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Mützendieb Modeste sorgt für Karnevalsstimmung beim 1. FC Köln

Anthony Modeste vom 1. FC Köln ist in Topform: Binnen zwei Wochen schnürte der Franzose drei wichtige Doppelpacks. Seine Jubelszenen zusammen mit Coach Steffen Baumgart sind bereits jetzt Kult. Karneval kann kommen!

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"Tanze Samba mit mir, Samba, Samba die ganze Nacht", twitterte Anthony Modeste am Sonntagabend. Zudem taggte der Stürmer des 1. FC Köln seinen Coach Steffen Baumgart. Das Hauptaugenmerk des Tweets dürfte aber auf dem Bild liegen: Dort ist zu sehen, wie der Angreifer Baumgarts ikonische graue Schiebermütze trägt, vor seinem Trainer tanzt und sich von ihm dabei anschreien lässt. Zu dieser ebenso witzigen wie kuriosen Szene kam es am Sonntag im Spiel gegen den 1. FC Union Berlin, kurz nachdem Modeste in der 86. Minute das punktbringende 2:2 erzielt hatte. Doch bereits am 1. Spieltag der Saison sorgte das Kölner Duo für große Lacher: Modeste bespritzte Baumgart schelmisch mit einer Trinkflasche. Auch in diesem Spiel ging es gegen ein Berliner Team, allerdings die Hertha. Und auch beim 3:1-Erfolg erzielte der 33 Jahre alte Angreifer ein Tor.

Bei den Kölnern wird in diesen Tagen wieder gefeiert und gelacht - das liegt aber nicht am immer näher kommenden Elften im Elften, sondern am Effzeh. Retteten sich die Rheinländer in der vergangenen Saison erst in der Relegation gegen Kiel, so wirkt das Team in dieser Spielzeit wie ausgewechselt: Agierten die Kölner 2020/21 noch sehr zurückhaltend sowie mit wenig Tempo und Kreativität im Angriff, spielen die Geißböcke nun aggressiv, mutig und zielstrebig. Und das, obwohl es im Kader kaum Unterschiede zur Vorsaison gibt. Hauptverantwortlicher für diesen Wandel ist der Trainer, Steffen Baumgart. "Zwei oder drei Jahre hat man hier in Köln anderen Fußball gesehen. Jetzt macht es wieder Spaß, hier im Stadion Spiele zu sehen. Diesen Weg wollen wir hier gemeinsam mit den Fans weitergehen", sagte Baumgart nach dem 2:2 gegen die Köpenicker.

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Baumgart: Coach, Kanzler, Spieler-Flüsterer

Der Coach, der vor dieser Saison von einer schwarzen, schmucklosen Kappe auf eine schneidige Schiebermütze in Grau als Kopfbedeckung umgestiegen ist, hat scheinbar einen ganzen Verein wiederbelebt. Durch seine Art und den nach vorwärts gerichteten Spielstil begeistert Baumgart die Menschen auf den Rängen in Müngersdorf und vor den TV-Bildschirmen. Als die Kölner am 7. Spieltag die Partie gegen die SpVgg Greuther Fürth drehten und mit 3:1 für sich entschieden schallte es "Steffen Baumgart wird Kanzler" von den Rängen. Der Trainer weiß nicht nur die Fans hinter sich zu sammeln, auch viele Spieler im Kader des FC küsste der Coach wach. Einen ganz besonders: Anthony Modeste.

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Der Stürmer hatte unter Baumgarts Vorgänger Markus Gisdol einen ganz schweren Stand: In der Hinrunde der vergangenen Saison kam der 33 Jahre alte Angreifer nur acht Mal in der Bundesliga zum Einsatz und wurde dann in der Rückrunde zum französischen Rekordmeister AS Saint-Etienne verliehen. Auch dort lief es nicht für Modeste: Knapp über 300 Minuten durfte der Stürmer nur für die AS auf dem Platz stehen. Einen Treffer konnte er in dieser begrenzten Zeit keinen erzielen. Das letzte Profi-Tor des Franzosen war das Führungstor beim 1:1 in Augsburg am 7. Juni 2020. Doch dann kam Baumgart. Dieser habe Modeste "gesagt, was er von mir will. Und ich habe ihm gesagt, was ich von ihm will." Eines liebt der 1,87 Meter große Neuner mit der Nummer 27 mehr als alles andere: Spielen.

"Tanze Samba mit mir": Anthony Modeste bejubelt seinen Treffer zum 2:2 mit des Trainers Mütze - UWE KRAFT via www.imago-images.de/imago images/Uwe Kraft

Modeste: Er will doch nur spielen

"Er hat mich verstanden. Er sieht, dass ich arbeite. Er vertraut mir und lässt mich spielen. Und jedem Trainer, der mir vertraut, zahle ich zurück", sagte Modeste. Und wie der Stürmer in dieser Saison seine Rechnungen begleicht: In seinen 13 Pflichtspieleinsätzen 2021/22 hat der Angreifer bereits zehn Treffer erzielt und zu einem Tor die Vorlage gegeben. Acht Mal netzte Modeste in der Bundesliga ein - nur Robert Lewandowski und Erling Haaland trafen öfter. Acht Mal gab es zunächst seinen ikonischen Brillen-Jubel zu sehen, ehe der Stürmer dann seinen Trainer aufsucht: Er wirft ihm Herz-Gesten zu, macht ihn mit einer Trinkflasche nass oder klaut ihm kurzerhand die Mütze. Wie Modeste scherzte, sei seine Frau "eifersüchtig auf meinen Trainer, weil ich so viele nette Worte über ihn verliere und ihm nach Toren Herzen zuwerfe. Aber es ist okay, weil es der Trainer ist und weil ich wieder viel besser drauf bin."

Die bessere Stimmung bei Modeste lässt sich in den vergangenen Wochen vor allem an Zahlen ablesen: In den vergangenen drei Partien schnürte die französische Frohnatur drei Doppelpacks. Die vergangenen Erfolge gingen also auf seine Kappe. Erst traf Modeste im Derby gegen Bayer 04 Leverkusen doppelt und egalisierte so einen 0:2-Rückstand gegen die Rivalen. Nur drei Tage später markierte Modeste beide Tore beim 2:0-Sieg im DFB-Pokal beim VfB Stuttgart. Und am Sonntag gegen Union trugen die beiden Treffer des Angreifers wieder zu etwas Zählbarem bei, spät wurde noch ein Punkt vor der Länderspielpause gesichert. Beim 1:0 zeigte der Franzose seine exzellente Antizipationsfähigkeit, als er nach dem Distanzkracher von Florian Kainz an die Querlatte instinktiv am schnellsten schaltete, sein Bein weit nach vorne streckte und die Kugel mit dem rechten Außenrist ins Tor bugsierte.

Modeste: Das Kopfballungeheuer der Bundesliga

Das 2:2 war wieder eine Co-Produktion von Kainz und Modeste: Der Österreicher brachte eine Ecke von links an den ersten Pfosten, wo der Franzose technisch äußerst anspruchsvoll mit dem Kopf in die lange Ecke verwandelte. Es war bereits das fünfte Saisontor, das Modeste per Kopf erzielte. Kein Spieler in der Bundesliga traf öfter auf diese Art und Weise. Baumgarts Spielweise, das schnelle Angreifen über die Außenbahnen, hebt zudem Kopfballstärke des Stürmers noch weiter an: Der Effzeh brachte in dieser Saison bereits die meisten Flanken aus dem Spiel in den Strafraum (176). Bei diesem Abnehmer ein mehr als probates Mittel.

Doch Modeste wartet nicht nur im Strafraum auf Flanken: Unter Baumgart versprüht der in der Filmstadt Cannes geborene FC-Star jede Menge Spielfreude und ist ein regelrechter Aktivposten. Gegen Union gab er beispielsweise alleine (sieben) fast so viele Torschüsse ab wie die Köpenicker insgesamt (neun). Zudem führte der Franzose die meisten Zweikämpfe bei den Rheinländern (20) und gewann für einen Stürmer auch noch starke 55 Prozent davon. Dank seiner guten physischen Voraussetzungen kann Modeste die Bälle in der Spitze sehr gut festmachen und hat auch immer wieder das Auge für seine Mitspieler: Gegen Union brachte er es auf die überragende Passquote von 92 Prozent.

Dass der Stürmer, der in der Saison 2016/17 25 Mal in der Bundesliga für den FC einnetzte, wie die Faust aufs Auge zu Köln passt, beweist auch dieses Zahlenspiel: Gegen die Köpenicker gelang Modeste sein elfter Doppelpack in der Bundesliga. Dank der beiden Tore stehen die Rheinländer nach elf Spieltagen auf dem elften Platz der Bundesliga. Und das wenige Tage vor dem Elften im Elften. Der Kölner Karneval kann kommen. Dass dort dann die ganze Nacht Samba mit grauen Schiebermützen auf dem Kopf getanzt wird, geht dann auf Baumgarts und Modestes Kappe.

Patrick Dirrigl