
Alexander Blessin: Der Mann für Gladbachs Wende
Vier Niederlagen, null Punkte, Tabellenletzter: Den Saisonstart hatte sich Borussia Mönchengladbach definitiv anders vorgestellt. Der Club zog die Konsequenzen und hofft mit dem neuen Trainer Alexander Blessin auf die Kehrtwende. bundesliga.de wirft einen Blick auf den neuen Chefcoach der Fohlen.
Vier Niederlagen zum Saisonbeginn – das passierte Borussia Mönchengladbach in der langen Bundesliga-Geschichte nur ein einziges Mal: In der Saison 2015/16 verloren die Fohlen sogar noch das fünfte Saisonspiel, ausgerechnet beim 1. FC Köln, Lucien Favre trat zurück, André Schubert übernahm und führte die Fohlenelf am Saisonende bis in die Champions League.
Auch wenn die allermeisten, die es mit der Borussia halten, wohl nichts gegen eine Wiederholung dieses Saisonverlaufs hätten, würden sich viele wahrscheinlich schon mit weniger begnügen. Mit einem Sieg beim 1. FC Köln beispielsweise, gegen den es für die Gladbacher am 5. Spieltag erneut geht. Dann allerdings – im Gegensatz zu 2015 – mit einem neuem Cheftrainer, mit Alexander Blessin.
Traineranfänge in Belgien und Italien
Denn der übernimmt die Elf vom Niederrhein in dieser schwierigen Situation, wie der Verein bekanntgab. Eine Situation, die Blessin durchaus an seine erste Station als Trainer im Seniorenbereich erinnern dürfte. Die hatte er beim damaligen belgischen Erstligisten KV Oostende inne, der in der Saison 2019/20 als Vorletzter haarscharf dem Abstieg entging, in der Folgesaison mit Blessin an der Seitenlinie dann allerdings lange Zeit zur Top-4 zählte und nur knapp die Europapokal-Qualifikation verpasste.
Blessin, der von der belgischen Pro League als Trainer des Jahres ausgezeichnet wurde, zog es ein halbes Jahr später zum vom Abstieg bedrohten italienischen Club CFC Genua, wo er den Gang in die Zweitklassigkeit allerdings nicht mehr verhindern konnte. Daraufhin ging der gebürtige Stuttgarter zurück nach Belgien, wo er mit Royale Union Saint-Gilloise sein bislang erfolgreichstes Jahr erlebte: Mit den Brüsselern gewann er 2024 den belgischen Pokal und sicherte sich als Vizemeister die Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation.
Ein selbstkritischer Mensch
Spätestens mit seiner folgenden Station beim FC St. Pauli erlangte Blessins Trainerdasein auch in Deutschland größere Aufmerksamkeit. Im ersten Jahr hielt er mit dem Aufsteiger von 2024 erfolgreich die Klasse, im Sommer dieses Jahres kämpfte der Trainer mit den Kiezkickern bis zum letzten Spieltag vergeblich gegen den Abstieg.
"Es tut wahnsinnig weh, aber man muss es akzeptieren", gestand der 53-Jährige damals und übte vor allem Selbstkritik: "Ich gehe jetzt nochmal in eine Phase, wo man genau über diese bestimmten Momente nachdenkt. Ein paar Sachen würde ich sicherlich anders machen."

"Ich will kein Schauspieler sein"
Ein Satz, der den offenbar sehr reflektierten Blessin gut beschreibt. "Ich will kein Schauspieler sein. Ich versuche, jeden Tag authentisch zu sein", sagte er im März 2025 im Interview mit Transfermarkt über sich selbst.
Dass Blessin damit offenbar gut ankommt, zeigt sein "wahnsinnig gutes Verhältnis zu den Fans von Union SG, vom Genua CFC und KV Oostende", wie der siebenmalige Bundesliga-Spieler (für den VfB Stuttgart) im selben Interview betonte. All diese Eigenschaften, die vielen Erfahrungen und auch die zahlreichen Höhen und Tiefen seiner bisherigen Trainerlaufbahn bringt Blessin nun zu Borussia Mönchengladbach mit.
Der richtige Mann für den Neustart
In der prekären Situation, in der sich die Fohlenelf aktuell befindet, könnte es so gesehen einen passenderen Kandidaten kaum geben. Zumal Blessin neben seiner "empathischen" Art jemand ist, der "schnell einen guten Draht zu Spielern bekommt und es versteht, funktionierende Beziehungen aufzubauen." Davon jedenfalls ist der damalige Geschäftsführer vom CFC Genua, Johannes Spors, fest überzeugt.
Ein schnelles "Match" zwischen Trainer und Team würde der Borussia zweifelsohne guttun. Und wer weiß: Vielleicht entwickelt sich tatsächlich eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Es muss ja nicht gleich die Champions League sein. Mit einem Sieg beim 1. FC Köln würden sich viele Fohlen-Fans wohl für den Anfang begnügen.