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Joe Scally träumt mit den USA bei der Heim-WM vom ganz großen Coup
Joe Scally träumt mit den USA bei der Heim-WM vom ganz großen Coup - © FELIX LEICHUM
Joe Scally träumt mit den USA bei der Heim-WM vom ganz großen Coup - © FELIX LEICHUM
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The American Dream

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Mit 18 Jahren verließ Joe Scally New York und wechselte zu Borussia Mönchengladbach. Seitdem erlebt er die Bundesliga als Profi und registriert, wie sie auch in den USA an Bedeutung gewinnt. Bei der anstehenden FIFA WM in seinem Heimatland hofft der Nationalspieler auf den ganz großen Coup.

Autor: Jann Philip Gronenberg 

Als Joseph "Joe" Scally um 13.30 Uhr das Stadion Borussia-Park betritt, ist es in New York erst halb acht. Die Zeitverschiebung ist sein ständiger Begleiter, wenn er mit Vater, Mutter, Bruder und Schwester in der Heimat spricht. "Ich führe meist Videotelefonate mit meiner Familie, wenn ich mit dem Training durch bin", erzählt der 23-jährige Amerikaner.

Die nun beendete Saison war Scallys sechste bei Borussia Mönchengladbach. Genau 18 Jahre und einen Tag war er alt, als er am 1. Januar 2021 vom New York City FC offiziell zu den Fohlen wechselte. "Da waren sehr gemischte Gefühle", erinnert sich Scally, als er an seine Geburtstagsparty zurückdenkt, die gleichzeitig auch Abschiedsfeier war. "Es war aufregend und traurig zugleich."

Joe Scally spielt bereits sechs Jahre bei Borussia Mönchengladbach - FELIX LEICHUM

"Ein perfekter Einstieg"

Während der Coronapandemie zog Scally allein nach Deutschland, lebte die ersten Monate im Hotel im Borussia-Park, direkt neben der Westtribüne. "Plötzlich ist man auf sich allein gestellt und versucht, eine neue Sprache zu lernen. Das war schwer und durch die Pandemie manchmal auch einsam."

Zusätzlich zu Unterschieden in Sprache und Kultur musste sich Scally auch an den deutschen Profifußball gewöhnen. "Das Spiel ist intensiver, du hast kaum Zeit am Ball. Die Qualität deiner Mit- und Gegenspieler ist einfach viel höher."

Zunächst kam er in der Regionalliga West zum Einsatz, empfahl sich über die zweite Mannschaft für die Profis. "Es war toll, um den deutschen Fußball kennenzulernen", resümiert Scally. "Ich habe mit der ersten Mannschaft trainiert und dann das Abschlusstraining und Pflichtspiel mit der U23 gemacht. Das war für mich ein perfekter Einstieg."

Obwohl der Beginn für Scally nicht leicht war, fand er sich bei Gladbach schnell zurecht - FELIX LEICHUM

"Deutschland ist jetzt ein Teil unseres Lebens"

Inzwischen ist Scally 153 Mal für die Fohlen in der Bundesliga aufgelaufen. "Ich bin jetzt im sechsten Jahr hier", sagt der Amerikaner, der mit seiner ebenfalls aus den USA stammenden Verlobten samt Hund in Düsseldorf wohnt. "Wir vermissen Amerika schon ein wenig und sind dort immer sehr glücklich, aber hier in Deutschland ist jetzt ein Teil unseres Lebens. Eines Tages, wenn ich Kinder habe und die Karriere beendet ist, werde ich sie hierhin mitbringen und ihnen zeigen, wo ich erwachsen geworden bin, denn ich mag es hier wirklich sehr."

Hier hat er mit seiner Partnerin das Spazierengehen entdeckt – für sich, aber auch ganz generell. Scally lacht. Es ist das Erste, was ihm einfällt, wenn er an deutsche Eigenheiten denkt. "Die Leute gehen fast überall zu Fuß hin, selbst wenn es regnet. Das ist etwas, was wir übernommen haben."

Die beiden Gladbacher "US-Boys": Joe Scally (l) und Giovanni Reyna (r) - Lukas Schulze/Bundesliga

"Meine Eltern finden das gut"

Wenn Scally in der Bundesliga spielt, stellen sich Freunde und Familie in der Heimat die Wecker. Er kommt aus Long Island, der länglichen Insel, auf der Teile New Yorks liegen und die F. Scott Fitzgerald als Schauplatz für seinen Roman "Der große Gatsby" diente, heute ein Klassiker amerikanischer Literatur.

Wenn es Samstagmittag losgeht, im Borussia-Park der Ball rollt, ist es an der US-Ostküste gerade einmal Morgen, sechs Stunden beträgt die Zeitverschiebung. "Meine Eltern finden das gut", erzählt Scally. "Für sie heißt das: aufstehen, frühstücken, das Spiel anschauen und dann den Rest des Tages genießen – was natürlich besser klappt, wenn wir gewinnen."

Fohlen-Coach Eugen Polanski und Joe Scally nach einem Heimsieg gegen den 1. FC Köln - Lukas Schulze/Bundesliga

"Ich wusste viel über die Bundesliga"

Auch in seinem Freundeskreis wird hier und da Fußball geschaut, auch wenn das Hauptaugenmerk der Öffentlichkeit in den USA auf der NBA, NFL und NHL, also auf Basketball, Football und Eishockey liegt. Doch die Bundesliga ist in Nordamerika auf dem Vormarsch. "Weil viele amerikanische Spieler in der Bundesliga spielen, schauen mehr Amerikaner zu", sagt Scally. Mit ihm standen in der abgelaufenen Saison 20 Spieler mit US-Staats­bürgerschaft in den Kadern der 36 Bundesliga-Teams.

In eine der Top-5-Ligen Europas zu kommen, sei der große Traum vieler amerikanischer Fußballer, erzählt Scally. An die Bundesliga hatte er schon früh gedacht: "Ich wusste viel über die Bundesliga, weil mit Christian Pulisic bei Borussia Dortmund und Weston McKennie bei Schalke 04 zwei Nationalmannschaftsstars in der Bundesliga gespielt haben." Dadurch habe die Liga in den USA stark an Popularität gewonnen.

Die drei schönsten Bundesliga-Tore von Christian Pulisic

"Das ist der Hauptunterschied"

Schaut Scally über den großen Teich, fasziniert ihn vor allem das Marketing der großen US-Sportligen. Diese seien durch Werbung und Fernsehprogramme im Alltag omnipräsent, erklärt er. Einen Unterschied sieht er dabei auch in den digitalen Medien: In den USA seien die Clubs und Spieler freimütiger, auch "die Fans gehen nicht so hart mit den Spielern ins Gericht, unabhängig vom Ergebnis."

Anders als in den meisten großen US-Ligen, wie auch der Major League Soccer (MLS), haben Niederlagen in der Bundesliga durch die bloße Existenz der Abstiegsplätze härtere Konsequenzen. Einen ähnlichen Druck gibt es für US-Teams erst, wenn es in die Play-offs geht. "Der Druck, der dadurch entsteht, in der Bundesliga bleiben zu wollen, jede Woche für die Fans, für Punkte, für alles Leistung bringen zu müssen – das ist der Hauptunterschied", sagt Scally.

 Dies ist ein Auszug aus dem Text über Joe Scally in Ausgabe 2|2026 von BUNDESLIGA – Das Magazin der DFL. In der vollständigen Geschichte verrät Scally unter anderem auch, wie er als New Yorker Junge zum Fußball gekommen ist und was er persönlich und für die USA von der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land erwartet. Hier geht es zum ePaper.

Joe Scally wird in New York feierlich als Teil des US-WM-Kaders präsentiert - TIMOTHY A. CLARY

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