Zusammenfassung

  • Sieben Punkte nach drei Spielen hatte die Borussia zuletzt vor sieben Jahren.

  • Dieter Hecking steht ein Überangebot im zentralen Mittelfeld zur Verfügung.

  • Yann Sommer pariert überragende 88 Prozent aller Torschüsse auf seinen Kasten.

Köln - Mit diesem Saisonstart hatten wohl nur die kühnsten Optimisten gerechnet. Stolze sieben Punkte hat Borussia Mönchengladbach aus den ersten drei Saisonspielen geholt, rangiert damit derzeit auf Tabellenplatz vier. So viele Punkte hatte es zuletzt vor sieben Jahren in der ersten vollständigen Saison unter Coach Lucien Favre gegeben, als die Borussia am Saisonende Vierter wurde. bundesliga.de erklärt den Höhenflug der Fohlen.

Zwei Siege in der Bundesliga, ein Remis, dazu auch noch der lockere Einzug in die zweite Runde im DFB-Pokal - rund um den BORUSSIA-PARK ist die Stimmung derzeit prächtig. Zumal es das Startprogramm der Fohlen in sich hatte. Zwei Heimspiele gegen Europaligist Bayer 04 Leverkusen (2:0) und Vizemeister FC Schalke 04 (2:1) sowie auswärts beim FC Augsburg (1:1) - keine leichten Aufgaben, die aber allesamt mit Bravour gemeistert wurden.

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Ein Grund für die deutliche Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr, als Gladbach in der Rückrunde nur 19 Punkte holte und von Platz sechs auf neun fiel, ist sicherlich in der System-Umstellung zu sehen. Coach Dieter Hecking ist von seiner alten Taktik im 4-4-2, das er über Jahre spielen ließ, zum 4-3-3-System übergegangen. Der Fohlen-Fußball soll dadurch wieder lebendiger und vor allem erfolgreicher werden. Ein Plan, der bisher aufgegangen ist.

Das zentrale Mittelfeld ist stark und tief besetzt

Heckings Vorteil: Fast jeder Spieler in seinem Kader kann mehrere Positionen spielen. Gerade im Mittelfeld ist Gladbach zudem enorm stark und tief besetzt. Hecking selbst erwähnte kürzlich in einer Pressekonferenz, dass er im zentralen Mittelfeld ein Überangebot an sehr guten Spielern habe und er diese Qualität durch einen weiteren zentralen Spieler nutzen wolle. Im 4-3-3 ist das Zentrum mit drei Spielern besetzt, Hecking setzt dabei auf nur einen defensiven Sechser und zwei offensivere Spieler.

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"Es gibt ein echtes Hauen und Stechen um die Plätze. Jeder weiß, dass er bei diesen Konkurrenten richtig Gas geben muss, um zu spielen" Dieter Hecking (Trainer Borussia Mönchengladbach)

Dabei stehen der Borussia gleich acht starke Alternativen für die drei Positionen im Zentrum zur Verfügung. "Es gibt ein echtes Hauen und Stechen um die Plätze. Jeder weiß, dass er bei diesen Konkurrenten richtig Gas geben muss, um zu spielen", sagt Hecking und fügt an: "Jeder der Jungs hat seine ganz speziellen Qualitäten. Da gilt es für mich auch abzuwägen, wann ich wen spielen lasse." Auf der Sechs ist das bisher Tobias Strobl, der vergangene Saison größtenteils wegen Verletzungen ausgefallen war. Der 28-Jährige hat aktuell damit sogar Weltmeister Christoph Kramer verdrängt. Aber auch der talentierte Laszlo Benes ist eine Alternative im defensiven Bereich.

Jonas Hofmann ist der laufstärkste Spieler der Bundesliga

Noch enger ist der Konkurrenzkampf im offensiveren Bereich auf der Acht. Wie Strobl hat sich auch dort ein Spieler in den Vordergrund gedrängt, der in der Vorsaison noch eher eine untergeordnete Rolle spielte. Jonas Hofmann, zuvor nur sporadisch und dann meist auf der rechten Außenbahn eingesetzt, blüht nach seinem Wechsel in die Mitte richtig auf. Mit 13,1 Kilometern pro Spiel ist er der laufstärkste Spieler der Bundesliga.

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Jonas Hofmann blüht im neuen Gladbacher Spielsystem auf
Jonas Hofmann blüht im neuen Gladbacher Spielsystem auf © gettyimages / Koepsel / Bongarts

Daneben wurden schon Florian Neuhaus, der nach einer starken Saison nebst Bundesliga-Aufstieg bei Fortuna Düsseldorf zurückgekehrt ist, der schweizer Nationalspieler Denis Zakaria und das französische Talent Mickael Cuisance auf der Acht eingesetzt. Und dann ist da ja auch noch Lars Stindl. Der Kapitän wird in naher Zukunft auf dem Platz zurück erwartet und kann ebenfalls problemlos auf der Acht agieren.

Hecking hat fast den gesamten Kader zur Verfügung

Dann wäre die Borussia tatsächlich fast komplett. Denn neben Stindl fallen aktuell nur der als Rechtsverteidiger eingeplante Neuzugang Michael Lang (Außenbandriss im Knie) sowie der Dauerverletzte Verteidiger Mamadou Doucoure aus, der allerdings noch nie im Kader für ein Bundesliga-Spiel gestanden hat. "Es ist für mich ein wahnsinnig gutes Gefühl, so eine Auswahl zu haben", freut sich Hecking. Vor allem nach der vorigen Seuchensaison, in der sich die Elf vom Niederrhein phasenweise aufgrund der vielen Verletzten fast von selbst aufstellte.

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Und noch einen Grund gibt es für den tollen Start. Die gut stehende Defensive inklusive aktuell überragendem Torwart. Vergangene Saison kassierte Gladbach insgesamt 52 Gegentore, im Schnitt mehr als 1,5 pro Partie. Jetzt sind es erst zwei in drei Spielen, also durchschnittlich 0,6. Daran hat auch Keeper Yann Sommer seinen Anteil. 2017/18 wehrte er schon überdurchschnittliche 73 Prozent aller Schüsse auf seinen Kasten ab. In den ersten drei Spielen flogen nun 16 Bälle auf sein Tor, 14 konnte er parieren, was einer sehr starken Quote von 88 Prozent entspricht. Gerade gegen Schalke hielt er mehrfach in Weltklassemanier und sicherte so die drei Punkte.

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Nun geht es am Samstag zu Hertha BSC, einem weiteren Team, das mit sieben Punkten überragend in die Saison gestartet ist. Doch auch in Berlin wollen die Borussen ungeschlagen bleiben und ihren starken Start ausbauen.

Von Tobias Schild