Der Jubel ist groß: Der SV Wehen Wiesbaden ist zurück in der 2. Bundesliga - © Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images
Der Jubel ist groß: Der SV Wehen Wiesbaden ist zurück in der 2. Bundesliga - © Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images
2. Bundesliga

Inspiriert von Oliver Kahn: Wehen Wiesbaden feiert Rückkehr in die 2. Bundesliga

Wiesbaden - Vor drei Jahren um ein Tor viertklassig, feiert der SV Wehen Wiesbaden mit dem Zweitliga-Aufstieg in der Relegation gegen Ex-Bundesligist FC Ingolstadt 04 sein Fußball-Märchen. Oliver Kahn stand Pate.

Beim "Kronleuchterpogo" in der altehrwürdigen Wiesbadener Rathaushalle ließen die tanzenden Aufstiegshelden jegliche vornehme Zurückhaltung fallen. "Nie mehr 3. Liga", schallte der Klassiker aus Dutzenden Kehlen, kurz darauf spritzten "Fußballgott" Alf Mintzel und Co. vom Balkon Sekt auf die mehreren Hundert Fans auf dem Schlossplatz vor dem Hessischen Landtag. Die Rückkehr in die 2. Bundesliga nach zehn harten Jahren der Drittklassigkeit hat beim SV Wehen Wiesbaden alle Dämme brechen lassen. Sportdirektor Christian Hock kamen schon nach dem überraschenden 3:2 (3:1) im Relegationsrückspiel beim FC Ingolstadt immer wieder die Tränen, Mintzel gab dort im Bademantel den Vorsänger.

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"Wenn man in meine Augen sieht, weiß jeder, was abgelaufen ist", sagte Manager Hock dem HR, "das geht sehr nah." Am Tag danach hatten die meisten Party-Protagonisten dicke Sonnenbrillen auf, nicht nur bei Sportchef Hock flossen "einige Tränen", dazu lief das Bier in Strömen - auch über die Köpfe der Aufstiegshelden. "Das ist mir völlig egal", sagte Hock klatschnass, "das ist gigantisch, ein genialer Moment, Wahnsinn! Wir haben uns das Krönchen aufgesetzt."

Bierdusche für den Erfolgstrainer: Wehens Coach Rüdiger Rehm wird von Torwart Markus Kolke erwischt - imago images / Jan Huebner

HSV statt Halle, Stuttgart statt Sonnenhof Großaspach

Dass es künftig Hamburger SV statt Halle oder VfB Stuttgart statt Sonnenhof Großaspach heißt, verschlug Hock fast die Sprache: "Das ist einfach nur geil, mir fehlen die Worte." Sogar Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier gratulierte: "Wir sind stolz auf das Team aus unserer Landeshauptstadt!" Dort wollte Keeper Markus Kolke "alles auseinandernehmen", der Wiesbadener Kurier schrieb von "Kronleuchterpogo" im Rathaus.

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Präsident Markus Hankammer kam der von Oliver Kahns legendärem Spruch "Weiter, immer weiter" inspirierte Coup märchenhaft vor. "Ich brauchte einen Moment, um mich zu fassen", sagte er über seine Emotionen beim Schlusspfiff, erst vor drei Jahren sei der SVWW noch ganz knapp "dem Tod von der Schippe gesprungen". Damals rettete ein Tor von Alf Mintzel in der Nachspielzeit den Drittliga-Dino vor dem Abstieg. Kultkicker Mintzel verabschiedete sich nach neun Jahren in Wiesbaden bei seinem letzten Profispiel standesgemäß.

Einer der gefeierten Helden nach dem Aufstieg: Wehen-Legende Alf Mintzel - Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images

Rehm: "Sie haben es geil gemacht, unfassbar geil"

"Besser kann man nicht abtreten - und jetzt ist auch gut mit bald 40", sagt der 37-Jährige im weißen Bademantel mit der Nummer 23 und der Aufschrift "Legend", den ihm Mitspieler Manuel Schäffler umgehängt hatte: "Ich habe den Jungs gesagt: Das wird in Erinnerung bleiben, bis ihr auf dem Sterbebett liegt - und dann werdet ihr nochmal einen kurzen Moment dran denken."

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Zunächst will der Anführer der "ewigen" Drittligatabelle die 2. Bundesliga rocken. Der Aufstieg spült über sieben Millionen Euro TV-Geld in die Kasse, das Stadion soll (bis Ende 2020) von 12.500 auf 15.000 Plätze ausgebaut und damit zweitligatauglich werden. "Da freut sich der Direktor Finanzen", sagte Trainer Rüdiger Rehm. Der seit Februar 2017 amtierende Coach habe "riesigen Anteil" am Erfolg, betonte Hankammer. Dass Wehen-Wiesbaden nach dem 1:2 im Hinspiel durch Treffer von Daniel-Kofi Kyereh (11.), Maximilian Dittgen (30.) und Björn Paulsen (43., Eigentor) zurückkam, sei Rehms "klarem Plan" zuzuschreiben. Rehm gab das Lob an die Spieler weiter: "Sie haben es geil gemacht, unfassbar geil, ich bin richtig stolz auf sie."

SID

Grenzenlose Freude bei Wehens Trainer Rüdiger Rehm (l.) und Sportchef Christian Hock - imago images / Sven Simon