Jadon Sancho beim Treffer zum 1:0 - imago/MIS
Jadon Sancho beim Treffer zum 1:0 - imago/Jan Huebner
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Trotz Remis gegen Hoffenheim: Borussia Dortmunds Offensive überzeugt auch ohne Marco Reus

Köln - Am Ende überwog die Enttäuschung bei den Mannen von Borussia Dortmund. Mit 3:0 hatte der Tabellenführer gegen die TSG 1899 Hoffenheim noch nach 74 Minuten in Führung gelegen, um dann letztlich in einer hoch spektakulären Schlussphase noch das 3:3 zu kassieren. Doch die Erkenntnis der Partie war zumindest: An der Offensive hat es nicht gelegen.

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Die Vorzeichen standen vor dem 21. Spieltag für den Tabellenführer denkbar schlecht: Noch am Dienstag musste die Mannschaft von Lucien Favre über 120 Minuten im DFB-Pokal gehen, um sich dort letztlich im Elfemterschießen geschlagen zu geben. Hinzu kam eine Welle von grippalen Infekten, die über die Mannschaft hinwegfegte. Zunächst hatte es unter der Woche noch die beiden Torhüter Marwin Hitz und Roman Bürki sowie Edeltechniker Jadon Sancho erwischt, die allesamt im DFB-Pokal nicht hatten mitwirken können, und am Ende legte es auch noch Trainer Favre höchst persönlich flach.

Der hoch gelobte Coach der Schwarz-Gelben musste am Freitag zunächst die Pressekonferenz absagen, um schließlich dann auch beim Spiel zu kapitulieren. Beim Schweizer war es gesundheitlich nicht möglich, auf der Bank Platz zu nehmen. Am schwersten schien aber der Ausfall von Marco Reus. Der BVB-Kapitän hatte sich gegen Bremen eine Muskelverletzung im Oberschenkel zugezogen. Mit seinen insgesamt 20 Scorerpunkten, verteilt auf 13 Treffer und sieben Assists, ist der Nationalspieler in dieser Spielzeit der Dreh- und Angelpunkt beim BVB. Wie also würde die Mannschaft den Ausfall ihres Leaders verkraften?

Das Fehlen von Reus, der letztlich von Maximilian Philipp ersetzt wurde, war dann aber doch recht schnell vergessen. Die Dortmunder Offensive spielte sich in der ersten Stunde bisweilen auch ohne seinen Leitwolf in einen Rausch. Vor allem Raphael Guerreiro, derzeit in bestechender Form und erneut Torschütze, sowie der nach seinem Infekt wieder bestens erholte Jadon Sancho brillierten auf den Flügeln. Der Engländer konnte wieder über die vollen 90 Minuten gehen, zeigte abermals Dribblings und Pässe vom Format "Weltklasse" und brachte seine Mannen mit einem hervorragenden Tor, das er selbst per Doppelpass eingeleitet hatte, früh in Führung. So jung wie Sancho (18 Jahre, 321 Tage) war in der Bundesliga-Historie noch nie ein Spieler bei seinem achten Treffer. Sieben davon erzielte er in dieser Spielzeit. Ein weiteres hätte folgen können, als er in der 77. Minute den Pfosten traf. Es wäre das 4:1 und der sichere Nackenschlag für Hoffenheim gewesen.

Und dann war da noch Mario Götze, der vielleicht seinen stärksten Auftritt seit seiner Rückkehr zu Borussia Dortmund zeigte. In der Sturmspitze agierte der 26-Jährige extrem spielstark und dürfte sich mit Paco Alcacer damit in den kommenden Wochen ein spannendes Stammplatzduell liefern. Götzes Treffer zum 2:0 war dabei sein nunmehr 50. Bundesliga-Tor. Am Ende war das Trio um Götze, Sancho und Guerreiro an ganzen 17 Torschüssen beteiligt. "Für mich persönlich ist es heute gut gelaufen, aber ich hätte gerne heute gewonnen. Wir müssen die drei Punkte holen", sagte Götze etwas angeschlagen nach der Partie.

Auf das Fehlen von Favre wollte Götze den verpassten Sieg indes nicht schieben: "Natürlich ist es bitter, wenn der Trainer fehlt. Nichtsdestotrotz haben wir 3:0 geführt, das müssen wir einfach zu Ende spielen." Am Ende hatte Favre, - wenig verwunderlich - trotzdem seine Finger im Spiel: "Kein WhatsApp oder Twitter - wir haben altmodisch mit ihm telefoniert", gab Dortmunds Assistenztrainer Edin Terzic zur Kommunikation mit dem erkrankten BVB-Trainer zu. Doch wie auch schon gegen Bremen und in der Vorwoche gegen Eintracht Frankfurt gelang es dem BVB nicht, eine Führung durchzubringen.

Um den Kopf hängen zu lassen, bleibt aber keine Zeit. In diesen Wochen geht es bei Dortmund Schlag auf Schlag. Schon am Mittwoch müssen die Schwarz-Gelben nach London. Im Champions-League-Achtelfinale wartet Tottenham Hotspur. Dann, so hoffen sie, wieder mit Lucien Favre und Marco Reus.

Karol Herrmann