
Senft beginnt Eichner-Nachfolge mit Erfolgserlebnis
Sechs Jahre lang war Christian Eichner Trainer beim Karlsruher SC und von der Seitenlinie der Badener eigentlich nicht mehr wegzudenken. Diesen Sommer allerdings verließ der Coach den KSC, seine Nachfolge trat Maximilian Senft an. Der 37-Jährige meisterte den Saisonauftakt mit seinem Team mit Bravour, dieser "neue KSC" macht Lust auf mehr.
Nicht viele konnten sich den Karlsruher SC ohne Christian Eichner an der Seitenlinie vorstellen. Über eine sehr lange Zeit nämlich, genauer gesagt sechs Jahre, hatte Eichner den KSC Stück für Stück immer weiter in der 2. Bundesliga etabliert und auch immer wieder nah an die Aufstiegsränge herangeführt. Der logische nächste Schritt in den Augen vieler Beobachter wäre also der gemeinsame Aufstieg eines Tages in die Bundesliga gewesen. Doch nach einer enttäuschenden letzten Spielzeit und Platz zehn am Saisonende trennten sich schließlich die Wege, bei den Badenern wurde das Gefühl nach einem Neuanfang laut.
Genau diesen Neuanfang soll Maximilian Senft einleiten. Der 37-Jährige kann in jedem Fall Liga zwei, in Österreich führte er die SV Ried in der Saison 2024/25 aus der 2. Liga sensationell als Meister zurück in die Bundesliga und schaffte dort in der darauffolgenden Saison den Klassenerhalt. Das war für die KSC-Verantwortlichen rund um Mario Eggimann Grund genug, dem Österreicher eine Chance im deutschen Unterhaus zu geben.
Bislang jedenfalls wird man von Senft beim KSC definitiv nicht enttäuscht. Beim 2:1-Auftaktsieg gegen Arminia Bielefeld zeigte der Fußballlehrer Mut und stellte neben drei Neuzugängen auch das erst 19-jährige Eigengewächs Danyal Zor in die Startelf. Dieser Mut sollte belohnt werden, Zor zeigte bei seinem Profidebüt eine solide Vorstellung und wurde nach 65 Minuten ausgewechselt, Neuzugang Moritz Broschinski wiederum avancierte per Doppelpack zum Matchwinner und bescherte Senft so eine erfolgreiche Premiere.

Bunte Mischung im Kader
Im ersten Pflichtspiel unter der Ägide von Senft hat man bereits erste Ansätze erkennen können. Der Österreicher lässt einen intensiven Fußball spielen, presst den Gegner teilweise sehr früh, will von hinten heraus nach vorne kombinieren und natürlich offensiv für Spektakel sorgen.
Gegen Bielefeld hatte der KSC insgesamt 22 Abschlüsse, erspielte sich einige richtig dicke Chancen, erzielte zwei Tore und traf zudem ein Mal die Latte. Kapitän und Routinier Marvin Wanitzek ist nach wie vor der Denker und Lenker im Spiel, in der Abwehr sorgen Sebastian Jung und Marcel Franke weiterhin für Stabilität. Daneben sorgen junge Wilde wie die beiden Eigengewächse Zor und Rafael Pinto Pedrosa oder auch Neuzugang Deniz Ofli für Furore. Senft scheut sich nicht, die Youngster von Beginn an reinzuwerfen und vertraut ihnen. Sie dürfen Fehler machen, vor allem aber sollen sie lernen und sich weiterentwickeln.
Im Angriff stimmt die Balance, mit den beiden Neuzugängen Broschinski und Noel Eichinger haben die Karlsruher zwei 25-Jährige, die bereits einiges an Erfahrung haben und sich dennoch ebenfalls noch weiterentwickeln können. Broschinski traf gleich am ersten Spieltag doppelt, auch Eichinger zeigte sich sehr bemüht und enorm aktiv. Dieses Sturmduo macht auf jeden Fall Lust auf mehr.
Die insgesamt bunte Mischung beim KSC aus Erfahrung, Routine, Abgezocktheit und junger Frische weiß Senft bislang optimal einzusetzen. Geht es so weiter, dann ist der KSC in dieser Saison ein heißer Anwärter auf den Aufstieg.
Noch Luft nach oben
Bei all den Lobeshymnen muss aber auch gesagt werden, dass Senft auch noch einige Baustellen zu bewältigen hat. Die Abwehr wirkte gegen Bielefeld nicht immer sattelfest, zwei Alu-Treffer inklusive zweier Großchancen hatten die Ostwestfalen zu verbuchen. Zudem ist spielerisch noch Luft nach oben, phasenweise nimmt sich der KSC noch zu viele Auszeiten und kann den geforderten Spielstil von Senft noch nicht über die volle Spieldauer abrufen.
Dementsprechend gemischt fiel auch sein Fazit nach Spielende aus: “Wir haben uns in der ersten Halbzeit schwergetan. Bielefeld hat es richtig gut gemacht, wir hatten Glück mit dem Lattentreffer. In der zweiten Halbzeit muss ich meiner Mannschaft und auch dem Stadion ein Kompliment machen. Es waren gefühlt 40 Grad und wir sind eine super Intensität gegangen. Das Ganze war getragen von der Kurve, das war auch für mich sehr besonders heute."
In den kommenden Wochen wird man sehen, wohin die Reise bei den Badenern geht und ob man konstant auf dem Level spielen kann, was es für einen möglichen Aufstieg braucht. Der Anfang in jedem Fall ist gemacht - nun liegt es an Senft und seinen Mannen, diesen Weg konstant weiterzugehen.
