
"Mein Herzensverein": Ole Book legt los bei Borussia Dortmund
Borussia Dortmund hat einen neuen Sportdirektor: Ole Book. Unter ihm hat sich die SV Elversberg von einem Regionalliga-Club beinahe zum Bundesligisten entwickelt. Der aufgrund seines exzellenten Talent-Riechers als "Perlentaucher" bekannte Book soll nun den BVB, seine große Liebe, zu neuen Höhen führen.
"An den Tag kann ich mich noch sehr gut erinnern: Wir sind mit vielen Kindern, einem Radio und einem Bollerwagen durch die Nachbarschaft gezogen. Wir waren dann sehr traurig, obwohl wir alle zuvor ein gutes Gefühl gehabt hatten", plaudert Ole Book am Mittwoch aus dem Nähkästchen.
Der neue Sportdirektor von Borussia Dortmund erzählt davon, wie er im Alter von nur sechs Jahren mitfieberte und -trauerte, als sich 1992 am letzten Spieltag der Bundesliga ein Dreikampf um die Meisterschale zutrug: Frankfurt, Stuttgart – und Books Lieblings-Club – der BVB – fighteten um die Meisterschaft. Mit dem besseren Ende für den VfB.

Book besticht mit "Selbstvertrauen" und "Weitsicht"
"Dass er gewisse BVB-Sympathien besitzt, ist für uns mit Sicherheit nicht von Nachteil gewesen", sagt Lars Ricken, Geschäftsführer Sport der Schwarz-Gelben. Denn: "Sonst wäre es uns nicht möglich gewesen, ihn so kurzfristig zu verpflichten. Weil er sich eben eine Ausstiegsklausel – nur für Borussia Dortmund – hat schreiben lassen", fährt Ricken fort und lobt dabei grinsend "das Selbstbewusstsein" und "die Weitsicht", die Book dabei bewiesen hat.
Diese Eigenschaften, die Books neuer Boss ihm zuschreibt, sind nicht unbegründet, hat sich der 40-Jährige in den vergangenen Jahren nämlich hart erarbeitet: Unter seiner Führung als Sport-Vorstand marschierte die SV Elversberg von der Regionalliga Südwest durch bis in die 2. Bundesliga.
Wo beinahe auch noch der dritte Aufstieg gelungen wäre: Vergangene Saison wurden die Saarländer Dritter, scheiterten in der Relegation knapp an Heidenheim. Aktuell grüßt die "ELV" schon wieder von Rang zwei und hat beste Karten im Aufstiegsrennen.
Die neue "Zwei-Wege-Strategie"
In diesen Jahren im Saarland hat Book sich den Ruf als "Perlentaucher" erarbeitet: Der ehemalige Profi von unter anderem LR Ahlen, wo er einst zusammen mit den späteren BVB-Legenden Marco Reus und Kevin Großkreutz gekickt hatte, hat ein sehr gutes Auge, was Talente angeht.
Er holte Spieler wie Nick Woltemade (heute: Newcastle United), Paul Wanner (PSV Eindhoven) oder auch Fisnik Asllani (TSG Hoffenheim) per Leihe zur SVE. Einen Younes Ebnoutalib (Eintracht Frankfurt) fand Book beim FC Gießen. Ihnen allen gelang in Elversberg der Durchbruch im Profi-Fußball.
In Dortmund erhofft man sich vom neuen Sportdirektor, dass Book seinen exzellenten Riecher für Talente nun für neue Spieler in Schwarz-Gelb verwendet. Lars Ricken spricht von einer "Zwei-Wege-Strategie": Erfahrene Spieler sollen Talenten "Führung und eine Möglichkeit zum Anlehnen geben. Wir können nicht einfach sagen 'Jugend forscht' und dann werden wir Siebter." Der BVB will also weiterhin oben angreifen – und wohl auch die Bayern ärgern.

"Die Kaderplanung ist die Basis des Erfolgs"
"Was sich der BVB wünscht, deckt sich mit dem, was ich zu bieten habe. Es passt alles zusammen", sagt der selbstbewusste Book. Für ihn gehe es "um den kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Erfolg. Für alle drei Ebenen fühle ich mich verantwortlich."
Das Fundament für diesen Erfolg ist ein Steckenpferd des 40 Jahre alten Sportdirektors: das Scouting. "Das Scouting ist die Basis der Kaderplanung. Und die Kaderplanung ist die Basis des Erfolgs."
Der BVB hat sich einen Experten in den Verein geholt, der sich nun auf großer Bühne bei seinem – wie er selbst sagt – "Herzensverein" beweisen kann. Und der dazu beitragen will, dass andere Kinder in Zukunft ebenfalls wieder bis zum letzten Spieltag um eine BVB-Meisterschaft mitfiebern können – mit besserem Ausgang als 1992.
