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Das absichtliche Handspiel beim Fußball: "Finger weg!“

Neben dem Abseits und klassischen Fouls gilt das Handspiel als einer der häufigsten Regelverstöße beim Fußball. Denn außer bei einem Einwurf darf der Fußball von normalen Feldspielern nur mit den Füßen und Beinen bzw. dem Oberkörper und dem Kopf gespielt werden. Da sich nicht immer klar beurteilen lässt, ob ein Handspiel mit Absicht erfolgt ist, gibt es nach strittigen Entscheidungen der Unparteiischen regelmäßig lebhafte Diskussionen zwischen Fußball-Fans.

In den vergangenen Jahren wurden die Regeln für das Handspiel beim Fußball zudem immer wieder geändert. Das führte zu viel Verwirrung bei Spielern, Trainern und Fans. Aktuelle Änderungen wurden vorgenommen, um den Schiedsrichtern mehr Spielraum zu lassen.

Wir klären über die Regeln beim Handspiel im Fußball auf.

Wann handelt es sich um ein Handspiel?

Nicht jede Ballberührung eines Spielers mit der Hand bzw. dem Arm gilt im Fußball als Handspiel. Laut dem offiziellen DFB-Regelwerk verläuft die Grenze zwischen Schulter und (angelegtem) Arm unten an der Achselhöhle.

Dementsprechend liegt ein Vergehen wegen eines Handspiels in diesen Fällen vor:

  • Ein Spieler berührt den Ball absichtlich mit der Hand oder dem Arm (zum Beispiel durch eine Bewegung der Hand oder des Arms zum Ball hin).
  • Ein Spieler berührt den Ball mit der Hand oder dem Arm und „vergrößert“ seinen Körper aufgrund der Hand- bzw. Armhaltung auf unnatürliche Art. Diese unnatürliche Vergrößerung des Körpers liegt vor, wenn die Hand- oder Armhaltung weder die Folge einer Körperbewegung des Spielers in der jeweiligen Situation ist noch mit dieser Körperbewegung gerechtfertigt werden kann. Mit der vorgenommenen Hand- oder Armhaltung geht der Spieler das Risiko ein, dass der Ball an seine Hand oder seinen Arm springt und er dafür bestraft wird.
  • Ein Spieler befördert den Ball direkt mit der Hand oder dem Arm ins gegnerische Tor. Dabei ist es unerheblich, ob das Handspiel absichtlich oder unabsichtlich erfolgt.
  • Ein Spieler trifft ins Tor, unmittelbar nachdem er den Ball mit der Hand oder dem Arm berührt hat. Auch in diesem Fall spielt es keine Rolle, ob das Handspiel absichtlich oder unabsichtlich erfolgt ist.

Maxim Leitsch bekommt den Ball im Strafraum an die Hand - IMAGO/Ralf Treese/IMAGO/Treese

Wann handelt es sich um ein Handspiel?

  • Prallt der Ball vom Kopf, Fuß oder dem restlichen Körper eines Spielers ab und berührt dabei den Arm oder die Hand desselben Spielers oder eines Spielers in der Nähe, gilt das nicht als Handspiel.
  • Ein Kontakt des Balls mit der Schulter gilt nicht als Handspiel.
  • Waren Arm oder Hand beim Ballkontakt nah am Körper und wurde der Körper demnach nicht unnatürlich größer gemacht, liegt ebenfalls kein Handspielverstoß vor.
  • Berührt ein Spieler den Ball nach einem Sturz mit seiner Hand oder seinem Arm, wird dieser Vorgang selten als Handspiel gewertet, außer der Spieler streckt die Arme oder Hände während des Sturzes seitlich oder senkrecht vom Körper weg.
  • Unabsichtliches Handspiel bei einer Torvorlage gilt seit der Saison 2021/2022 nicht mehr als strafbares Handspiel.

Wolfsburgs Sebastiaan Bornauw in einer Handspielszene - IMAGO/Weis/TEAM2sportphoto/IMAGO/Team 2

Darf der Torwart außerhalb des Strafraums mit der Hand spielen?

Wie die Feldspieler im Fußball darf auch der Torwart außerhalb des Strafraums nicht mit der Hand spielen. Innerhalb des eigenen Strafraums hat er mehr Spielraum mit der Hand, doch auch dort gibt es Einschränkungen: Nach einem Rückpass oder auch nach einem Einwurf eines Spielers der eigenen Mannschaft etwa darf der Torwart den Ball nicht mit der Hand annehmen.

Berührt der Torhüter den Ball unerlaubterweise innerhalb des eigenen Strafraums mit der Hand oder dem Arm, wird ein indirekter Freistoß, aber keine Disziplinarmaßnahme verhängt.

Sanktionen drohen, wenn der Torhüter den Ball nach einer Spielfortsetzung ein zweites Mal (mit oder ohne Hand bzw. Arm) berührt, ehe ein anderer Spieler den Ball berührt hat, sofern er damit einen aussichtsreichen Angriff unterbindet, ein Tor des gegnerischen Teams verhindert oder eine klare Torchance vereitelt.

Kölns Torwart Schwäbe beim Abwurf - IMAGO/Anke Waelischmiller/Sven Simon/IMAGO/Sven Simon

So wird ein Handspiel vom Schiedsrichter geahndet

Schiedsrichter können Spieler aufgrund von Handspielvergehen mit einer Gelben Karte verwarnen. Dabei wird das Handspiel gemäß DFB-Regelwerk als "unsportliches Betragen“ gewertet.

Eine Gelbe Karte droht einem Spieler, wenn er ein Handspiel begeht, um ein Tor zu erzielen, unabhängig davon, ob er erfolgreich ist oder nicht. Ebenfalls zu verwarnen sind Spieler, die erfolglos versuchen, durch ein Handspiel ein Tor zu verhindern.

Eine Rote Karte droht bei diesem "feldverweiswürdigen“ Handspielvergehen: Verhindern eines Tors oder Vereitelung einer eindeutigen Torchance des Gegners durch Handspiel (mit Ausnahme des Torhüters im eigenen Strafraum). Dies ist unabhängig vom Ort des Vergehens.

Was passiert bei einem Handspiel im Strafraum?

Bei einem absichtlichen Handspiel der verteidigenden Mannschaft im eigenen Strafraum entscheidet der Schiedsrichter in der Regel auf einen Elfmeter, den sogenannten "Handelfmeter“, für das angreifende Team.

Schließlich ist eine solche Aktion in unmittelbarer Nähe vor dem Tor besonders kritisch zu bewerten, da sie astreine Torchancen verhindert. Bei absichtlichem Handspiel außerhalb des eigenen Strafraums erfolgt ein direkter Freistoß.

Die Zahl der Handelfmeter hat sich in der Fußball-Bundesliga stark erhöht. Waren in der Saison 2015/2016 nur 14 Prozent aller Elfmeter "Handelfmeter“, so stieg diese Zahl in der Saison 2020/2021 auf 23 Prozent. Dies ist insbesondere auf mehr Technik (z. B. mehr Kameras) und mehr Personal, z. B. den VAR, zurückzuführen, die viel mehr Handspiele sichtbar machen als zuvor.

Bei der Entscheidung für einen Handelfmeter ist vor allem die Frage ausschlaggebend, ob der Ball in Richtung Tor geschossen wurde – eine klassische Situation, in welcher der Schiedsrichter auf die Unterstützung der Video-Assistenten angewiesen ist.

Die "Hand Gottes“

Das Handspiel der Fußball-Legende Diego Maradona während der Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko gilt als einer der geschichtsträchtigsten Momente im Weltfußball:

Im Viertelfinale gegen England (Endstand 2:1) erzielte der Kapitän der argentinischen Mannschaft das 1:0 aufgrund eines unerlaubten Handspiels. Argentinien wurde später Weltmeister und Maradona sprach von der "Hand Gottes“, die den Ball im Zusammenspiel mit seinem Kopf in das gegnerische Tor befördert habe.

Erst im Jahr 2005 gab Maradona das Handspiel zu, drei weitere Jahre später zeigte er erstmals Reue. Der Fußball, mit dem das legendäre Tor geschossen wurde, erzielte im November 2022 bei einer Versteigerung einen Erlös von über 2,2 Millionen Euro.

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