Zusammenfassung

  • Köln und Hamburg müssen zum Klassenerhalt sieben Punkte auf Mainz aufholen.

  • Hannover und Hoffenheim standen ähnlich schlecht nach 27 Spielen und schafften es.

  • Saarbrücken, Freiburg und Frankfurt haben das Wunder vorgemacht.

Köln - Der Blick auf die Tabelle und die bisherige Punktausbeute ihrer Clubs lässt so manchen Fan des 1. FC Köln und des Hamburger SV derzeit angst und bange werden. 17 Zähler stehen erst zu Buche, die Traditionsclubs belegen den letzten und vorletzten Platz. Der Rückstand auf den Relegationsplatz beträgt schon sieben Punkte. Und doch besteht Hoffnung, dass der Klassenerhalt noch geschafft werden kann. Denn in der Vergangenheit haben sich schon mehrere Clubs aus ähnlich prekären Situationen noch befreit.

So weit zurück brauchen die Anhänger des Dinos und der Geißböcke gar nicht blicken, wenn sie ein Vorbild für die benötigte, historische Aufholjagd suchen. Denn in der Saison 2009/10 hatte Hannover 96 nach 24 Spieltagen ebenfalls nur 17 Punkte auf dem Konto. Die Niedersachsen legten eine Serie hin und holten 16 Punkte aus den verbliebenen zehn Spielen. Am Ende hatten sie sogar den direkten Klassenerhalt geschafft.

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Und drei Jahre später vollbrachte die TSG 1899 Hoffenheim sogar ein noch größeres Wunder. Die Kraichgauer hielten bei 16 Punkten nach 24 Partien, also noch einem weniger als FC und HSV heute. Mit 15 Zählern in zehn Spielen wurde der Relegationsplatz gesichert und anschließend im Duell gegen den 1. FC Kaiserslautern der Klassenerhalt perfekt gemacht.

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HSV und FC brauchen dringend eine Serie

Das Problem für die Hanseaten und die Rheinländer: der 1. FSV Mainz 05 punktet relativ konstant und steht mit 24 Punkten sieben vor der Konkurrenz. Halten die Rheinhessen ihren Schnitt, ständen sie am Ende der Saison bei 34 Punkten - Köln und Hamburg müssten ihre bisherige Ausbeute also verdoppeln!

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Und doch wissen beide Teams, wie man in kurzer Zeit viele Punkte sammelt. Köln etwa holte unter Coach Stefan Ruthenbeck schon 14 in zehn Bundesliga-Spielen. Es bedarf also nur einer kleinen Steigerung. Und der HSV hat schon vergangene Saison gezeigt, wie es geht: da fuhren die Rothosen sogar 20 Zähler in zehn Matches ein (vom 19. bis zum 28. Spieltag).

Auch Saarbrücken und Freiburg schafften die Sensation

Oliver Freund jubelt - Freiburg hat in letzter Sekunde die Klasse gehalten
Oliver Freund jubelt - Freiburg hat in letzter Sekunde die Klasse gehalten © imago / Sven Simon

Und es gibt auch noch ein paar weitere Beispiele aus der langen Bundesliga-Geschichte, bei denen Clubs das schier Unmögliche noch möglich machten. Etwa der 1. FC Saarbrücken. Die Saarländer waren in der Saison 1976/77 nach 26 Spieltagen schon fünf Punkte hinter dem rettenden Ufer - und damals galt noch die Zwei-Punkte-Regel. Nach heutigen Maßstäben wären es sieben Zähler gewesen. Doch in den letzten acht Spielen holte der FC mit fünf Siegen und zwei Remis satte zwölf Punkte - und schob sich von Platz 17 auf 14 vor.

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Noch aussichtsloser stand der Sport-Club Freiburg in seiner ersten Bundesliga-Saison da. Die Breisgauer hatten nach 31 Spieltagen 22:40 Punkte auf dem Konto, der Rückstand auf den 1. FC Nürnberg betrug vier Punkte. Das entsprach damals zwei Siegen (Köln und Hamburg liegen zwei Siege und ein Remis zurück). Das Team von Coach Volker Finke gewann zwei Mal in Folge, aber auch Nürnberg hatte zwei Zähler geholt. Vor dem finalen Spiel hatten die Schwarzwälder zwei Punkte weniger und ein um vier Treffer schlechteres Torverhältnis als der FCN. Dann das unglaubliche: Freiburg besiegte Duisburg 2:0, der Club verlor in Dortmund 1:4 - und Freiburg war mit drei Siegen in Folge doch noch drin geblieben.

Das Wunder am Main

Jan Age Fjörtoft macht den Übersteiger und verlädt Andreas Reinke - die Eintracht ist gerettet
Jan Age Fjörtoft macht den Übersteiger und verlädt Andreas Reinke - die Eintracht ist gerettet © imago

Und dann sind da ja auch noch Eintracht Frankfurt und Jan Age Fjörtoft. Und das wahrscheinlich sensationellste Finish der Bundesliga-Geschichte. Die Eintracht hatte nach 30 Spielen sechs Punkte Rückstand auf das rettende Ufer. Drei Siege später sah die Sache schon deutlich besser aus. Vor dem letzten Spieltag lagen die Adler (34 Punkte) drei Zähler hinter dem Zwölften Nürnberg (37). Dazwischen Stuttgart, Rostock und Freiburg, alle 36 Punkte. VfB und Hansa siegten und waren raus. Nürnberg traf auf Freiburg und lag gegen den direkten Konkurrenten zur Pause mit 0:2 hinten. Bei Frankfurt gegen Kaiserslautern stand es zu diesem Zeitpunkt 0:0. Damit musste Frankfurt nicht nur gewinnen, sondern auch noch drei Tore auf den FCN aufholen.

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Was kaum einer für möglich gehalten hatte, schafften die Frankfurter. In der 82. Minute führte die SGE 4:1 gegen den FCK. Das hätte gereicht. Doch dann erzielte Marek Nikl in der 85. Minute für Nürnberg den Anschlusstreffer gegen Freiburg. Der SGE fehlte nun wieder ein Tor für den Klassenerhalt. In der 89. Minute sorgte Jan Age Fjörtoft dann für das Wunder am Main. Der Norweger verlud Torwart Andreas Reinke per Übersteiger und schob zum 5:1 ein. Frankfurt war gerettet und Nürnberg, das mit der besten Ausgangslage in den Spieltag gestartet war, stieg in die 2. Bundesliga ab.

Frankfurt hatte in vier Spielen zwölf Punkte eingefahren und damit sechs Punkte auf Platz 15 aufgeholt (auf den Club sogar sieben). Im Schnitt waren das 1,5 Zähler pro Spieltag (oder 1,75 auf Nürnberg). Hamburg und Köln müssen auf Mainz nur 0,7 pro Match wettmachen. Es ist also noch alles drin an Rhein und Elbe - einfach in die Geschichtsbücher schauen und nachmachen.

Von Tobias Schild