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"Stadtmeister, Berlins Nummer 1": Union Berlin visiert nach drittem Derby-Sieg höhere Ziele an

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Mit 4:1 gewinnt der 1. FC Union Berlin das Derby bei Hertha BSC - und zeigt mit dem deutlichen Auswärtssieg die derzeitigen Machtverhältnisse im Hauptstadt-Fußball einmal mehr deutlich auf. Während die abstiegsbedrohten Gastgeber nach der verdienten Niederlage weiter um den Liga-Verbleib zittern müssen, visieren die "Eisernen" nach dem dritten Derbysieg in dieser Saison höhere Ziele an.

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Aus den Boxen im Olympiastadion schallte nach dem Abpfiff wie gewohnt "Nur nach Hause" - und nach Hause wollten weder die Spieler noch die Fans des 1. FC Union Berlin so schnell gehen. Vielmehr galt es für alle Beteiligten der "Eisernen" vor und im Gästeblock den Moment auszukosten, hatten die Gäste doch Hertha BSC beim 4:1-Auswärtssieg nach allen Regeln der Kunst vorgeführt und die Machtverhältnisse in der Hauptstadt deutlich demonstriert. Union, so sangen es die Anhänger schon während der Partie lautstark und siegesgewiss, ist "Stadtmeister, Berlins Nummer eins".

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Und wohl wahr: Die Nummer eins im Hauptstadt-Fußball heißt in dieser Saison wieder ganz eindeutig Union. Im dritten Aufeinandertreffen der Berliner Rivalen kam der Sieger zum dritten Mal aus Köpenick. In der Bundesliga-Hinrunde hatten die "Eisernen" die Partie mit 2:0 für sich entscheiden können, im Pokal-Achtelfinale im Olympiastadion hatte die Mannschaft von Trainer Urs Fischer beim 3:2-Auswärtssieg ebenfalls das bessere Ende für sich. Nun zementierten Genki Haraguchi (31.), Grischa Prömel (53.), Sheraldo Becker (75.) und Sven Michel (85.) mit ihren Treffern den Stadtmeister-Status der Köpenicker, die schon als Favorit in das Duell mit der Hertha gegangen waren.

"So schön, Hertha dreimal in einer Saison zu besiegen"

"Es ist einfach so schön, die Herthaner dreimal in einer Saison zu besiegen", schwärmte Torschütze Prömel, der nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich per Kopf die passende Antwort gegeben hatte. Zehn Plätze und 18 Punkte – so groß ist mittlerweile die Lücke, die zwischen den Berliner Konkurrenten klafft. Und wie groß diese Lücke selbst über 90 Minuten wirken kann, das bekamen die fast 75.000 Zuschauer im ausverkauften Olympiastadion fast über die gesamte Partie hinweg vor Augen geführt. Union war das deutlich bessere Team, hätte schon zur Pause deutlicher als 1:0 vorn liegen können – einzig Herthas Ersatzkeeper Marcel Lotka, der gerade zu Beginn der Begegnung praktisch im Minutentakt hatte eingreifen müssen, hatten es die Gastgeber zu verdanken, dass die "Alte Dame" beim Halbzeitpfiff überhaupt noch halbwegs realistische Chancen auf einen Punktgewinn hatte.

Spielbericht: 4:1 bei Hertha BSC - 1. FC Union Berlin gewinnt Hauptstadt-Derby klar

Der schien sogar zwischenzeitlich im Bereich des Möglichen zu sein, als Timo Baumgartl kurz nach der Pause unglücklich ins eigene Tor traf und somit den Ausgleich für Hertha besorgte. Doch Union schüttelte das schnell ab und traf nur vier Minuten später zur erneuten Führung. “Nach dem Ausgleich sind wir ruhig geblieben, jeder von uns hat an den Sieg geglaubt“, betonte auch Gäste-Kapitän Christopher Trimmel, der in der ersten Hälfte per Kopf das mögliche 2:0 verpasst hatte. Besonders die taktische Marschroute funktionierte bei den "Eisernen", die abermals wie ein eingespieltes Kollektiv agierten, während bei Hertha mitunter Konfusion und Verunsicherung herrschte. “Unser Matchplan ging definitiv auf“, schlussfolgerte Trimmel: "Wir wollten die Seiten überlagern und sind wirklich gut durchgekommen. Am Ende ist es ein sehr verdienter Sieg."

Sheraldo Becker jubelt nach dem 3:1 für Union Berlin bei Hertha BSC - Boris Streubel/Getty Images

Union will in dieser Saison noch einmal ins Olympiastadion

Das zeigten auch die Zahlen: Bei den xGoals (2,44 zu 1,0) lag Union deutlich vorn, insgesamt gaben die "Eisernen" im Olympiastadion 17 Torschüsse (davon 13 auf den Hertha-Kasten) ab. “In der ersten Hälfte müssen wir eigentlich höher führen, da wir genug Chancen hatten. In der zweiten waren dann die entscheidenden Momente auf unserer Seite“, sah Unions Coach Urs Fischer eine dominante Vorstellung seiner Schützlinge. Der endgültig entscheidende Moment war dann wohl eine Viertelstunde vor Schluss: Der pfeilschnelle Becker, den die Gastgeber zu keiner Zeit in den Griff bekamen, sprintete Herthas Abwehrchef Dedryck Boyata davon und schloss erfolgreich zum 3:1 für die Köpenicker ab – damit war der Deckel drauf auf einem einseitigen Stadtderby in Berlin, auch wenn das Ergebnis für Fischer letztlich "vielleicht ein Tor zu hoch" ausfiel.

Das Restprogramm der Bundesliga

So groß der Unterschied im Laufduell zwischen Becker und Boyata war, so groß sind auch die unterschiedlichen Ziele der beiden Berliner Bundesliga-Clubs für den Saisonendspurt: Während die Hertha weiter um den Klassenerhalt bangen muss, visiert Union höhere Ziele an. In den abschließenden fünf Liga-Partien könnten die "Eisernen", derzeit auf Rang sieben mit Anschluss ans obere Tabellendrittel bestens platziert, noch den erneuten Einzug in den Europapokal perfekt machen. Und ein weiteres Ass haben die Köpenicker im Ärmel: In der Woche nach Ostern steht das Pokal-Halbfinale bei RB Leipzig auf dem Programm. Ein Sieg dort und Union hätte ein weiteres Spiel im Olympiastadion vor der Brust. Dann dürfte zwar "Nur nach Hause" nicht aus den Boxen schallen, aber neben dem Stadtmeister-Titel würde sich der Pokalsieg hervorragend zum gemeinsamen Feiern eignen.