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Aus Brasilien zum FC Bayern München – Philippe Coutinho im Porträt

Große Karrieren können ganz klein beginnen, heißt es. Viel größer als im Fall von Philippe Coutinho geht es nicht: Der Brasilianer gehört zu den besten Spielern der Welt, trägt die Nummer 10 beim FC Bayern. Dabei hätte er auch nicht kleiner anfangen können. In einer Favela in Rio de Janeiro begann die Reise eines schüchternen Jungen mit riesigem Talent ...

Im Jubelrausch auf dem Rasen des Maracanã-Stadions ging ein Spieler fast ein bisschen unter. Dabei bedeutete das 3:1 Brasiliens gegen Peru im Finale der Copa America Philippe Coutinho sogar noch ein bisschen mehr als seinen Teamkollegen. Nicht nur war es der größte Titel seiner Karriere, sein erster mit der „Seleção“ – nach Jahren des Wartens und verpasster Chancen durfte er endlich bei einem großen Spiel in "seinem" Stadion dabei sein. Coutinho, der gerade beim Feiern gerne den Anderen den Vortritt lässt, wuchs in Rio de Janeiro auf, im Schatten des Maracanã, verpasste seit dem Erstliga-Aufstieg mit Jugendclub Vasco da Gama 2010 aber alle Gelegenheiten, vor heimischer Kulisse aufzulaufen. Nachdem er weder für den Confederations Cup 2013 noch für Heim-WM 2014 nominiert worden war und auch 2016 nicht dem siegreichen Olympia-Kader angehörte, war nun endlich der Tag gekommen: Als Weltstar und strahlender Sieger kehrte Coutinho zurück an den Ort, an dem für ihn alles begann.

Bayrischer Brasilianer: Bei einem Werbetermin trägt Coutinho erstmals bayrische Tracht - imago images / Sven Simon

Der "Kleine" wird zum "Kleinen Zauberer"

"So ein Finale in diesem Stadion zu spielen, in meiner Stadt, macht mich unglaublich glücklich," sagte der Spielmacher zum emotionalsten Spiel seiner Karriere. Dass der Traum von Millionen Kindern in Rios Straßen ausgerechnet für ihn wahr werden könnte, hätte der Spielmacher sich nie träumen lassen: "Brasilien ist eine Fußballer-Fabrik, du hast immer im Kopf, dass es Millionen anderer Jungs gibt, die genau das gleiche Ziel haben wie du." Größere, stärkere, bessere Jungs. Schüchtern wie er auch als weltberühmter Superstar noch ist, hielt der kleine Philippe aus der Favela Rocha, im Norden der Stadt, sich selbst nicht für besonders gut, sein Vater leistete schwere Überzeugungsarbeit. José Carlos Coutinho nahm den jüngsten seiner drei Söhne nicht nur mit ins zehn Autominuten entfernte Maracanã, sondern brachte ihn auch zu Vasco da Gama, Philippes erstem Fußballverein. Wie viele brasilianische Größen spielte er dort zunächst Futsal, wechselte erst mit 14 Jahren, auf Anraten seines Trainers auf das große Feld.

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Spätestens mit dem Wechsel von Beton auf Rasen war die Verwandlung vollzogen: Aus dem "Kleinen" wurde der "kleine Zauberer", ein Edeltechniker, überragender Passspieler mit rechtem Hammer und ultimativer Übersicht, ein Profi und schließlich millionenschwerer Export. 2008 sicherte sich Inter Mailand die Transferrechte an dem Zauberfuß, nach zwei weiteren Jahren bei Vasco debütierte er für die Italiener. Über Espanyol Barcelona, den FC Liverpool und den FC Barcelona landete er schließlich beim FC Bayern München. Eine Reise, die dem schüchternen Jungen aus Rocha nicht viele zugetraut haben, am allerwenigsten er selbst.