
Nach perfektem Saisonstart: Ist Dortmund bereit für den Titel?
Der Start in die neue Saison ist gelungen. Borussia Dortmund durfte die ausgedehnte Länderspielpause als Tabellenführer genießen. Aus einer starken Defensive heraus erwachsen bei den Schwarzgelben Titelträume!
Einem ehemals grandiosen Fußballer und mittlerweile ausgewiesenen Fußball-Experten mag man natürlich nur ungern widersprechen. Lothar Matthäus bot im Interview mit bundesliga.de zu Beginn der Länderspielpause aber auch wenig Grund dazu. Der Weltmeister von 1990 lobte die Arbeit von BVB-Coach Niko Kovač in höchsten Tönen. "Für mich war Niko von Beginn an ein Glücksgriff für Dortmund. Ich kenne seinen Charakter, seinen Ehrgeiz, seine Einstellung zum Fußball", sagte Matthäus. "Der Punkt ist: Genau das, was Dortmund spielen kann, gibt die Mannschaft gerade auch her. Und das holt Kovač meiner Meinung nach hervorragend heraus."
Vor allem aber holt der Coach beeindruckend viel aus der Mannschaft von Borussia Dortmund heraus. Vier Spiele, zwölf Punkte, 9:2 Tore – der BVB hat einen perfekten Saisonstart hingelegt. Zuletzt gelang den Schwarzgelben ein ähnlicher Auftakt in der Saison 2015/16, damals noch unter Thomas Tuchel. Am Ende holte Dortmund die Vizemeisterschaft. Der BVB feierte damals sogar am fünften Spieltag den fünften Sieg.

Erstmals seit Mai 2023 Tabellenführer
Das Kunststück gelang dem heutigen Bundestrainer Jürgen Klopp zwei Jahre zuvor bereits, auch da reichte es zur Vizemeisterschaft. "Ich glaube, der BVB ist stark genug, um in der Bundesliga zumindest Platz zwei zu erreichen", glaubt Matthäus. "Das ist ja auch ihr Minimalziel, würde ich sagen. Ich glaube, intern gibt man aber auch ein anderes Ziel aus." Und das könnte dementsprechend nur Meisterschaft bedeuten. Kein Wunder, denn im Mai 2023 war der BVB ganz nah dran. Vor dem letzten Spieltag war Dortmund Primus, gab aber mit dem 2:2 gegen den 1. FSV Mainz 05 die Meisterschaft noch aus der Hand.
Das soll in dieser Saison nicht erneut passieren. Dortmund hat gute Argumente. Die Defensive steht so gut wie lange nicht mehr. Erst zwei Tore hat das Team in der laufenden Saison kassiert, kein Kontrahent weniger. In drei der vier Ligaspielen blieb Gregor Kobel ohne Gegentreffer. Die BVB-Hintermannschaft ließ als einziges Team noch keine gegnerische Großchance zu, der gegnerische xGoals-Wert liegt bei 3,4, der drittniedrigste der Liga.
Die Defensive steht
Besonders die Dreierkette überzeugt bislang. Die letzte Kette der Westfalen bestritt bislang die zweitmeisten Zweikämpfe der Liga, gewann insgesamt aber absolut die meisten. Vor allem Nico Schlotterbeck sticht noch einmal besonders hervor. Der Innenverteidiger kommt auf einen überragenden Zweikampfwert von 77 Prozent. Mit Schlotterbeck im Team hat sich der BVB noch kein Gegentor gefangen. Und Joane Gadou kommt ebenfalls auf starke 62 Prozent gewonnener Zweikämpfe. Die Passquote von 92 Prozent ist sogar die beste beim BVB.
Mit Felix Nmecha und Joey Veerman hat Dortmund eine starke Mittelfeldzentrale, die aber erst am vergangenen Spieltag erstmals von Beginn an auflief. Dabei erfüllt der deutsche Nationalspieler seine Rolle bemerkenswert offensiv. Nmecha war bereits an elf Torschüssen, der Niederländer präsentiert sich dagegen extrem laufstark, kommt auf 12,5 Kilometer pro 90 Minuten. Zwar hat Veerman im Zweikampfverhalten insgesamt noch etwas Luft nach oben (51 Prozent), gegen den VfB kam der Spieler bereits auf mehr als 70.
Erfolgsfaktor Niko Kovač
Mit Serhou Guirassy und Fabio Silva hat sich zudem offenbar ein schlagfertiges Sturm-Duo gefunden. Einen nicht ganz unwesentlichen Teil nimmt aber der Trainer ein. Niko Kovač kommt mit 2,17 Punkten pro Bundesliga-Spiel auf den besten Schnitt aller Dortmunder Trainer. Seine Siegquote von 67,3 Prozent ist ebenfalls die beste aller BVB-Coaches. 2,2 Tore pro Partie sind Platz acht aller BVB-Trainer mit mindestens zehn Bundesliga-Spielen in der Verantwortung.
"Man will auch in Dortmund Titel gewinnen. Das ist beim BVB auch in den letzten Jahren, in denen es nicht immer so gut funktioniert hat, eigentlich immer so ein gewisses Ziel gewesen: Erst mal die Nummer zwei absichern, aber den Schritt nach oben möchten sie schon machen", glaubt Matthäus. "Aber da gibt es nun mal die übermächtigen Bayern. Die sind eben da. Und dann ist es für den BVB in dieser Saison vielleicht noch ein bisschen zu früh."
Niko Kovač wird dem Experten zwar nicht öffentlich widersprechen wollen – aber auf dem Platz bleibt Dortmund ambitioniert.
