikot. "Ein Spiel mit vier Scorerpunkten habe ich zuvor noch nicht gehabt." Dass er Man of the Match war, musste auch der Gegner neidlos anerkennen: "Ihr Deutschen müsst wirklich froh darüber sein, was ihr für einen Spieler habt. Deutschland muss diesen Moment mit ihm genießen. Das heute war ein Genuss", schwärmte Wirtz' einstiger Mitspieler Granit Xhaka nach dem Spiel bei der ARD.

"Einfach nur genießen": Florian Wirtz lässt sich nach seinem Traumtor feiern - IMAGO/Steffie Wunderl

"Im Gesamtpaket ist er ein unfassbarer Spieler"

Und weitere Statistiken, neben den überragenden Scorerwerten, zeugen von Wirtz' überragendem Abend in Basel: Der Spielmacher kam auf 100 Ballaktionen, nur Kapitän Joshua Kimmich hatte am Freitagabend mehr (114). 70 seiner 78 Pässe brachte Wirtz zum Mitspieler (89,7 Prozent).

Seine 44 Pässe im Angriffsdrittel waren der deutsche Spitzenwert, ebenso seine fünf Torschussvorlagen. Seine – für einen Offensivspieler – starke neun Ballgewinne werden zudem nur von Verteidiger Nico Schlotterbeck überboten. "Im Gesamtpaket ist er ein unfassbarer Spieler", sagte Bundestrainer Julian Nagelsmann nach der Partie bei der ARD über Wirtz. "Da geht mit das Herz auf, wenn man so einen Spieler sieht und ihn trainieren darf. Er ist äußerst engagiert, auch außerhalb dieser Zauber-Momente", schwärmte Nagelsmann.

So stark der DFB rund um seinen Spielmacher phasenweise in der Offensive agierte, so fahrlässig zeigte sich Deutschland in einigen Szenen in der Defensive. "Es waren sehr vermeidbare Gegentore", gab der Bundestrainer nach der Partie zu. Dem Coach imponierte aber "die Mentalität, nach Rückschlägen immer wieder zurückzukommen und auch gewinnen zu wollen." Das "nötige offene Visier" fand der Nagelsmann "sehr gut". Schüsselspieler dabei und für Deutschlands Erfolg: Florian Wirtz. Kein Wunder, dass sich der Bundestrainer wünscht: "Ich hoffe, dass er die Form einfach bis zur WM eintütet." Dann kann der Spielmacher die Vorfreude endgültig in Freude verwandeln.

Patrick Dirrigl