Kölns Doppel-Torschütze Ellyes Skhiri jubelt, BVB-Kapitän Marco Reus scheint ratlos - © imago images / Poolfoto
Kölns Doppel-Torschütze Ellyes Skhiri jubelt, BVB-Kapitän Marco Reus scheint ratlos - © imago images / Poolfoto
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Hell yes, Ellyes! Der 1. FC Köln atmet nach dem Sieg bei Borussia Dortmund ganz tief durch

Mit einem Doppelpack hat Ellyes Skhiri den 1. FC Köln zum ersten Saison-Sieg geschossen. Ausgerechnet beim offensivstarken Vizemeister feierten die Geißböcke das Ende einer langen Serie ohne eigenen Dreier - und auch das Ende einer historischen Ansammlung siegloser Auswärtsspiele beim BVB. Dessen Verantwortliche hatten für die Kölner jedoch lobende Worte parat.

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Worte der Unterlegenen können viel über die Sieger verraten. Und sie können helfen, wenn es einer realistischen Meinung bedarf, um den Stellenwert eines so überraschenden Ereignisses wie etwa den des 2:1-Erfolg des 1. FC Köln bei Borussia Dortmund einzuordnen. Denn während in der Rheinmetropole kollektive Erleichterung und damit verglichen zu den vergangenen Wochen nahezu Euphorie herrschte, zogen die Verantwortlichen des achtmaligen Deutschen Meisters den Hut: "Kompliment an Köln. Sie haben sich das ja nicht ermauert", sagte etwa Manager Michael Zorc. Trainer Lucien Favre bestätigte: "Köln war sehr gut organisiert. Sie haben abwartend gespielt, sie haben gut gespielt."

Doch ganz gleich, wie: In Köln dürfte man die Worte ohnehin nicht deutlich vernommen haben. Zu laut muss der Aufprall der tonnenschweren Last gewesen sein, die von den Schultern gefallen war. Nach 18 Spielen gab es endlich wieder einen Bundesliga-Sieg, zum ersten Mal seit dem 13. April 1991 konnte eine Kölner Mannschaft beim BVB gewinnen.

Skhiri schnürt ersten Doppelpack

Um die Wahrscheinlichkeit abzuschätzen, wie es um das Durchbrechen der Serie bestellt war, reichte allerdings schon ein Blick in die jüngste Vergangenheit: Am Tag vor dem Spiel war die Vorhersehbarkeit eines Kölner Erfolges gen Null gesunken. Schließlich hatten zwei fest für die Partie eingeplante Stammkräfte - Sebastian Andersson und Jorge Meré - verletzungsbedingt absagen müssen. Gegner BVB wiederum hatte unter der Woche den belgischen Vertreter FC Brügge im Gruppenspiel der Champions League mit 3:0 bezwungen. Einen Sieg gegen den Bundesliga-Vorletzten hatte Trainer Lucien Favre daher vermutlich eingeplant.

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Der Plan, den Ellyes Skhiri gemacht hatte, sah jedoch anders aus und er durchkreuzte den des Schweizers. Zweimal traf der Tunesier, nachdem die Kölner den Ball jeweils nach einer Ecke auf den zweiten Pfosten verlängert hatten. In seinem 40. Bundesliga-Spiel war das sein erster Doppelpack (9. und 60.), die zwei Treffer reichten Köln zum Sieg, weil Borussia Dortmund zwar die Wucht des Wunderstürmers Erling Haaland, aber letztlich nur ein Tor des eingewechselten Thorgan Hazard (74.). entgegenzusetzen hatte.

Timo Horn "mächtig stolz" auf die Leistung

Und doch war das Spiel auf Kante genäht. Haaland verpasste in der Nachspielzeit eine Hereingabe von Kapitän Marco Reus nur knapp - dann aber war Schluss. Köln hatte gewonnen, zum ersten Mal in dieser Spielzeit. "Es wurde Zeit. Auch wenn die Wenigsten geglaubt hätten, dass es heute passiert", sagte Torhüter Timo Horn, der manche Chance des Vizemeisters vereitelt hatte. "Wie die Jungs sich heute reingehängt haben in unserer Situation gegen einen eigentlich übermächtigen Gegner, das war sensationell. Ich bin mächtig stolz."

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Obschon Horn und seine Vorderleute über 90 Minuten gegen den eigentlich gigantischen Qualitätsunterschied zu den Dortmundern ankämpften, attestierte der Keeper auch seinem Trainer besonderen Anteil am Sieg: "Er hat eine sehr gute Ansprache gehalten, hat uns zusammengeholt und gesagt, dass wir jetzt einen Schlussstrich unter diese Zeit ziehen, noch einmal starten und alles reinwerfen", sagte der 27-Jährige über Markus Gisdol.

Ellyes Skhiri erzielt seine beiden Treffer nach einer Ecke - Maik Hölter/TEAM2sportphoto/Maik Hölter/TEAM2sportphoto/Pool

Gisdol: "Wir sind nicht verflucht"

Der Fußballlehrer wirkte nach dem Schlusspfiff sortiert, wenngleich ihm in einer Situation die nervliche Anspannung deutlich anzumerken war: "Es ist ein Anfang gemacht und diese schier unendliche Serie ist jetzt vorbei. Trotz dieses Drecksvirus sind wir nicht verflucht, sondern können auch Spiele gewinnen", presste er hervor. Der Kraftausdruck war ihm zu verzeihen, schließlich regierten Köln große Emotionen.

Und so half - erneut - ein Dortmunder dabei mit, die Dinge einzuordnen: Manager Zorc: "Wenn ich die so sehe, kann ich gar nicht verstehen, dass sie 18 Spiele hintereinander nicht gewonnen haben. Das war eine erstklassige Leistung."